EliteCAD
gehört nicht gerade zu den bekanntesten CAD-Systemen für Architekten. Vom
angebotenen Leistungsumfang – der im Rahmen dieses Artikels nicht vollständig
dargestellt
werden
kann – braucht sich die Software von Messerli Informatik jedoch nicht
hinter den
Großen
der Branche zu verstecken.
Einstieg
Für
den EliteCAD-Neuling liefert Messerli auf CD einen Einsteigerkurs im
PDF-Format mit. Dieser erläutert anhand von ausführlich beschriebenen
und bebilderten Beispielen die grundlegenden Funktionen des Programms.
Weiterführende Informationen liefert die Dokumentation (ebenfalls als
PDF), die gleichzeitig als Online-Hilfe fungiert. So sind die ersten
Schritte mit EliteCAD durchaus autodidaktisch zu bewältigen und führen
schnell zu Erfolgserlebnissen. Dennoch empfiehlt es sich nicht, auf eine
Schulung gänzlich zu verzichten, will man wirklich alle Möglichkeiten
der Software kennen lernen und effizient nutzen.
Programmoberfläche
EliteCAD
präsentiert sich dem Anwender mit einer modernen, Windows-konformen
Oberfläche, die sich über konfigurierbare Werkzeugpaletten
individuellen Bedürfnissen anpassen lässt. Durch die logisch
nachvollziehbaren, Gliederung der Menüs stellt die Orientierung im
Programm kein grundsätzliches Problem dar, allein die Fülle der
angebotenen Funktionen und Einstellungen lässt den Einsteiger
gelegentlich länger nach einem bestimmten Menüpunkt oder Werkzeug
suchen - in dieser Hinsicht befindet sich EliteCAD in bester
Gesellschaft mit anderen leistungsfähigen CAD-Systemen. Geschickt
gelöst: Die Fenster zur Geschoß-, Layer und Ansichtenverwaltung
klappen bei Nichtgebrauch auf Wunsch automatisch platzsparend zu einer
schmalen Leiste am Bildschirmrand zusammen.
Struktur
Wie
bei CAD-Programmen üblich, legt auch EliteCAD seine Zeichnungselemente
auf Layern ab. Bei der Konstruktion von Architekturbauteilen kümmert
sich das Programm selbstständig um die richtige Layer-Zuordnung. Wer
mit den vorgegebenen Zuordnungen nicht zufrieden ist, kann diese
bauteilspezifischen Voreinstellungen individuell ändern beziehungsweise
ändern lassen. Die Layer sind aber nur der zunächst sichtbare Teil des
Gliederungskonzepts von EliteCAD. Aktiviert man eine entsprechende
Option in den Voreinstellungen des Programms, so stehen mit den
unabhängigen Ordnungskriterien Muster, Gruppe, Klasse und Ebene
wesentlich flexiblere Möglichkeiten zur Verfügung, um beispielsweise
für eine spezielle Plandarstellung nur bestimmte Elemente sichtbar zu
schalten. Ein weiteres Hilfsmittel hierzu ist die Geschossverwaltung,
mit der sich, differenziert nach den verschiedenen Gebäuden eines
Projektes, Geschosse einzeln ein- und ausblenden lassen. EliteCAD
arbeitet übrigens mit variablen Parametern für die verschiedenen
Geschosstypen innerhalb eines Gebäudes. Ändert man solch einen Wert,
zum Beispiel die lichte Höhe des Erdgeschosses, so passt das Programm
alle abhängigen Bauteile automatisch entsprechend an.
Architekturelemente
Die
Konstruktion in EliteCAD erfolgt grundsätzlich im dreidimensionalen
Raum, wobei die Sicht auf das Gebäudemodell frei wählbar ist. Die
häufig von CAD-Anwendern vertreten Meinung, dass ein 3D-Gebäudeentwurf
wesentlich höheren Aufwand als eine 2D-Zeichnung erfordere, bestätigt
das Programm jedoch nicht. Die Eingabe eines Grundrisses kann genauso
erfolgen wie in einem 2D-CAD, um die richtigen Höhen kümmert sich die
Geschossverwaltung automatisch.
Die
Architekturbauteile von EliteCAD verfügen über eine differenzierte
Parametrik und bestehen aus einem 3D-Objekt und einem 2D-Symbol für die
Darstellung im Grundriss. Der Grad der Detaillierung kann jederzeit
umgeschaltet werden, wodurch sich beispielsweise der Arbeitsaufwand beim
Übergang vom Entwurf zur Ausführungsplanung deutlich reduziert. Auf
alle Bauteile im einzelnen einzugehen, würde den Rahmen dieses Berichts
sprengen, deshalb seien hier nur die wichtigsten erwähnt.
EliteCAD
bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um Wände zu konstruieren.
Neben dem allgemein gängigen Verfahren über die Eingabe eines
Linienzuges bei konstanter Wandstärke kann die Wandachse beispielsweise
auch durch eine Kontur aus beliebigen 2D-Elementen bestimmt werden. Die
freiesten Wandformen erhält man, indem sowohl Grund- als auch
Ansichtsfläche über eine beliebiges 2D-Profil definiert werden. Je
nach verwendeter Konstruktionsmethode lassen sich Wandstärke, Anzahl
und Reihenfolge der Schichten, Achsverlauf, Grund- und Ansichtsfläche
jederzeit nachträglich ändern. Ähnlich flexible Möglichkeiten bieten
sich bei den Fenstern. So kann der Anwender unter anderem die Flügel-
und Sprossenteilung bestimmen und Einfluss auf die Ausformung von
seitlichem Anschlag, Sturz, Rollladenkasten und Fensterbank nehmen.
Mittels einer auf die Fassade gezeichneten Kontur lassen sich auch
Fenster jenseits der gängigen Standardformen erzeugen. Entsprechend
wird ein "Glaselement" konstruiert, das jedoch nicht von einer
Wand abhängig ist und deshalb beispielsweise für die Darstellung von
Glasfassaden Verwendung finden kann. Bei den Treppen stehen dem Anwender
alle gängigen Grundrissformen zur Auswahl, auch Treppen mit freiem
Verlauf sind machbar. Je nach Typ schwankt die Zahl der frei
einstellbaren Parameter. So ist beispielsweise die Konstruktion
einläufiger, gerader Treppen bis hin zu Details der Auflagerung
variabel. Dass im Dialogfenster zum Einstellen der Parameter und
konstruktiven Ausformung lediglich bei Wendeltreppen seitliche Wangen
angeboten werden, ist allerdings unverständlich. Geländer behandelt
EliteCAD als separate Bauteile, die nicht nur an Treppen, sondern (zum
Beispiel für Brüstungen) auch entlang beliebiger 2D- oder 3D-Konturen
konstruiert werden können.
Als
weitere parametrische Bauteile stellt EliteCAD Türen, Pfeiler,
Unterzüge, Wanddurchbrüche- und Schlitze, Kamine, Decken, Dächer,
Dachgauben und die diversen Holzteile für den Dachstuhl zur Verfügung.
In den mitgelieferten Bibliotheken finden sich zudem Bauelemente mit
fixen Abmessungen sowie diverse Detailzeichnungen und eine große Zahl
von Möbeln und Accessoires.
2D-Zeichenfunktionen
2D-Kostruktionen
lassen sich auf beliebigen Ebenen im dreidimensionalen Raum des
Gebäudemodells oder auf der Zeichenfläche der davon abgeleiteten
Ansichten (siehe "Plandarstellung") erstellen. Als
Grundelemente stehen Linie, Polyline/Polygon, Rechteck, Kreis,
Kreisbogen, Ellipse und Spline zur Verfügung. Bei der Konstruktion
leisten Hilfslinien und -kreise sowie die verschiedenen
Bearbeitungsfunktionen und Fangmodi nützliche Dienste. Schwächen zeigt
EliteCAD lediglich bei den Splines. Denn diese werden bis zum Abschluss
der Funktion als eckige Polylinie dargestellt, weshalb der spätere
Kurvenverlauf nur erahnt werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die
so erzeugten Kurven nachträglich nicht mehr verformt werden können.
Freie
3D-Objekte
EliteCAD
bietet eine ganze Reihe von 3D-Standardkörpern an, die vom einfachen
Quader bis zum Fass reichen. Daneben lassen sich Rotations- und
Extrusionskörper beziehungsweise -flächen erzeugen. Durch das
Verschieben einer Kontur entlang eines beliebigen 3D-Pfades entstehen so
genannte Trans-Flächen oder Trans-Boxen (Vollkörper). Die flexiblere
Variante davon sind Design-Flächen und -Boxen, bei denen der
Querschnitt entlang des Pfades zwischen einem Anfangs- und einem
Endprofil interpoliert wird. Mit diesen Funktionen lassen sich allerhand
interessante Dinge modellieren, so zum Beispiel kompliziert gewundene
Rampen oder elegant geschwungene Stahlträger. Die 3D-Körper können
mit Boolschen Operationen sowie verschiedenen anderen Funktionen
(Trimmen, Ausrunden, …) weiter nachbearbeitet werden.
Plandarstellung
Der
so genannte Ansichtenmanager von EliteCAD kommt verschiedenen Aufgaben
nach. Zunächst kann man mit ihm zwischen verschiedenen Sichten auf das
3D-Modell hin- und herschalten. Bestandteil einer solchen Modellansicht
sind neben der Projektionsart und Darstellung (Drahtmodell, Schattiert,
Hidden-Line) auch alle Filtereinstellungen, also beispielsweise, welche
Layer sichtbar sein sollen. Außerdem verwaltet der Ansichtenmanager
alle vom 3D-Modell abgeleiteten 2D-Darstellungen. Hier gibt es
verschiedene Ansichtstypen, die sich unter anderem auch dadurch
unterscheiden, ob Änderungen im Modell automatisch oder erst durch
explizites Aktualisieren nachgeführt werden sollen. Auf Wunsch
berechnet EliteCAD zu den 2D-Ansichten auch Vektor-Schlagschatten. Neben
den 3D- und 2D-Ansichten findet sich im Ansichtenmanager auch die
Kategorie "Plots". In einem Plot lassen sich beliebige
Ansichten zusammenstellen und mit zusätzlichen Elementen, zum Beispiel
Planrand, Plankopf oder Rasterbildern (TIFF, JPG, BMP), versehen. Die
Inhalte des Plankopfes werden übrigens in der Zeichnungsverwaltung von
EliteCAD erfasst, wodurch unter anderem eine rasche Suche nach
bestimmten Plänen möglich ist.
Datenaustausch
EliteCAD
exportiert alle Räume, Massen und Flächen "auf Knopfdruck"
in eine Datenbank (Runtime-Version von Microsoft Access). Dort liegen
für Auswertung und Nachweise eine große Anzahl von vorgefertigten
Berichten bereit. Deren Gliederung und Berechnung (mit nachvollziehbarem
Ansatz) berücksichtigt wahlweise die deutschen, österreichischen oder
schweizerischen Normen und Verordnungen. Eine direkte Übergabe von
Massen an die AVA gibt es derzeit nur an das Programm von Bechmann. Eine
GAEB-Schnittstelle ist aber laut Hersteller bereits in Arbeit und soll
im nächsten Release von EliteCAD enthalten sein. Der Datenaustausch mit
anderen CAD-Systemen kann unter anderem in den Formaten DXF und DWG
(beide 2D und 3D), IFC und IGES2D (3D gegen Aufpreis) abgewickelt
werden.
Fazit
Die
Stärken des von Haus aus teamworkfähigen EliteCAD liegen vor allem in
der Werkplanung größerer Bauprojekte. Speziell für diesen
Leistungsbereich beinhaltet das Programm viele durchdachte,
praxisgerechte Features, die eine äußerst effiziente Bearbeitung bei
hoher Planungssicherheit ermöglichen. Die differenzierte Parametrik der
Standard-Bauteile sowie die Funktionen zur individuellen Konstruktion
auch komplexer 3D-Objekte schränken die Kreativität des Planers aber
auch beim Entwurf kaum ein. Die Möglichkeiten beim Zusammenstellen und
Layouten von Plänen wissen ebenfalls zu überzeugen, auch wenn das eine
oder andere Konkurrenzprodukt bei einzelnen grafischen Feinheiten die
Nase vorn hat. Nicht ganz "state of the art" ist die
AVA-Anbindung von EliteCAD, auch wenn die angekündigte
GAEB-Schnittstelle das Programm in dieser Hinsicht deutlich aufwerten
wird. Eine engere Kopplung, etwa in Form einer "intelligenten"
bidirektionalen Schnittstelle zwischen CAD und AVA, wie sie mittlerweile
von verschiedenen Herstellern propagiert wird, ist bei Messerli derzeit
nicht in Sicht.................
Den
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