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Software fürs Planen und Bauen im Bestand

 

    

   

 

Wer beim potenziellen Bauherren die Lust am Um-, An- oder Ausbau wecken will, muss ihn zunächst überzeugen – mit guten Entwürfen und Kompetenz in der Planung von Sanierungs-, Renovierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen. Lesen Sie hier, wie Sie mit spezieller Software effizienter Bestand erfassen, Um- oder Anbaumaßnahmen planen und ausschreiben.

 

Die Sanierung und Modernisierung, der Aus- und Umbau bestehender Gebäude gewinnt zunehmend an Bedeutung und macht schon jetzt einen Anteil von rund 60% der Hochbautätigkeit aus – Tendenz steigend. In Deutschland sind Schätzungen zufolge alleine im Wohnungsbau von rund 38 Millionen Wohneinheiten etwa 24 Millionen sanierungsbedürftig. Das entspricht einem Auftragsvolumen für die Baubranche von rund 350 Milliarden Euro innerhalb der kommenden 15 Jahre. Auch in Österreich und der Schweiz geht der Trend in Richtung Altbau-Modernisierung. Software-Anbieter haben dieses Potenzial erkannt, denn Programme oder Module, die sich speziell dem Planen und Bauen im Bestand verschrieben haben, gibt es mittlerweile viele.

 

Beondere Aufgaben ...

 

... erfordern besondere Lösungen – so auch im Umgang mit alter Bausubstanz. Jeder im Altbau tätige Planer stellt sich zu Projektbeginn diese oder ähnliche Fragen: Wie überzeuge ich meine Bauherren von der Attraktivität einer Um- oder Anbaumaßnahme? Wie bekomme ich Bestandspläne in den Computer? Wie erfasse ich den aktuellen Bestand zeit- und kostengünstig? Wie erstelle ich Bestandsaufnahmen ohne Datenmüll, die in der Projektplanung 100%ig verwertbar sind? Wie zeichne ich die Umbaumaßnahmen einfach, aber normgerecht in die Bestandspläne ein? Wie passe ich historisch wertvollen Baubestand behutsam an aktuelle Wärmeschutzstandards an? Wie erzeuge ich aus den Projektdaten schnell und effizient das Roh-LV sowie die Kostenermittlung und Leistungsbeschreibung? Wie beschreibe ich Leistungen im Altbau möglichst nachtragssicher? Fragen über Fragen – Software fürs Bauen im Bestand bietet Lösungen. Einen kleinen nach Leistungsbereichen sortierten Überblick über das aktuelle Angebot geben die folgenden Abschnitte.

 

Alt/Neu präsentieren

 

Vor jedem Auftrag steht viel Überzeugungsarbeit. Bevor ein Projekt zum Bauvorhaben wird, muss der Bauherr überzeugt werden. Die moderne Digitalfotografie und spezielle Entwurfs- bzw. Visualisierungssoftware haben die Präsentation von Entwurfsideen im Baubestand sehr vereinfacht. Das Prinzip ist einfach: Fotos vom Bestand werden ins Programm geladen, auf eine Fläche “aufgezogen” und zusammen mit den baulichen Maßnahmen visualisiert. Das geht erstaunlich schnell und generiert “Bildmontagen”, die Alt und Neu überzeugend und anschaulich nebeneinander stellen. Ob es um einen Wintergarten, ein neues Vordach, einen neuen Anbau oder einfach um neue Fenster mit passendem Fassadenanstrich geht – Software für das Modellieren bzw. Visualisieren von Entwuftsideen bzw. spezielle Präsentationssoftware für die Fassadengestaltung (siehe auch architektur 03/04 bzw. 05/04) vereinfacht den Aufwand bei der Präsentation von Alt und Neu und beschleunigt Entscheidungsprozesse.

 

Bestand erfassen

 

Grundrisse oder Fassaden manuell aufzumessen, ist zeit- und kostenaufwändig. Das PC-gestützte Aufmaß verkürzt den Messvorgang und prüft die Messdaten auf Plausibilität und Vollständigkeit. Damit erübrigt sich in der Regel ein wiederholter Besuch der Baustelle. Da alle Bestandsdaten digital erfasst werden, erspart das rechnergestützte Aufmaß zudem das Eintippen der analogen Messdaten. Mehrere Verfahren werden unterschieden: Mit Hilfe von Flexiblen Erfassungssystemen, bestehend aus einer mobilen Aufmaß-Software, einem Laser-Entfernungsmesser und einem Notebook oder Pocket-PC, lassen sich beispielsweise Grundrissdaten direkt vor Ort im Rechner erfassen. Aus den Messwerten entsteht eine Grundriss-Binnenkontur, die die Grundlage für einen Bestandsplan bildet. Beim Scanner-System wird ein Laserscanner in der Raummitte aufgestellt, der während seiner Umdrehung alle Raumkoordinaten erfasst. Ausgegeben werden die dreidimensionalen Rauminformationen im DXF-Format und können damit von jedem 3D-fähigen CAD-Programm weiterbearbeitet werden. Bei den fotobasierenden Verfahren werden entweder Fassadenfotos perspektivisch entzerrt und im CAD-Programm einfach “durchgepaust” oder fotogrammetrisch zwei- oder dreidimensional ausgewertet.

 

Bestandspläne einlesen

 

Bei Sanierungen, Modernisierungen, Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen stellt sich Planern regelmäßig die Frage: Wie übertrage ich nur in Papierform vorliegende Bestandspläne in mein CAD-Programm? Papierpläne, die in einem CAD-Programm weiterbearbeitet werden sollen, müssen in der Regel zuvor in ein Vektor-Format umgewandelt werden. Dies setzt entweder spezielle Konvertierungs-Software und/oder manuelle Arbeit voraus. Papiervorlagen lassen sich folgendermaßen in CAD-gerechte Informationen überführen: Neueingabe nach Vorlage, Vektorisieren am Digitalisiertablett, Scannen und Vektorisieren am Monitor, automatisch Konvertieren oder hybrid arbeiten. Heute beherrscht praktisch jedes CAD-Programm die letztere Methode: das parallele Bearbeiten und Ausdrucken von gescanntem Papierplan und CAD-Zeichnung. Auch für die Raster-Vektor-Konvertierung bietet der Markt zahlreiche Lösungen (siehe Anbieterliste).

 

Pläne zeichnen

 

Auch beim Zeichnen alter und neuer Gebäudestruktur hilft Software, Arbeitszeit einzusparen. Spezielle CAD-Module (z. B. ADT-Umbau) bieten praktische, arbeitssparende Funktionen für das Einzeichnen von Um- oder Erweiterungsmaßnahmen in Bestandspläne. Das Ändern des Grundrisses erzeugt automatisch die entsprechende normgerechte Darstellung für die Umbauplanung. Der Planer kann Wände, Türen, Fenster und alle Bauteile, die im Zuge eines Umbaus oder einer Sanierung abgerissen bzw. geändert werden müssen, mit Befehlen wie “löschen”, “schieben” usw. bearbeiten. Das Programm stellt die Bauteile automatisch grafisch so dar, wie es in der Umbauplanung üblich ist. Löscht der Planer beispielsweise eine Wand, so wird diese nicht tatsächlich gelöscht, sondern als Abbruch gekennzeichnet. Abbruch oder Neubau können wahlweise farbig oder Schwarzweiß dargestellt werden. Nach Fertigstellung der Umbauplanung ist eine Überführung in einen neuen Bestandszustand mit einem Mausklick jederzeit möglich.

 

Energie sparen

 

Nicht nur Neubauten, auch alter Gebäudebestand muss – wird er großflächig saniert – aktuelle Wärmeschutzstandards erfüllen. Bauphysik-Software bietet alle notwendigen Werkzeuge, um im Zusammenhang mit Altbauten und Energiesparmaßnahmen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Insbesondere bei Altbauten können aus bauphysikalischen Planungs- und Konstruktionsfehlern resultierende Bauschäden hohe Folgekosten und Regressforderungen nach sich ziehen. Mit Hilfe von Berechnungen des Temperaturverlaufs und der Wasserdampfdiffusion lassen sich Bauteile an kritischen Stellen im Hinblick auf eine eventuelle Durchfeuchtung gezielt überprüfen und dadurch Problembereiche mit konstruktiven Mitteln vermeiden. Die Grundlagen dazu liefern Bauteildatenbanken, die nicht nur bauphysikalische Kenngrößen moderner Baustoffe, sondern auch von Sandsteinmauern, Lehmwickeldecken oder Strohmatten enthalten. Zudem hilft Bauphysik-Software, Dämm-Maßnahmen zu optimieren: Schichtdicken-Optimierungen helfen nicht nur Bau- und Heizenergiekosten zu sparen, sondern ermöglichen auch formal befriedigendere Lösungen im Umgang mit alter Bausubstanz.

 

Kosten kalkulieren/Ausschreiben

 

Die Kalkulation und Ausschreibung von Bauleistungen im Bestand erfordert neben viel Erfahrung auch ein profundes Know-how über bauphysikalische, bauchemische oder bauhistorische Zusammenhänge. Häufig werden im Bestand Leistungspositionen einfach vergessen, weil das Wissen um die Notwendigkeit entsprechender Arbeiten einfach fehlt. Spezielle Datensammlungen (z. B. sirAdos Altbau oder HeinzeBauOffice) helfen dem Planer, nachtragssichere LVs zu erstellen, da die Gewerke Position für Position abgearbeitet werden. Sie dienen als Grundlage für die Ausschreibung von Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen im Wohnungs- und Verwaltungsbau und stellen zudem Informationen zur aktuellen Baupreissituation zur Verfügung. Auf das Bauen im Bestand zugeschnittene Datensammlungen eignen sich für Renovierungs-, Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen, denn sie enthalten zusätzliche Leistungsbeschreibungen für die Bereiche Abbrucharbeiten, Naturwerksteinarbeiten, Lehmbauarbeiten, Abdichtung gegen Wasser etc. Spezielle Texte für Bauwerkserhaltung machen die Datensammlungen darüber hinaus auch für die Kostenplanung und Ausschreibung von denkmalgeschützten Gebäuden attraktiv.

 

Text: Marian Behaneck

Bilder: Nemetschek, Orca

 

Den gesamten Artikel finden Sie im Heft 1/05.

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