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Angetestet: EliteCAD Architektur Version 10

 

 

EliteCAD gehört nicht gerade zu den bekanntesten CAD-Systemen für Architekten. Vom angebotenen Leistungsumfang – der im Rahmen dieses Artikels nicht vollständig dargestellt 

werden kann – braucht sich die Software von Messerli Informatik jedoch nicht hinter den 

Großen der Branche zu verstecken.

 

    

   

Einstieg 

Für den EliteCAD-Neuling liefert Messerli auf CD einen Einsteigerkurs im PDF-Format mit. Dieser erläutert anhand von ausführlich beschriebenen und bebilderten Beispielen die grundlegenden Funktionen des Programms. Weiterführende Informationen liefert die Dokumentation (ebenfalls als PDF), die gleichzeitig als Online-Hilfe fungiert. So sind die ersten Schritte mit EliteCAD durchaus autodidaktisch zu bewältigen und führen schnell zu Erfolgserlebnissen. Dennoch empfiehlt es sich nicht, auf eine Schulung gänzlich zu verzichten, will man wirklich alle Möglichkeiten der Software kennen lernen und effizient nutzen.

 

Programmoberfläche 

EliteCAD präsentiert sich dem Anwender mit einer modernen, Windows-konformen Oberfläche, die sich über konfigurierbare Werkzeugpaletten individuellen Bedürfnissen anpassen lässt. Durch die logisch nachvollziehbaren, Gliederung der Menüs stellt die Orientierung im Programm kein grundsätzliches Problem dar, allein die Fülle der angebotenen Funktionen und Einstellungen lässt den Einsteiger gelegentlich länger nach einem bestimmten Menüpunkt oder Werkzeug suchen - in dieser Hinsicht befindet sich EliteCAD in bester Gesellschaft mit anderen leistungsfähigen CAD-Systemen. Geschickt gelöst: Die Fenster zur Geschoß-, Layer und Ansichtenverwaltung klappen bei Nichtgebrauch auf Wunsch automatisch platzsparend zu einer schmalen Leiste am Bildschirmrand zusammen.

 

Struktur 

Wie bei CAD-Programmen üblich, legt auch EliteCAD seine Zeichnungselemente auf Layern ab. Bei der Konstruktion von Architekturbauteilen kümmert sich das Programm selbstständig um die richtige Layer-Zuordnung. Wer mit den vorgegebenen Zuordnungen nicht zufrieden ist, kann diese bauteilspezifischen Voreinstellungen individuell ändern beziehungsweise ändern lassen. Die Layer sind aber nur der zunächst sichtbare Teil des Gliederungskonzepts von EliteCAD. Aktiviert man eine entsprechende Option in den Voreinstellungen des Programms, so stehen mit den unabhängigen Ordnungskriterien Muster, Gruppe, Klasse und Ebene wesentlich flexiblere Möglichkeiten zur Verfügung, um beispielsweise für eine spezielle Plandarstellung nur bestimmte Elemente sichtbar zu schalten. Ein weiteres Hilfsmittel hierzu ist die Geschossverwaltung, mit der sich, differenziert nach den verschiedenen Gebäuden eines Projektes, Geschosse einzeln ein- und ausblenden lassen. EliteCAD arbeitet übrigens mit variablen Parametern für die verschiedenen Geschosstypen innerhalb eines Gebäudes. Ändert man solch einen Wert, zum Beispiel die lichte Höhe des Erdgeschosses, so passt das Programm alle abhängigen Bauteile automatisch entsprechend an.

 

Architekturelemente 

Die Konstruktion in EliteCAD erfolgt grundsätzlich im dreidimensionalen Raum, wobei die Sicht auf das Gebäudemodell frei wählbar ist. Die häufig von CAD-Anwendern vertreten Meinung, dass ein 3D-Gebäudeentwurf wesentlich höheren Aufwand als eine 2D-Zeichnung erfordere, bestätigt das Programm jedoch nicht. Die Eingabe eines Grundrisses kann genauso erfolgen wie in einem 2D-CAD, um die richtigen Höhen kümmert sich die Geschossverwaltung automatisch.

 

Die Architekturbauteile von EliteCAD verfügen über eine differenzierte Parametrik und bestehen aus einem 3D-Objekt und einem 2D-Symbol für die Darstellung im Grundriss. Der Grad der Detaillierung kann jederzeit umgeschaltet werden, wodurch sich beispielsweise der Arbeitsaufwand beim Übergang vom Entwurf zur Ausführungsplanung deutlich reduziert. Auf alle Bauteile im einzelnen einzugehen, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, deshalb seien hier nur die wichtigsten erwähnt.

 

EliteCAD bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um Wände zu konstruieren. Neben dem allgemein gängigen Verfahren über die Eingabe eines Linienzuges bei konstanter Wandstärke kann die Wandachse beispielsweise auch durch eine Kontur aus beliebigen 2D-Elementen bestimmt werden. Die freiesten Wandformen erhält man, indem sowohl Grund- als auch Ansichtsfläche über eine beliebiges 2D-Profil definiert werden. Je nach verwendeter Konstruktionsmethode lassen sich Wandstärke, Anzahl und Reihenfolge der Schichten, Achsverlauf, Grund- und Ansichtsfläche jederzeit nachträglich ändern. Ähnlich flexible Möglichkeiten bieten sich bei den Fenstern. So kann der Anwender unter anderem die Flügel- und Sprossenteilung bestimmen und Einfluss auf die Ausformung von seitlichem Anschlag, Sturz, Rollladenkasten und Fensterbank nehmen. Mittels einer auf die Fassade gezeichneten Kontur lassen sich auch Fenster jenseits der gängigen Standardformen erzeugen. Entsprechend wird ein "Glaselement" konstruiert, das jedoch nicht von einer Wand abhängig ist und deshalb beispielsweise für die Darstellung von Glasfassaden Verwendung finden kann. Bei den Treppen stehen dem Anwender alle gängigen Grundrissformen zur Auswahl, auch Treppen mit freiem Verlauf sind machbar. Je nach Typ schwankt die Zahl der frei einstellbaren Parameter. So ist beispielsweise die Konstruktion einläufiger, gerader Treppen bis hin zu Details der Auflagerung variabel. Dass im Dialogfenster zum Einstellen der Parameter und konstruktiven Ausformung lediglich bei Wendeltreppen seitliche Wangen angeboten werden, ist allerdings unverständlich. Geländer behandelt EliteCAD als separate Bauteile, die nicht nur an Treppen, sondern (zum Beispiel für Brüstungen) auch entlang beliebiger 2D- oder 3D-Konturen konstruiert werden können.

 

Als weitere parametrische Bauteile stellt EliteCAD Türen, Pfeiler, Unterzüge, Wanddurchbrüche- und Schlitze, Kamine, Decken, Dächer, Dachgauben und die diversen Holzteile für den Dachstuhl zur Verfügung. In den mitgelieferten Bibliotheken finden sich zudem Bauelemente mit fixen Abmessungen sowie diverse Detailzeichnungen und eine große Zahl von Möbeln und Accessoires.

 

2D-Zeichenfunktionen 

2D-Kostruktionen lassen sich auf beliebigen Ebenen im dreidimensionalen Raum des Gebäudemodells oder auf der Zeichenfläche der davon abgeleiteten Ansichten (siehe "Plandarstellung") erstellen. Als Grundelemente stehen Linie, Polyline/Polygon, Rechteck, Kreis, Kreisbogen, Ellipse und Spline zur Verfügung. Bei der Konstruktion leisten Hilfslinien und -kreise sowie die verschiedenen Bearbeitungsfunktionen und Fangmodi nützliche Dienste. Schwächen zeigt EliteCAD lediglich bei den Splines. Denn diese werden bis zum Abschluss der Funktion als eckige Polylinie dargestellt, weshalb der spätere Kurvenverlauf nur erahnt werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die so erzeugten Kurven nachträglich nicht mehr verformt werden können.

 

Freie 3D-Objekte 

EliteCAD bietet eine ganze Reihe von 3D-Standardkörpern an, die vom einfachen Quader bis zum Fass reichen. Daneben lassen sich Rotations- und Extrusionskörper beziehungsweise -flächen erzeugen. Durch das Verschieben einer Kontur entlang eines beliebigen 3D-Pfades entstehen so genannte Trans-Flächen oder Trans-Boxen (Vollkörper). Die flexiblere Variante davon sind Design-Flächen und -Boxen, bei denen der Querschnitt entlang des Pfades zwischen einem Anfangs- und einem Endprofil interpoliert wird. Mit diesen Funktionen lassen sich allerhand interessante Dinge modellieren, so zum Beispiel kompliziert gewundene Rampen oder elegant geschwungene Stahlträger. Die 3D-Körper können mit Boolschen Operationen sowie verschiedenen anderen Funktionen (Trimmen, Ausrunden, …) weiter nachbearbeitet werden.

 

Plandarstellung 

Der so genannte Ansichtenmanager von EliteCAD kommt verschiedenen Aufgaben nach. Zunächst kann man mit ihm zwischen verschiedenen Sichten auf das 3D-Modell hin- und herschalten. Bestandteil einer solchen Modellansicht sind neben der Projektionsart und Darstellung (Drahtmodell, Schattiert, Hidden-Line) auch alle Filtereinstellungen, also beispielsweise, welche Layer sichtbar sein sollen. Außerdem verwaltet der Ansichtenmanager alle vom 3D-Modell abgeleiteten 2D-Darstellungen. Hier gibt es verschiedene Ansichtstypen, die sich unter anderem auch dadurch unterscheiden, ob Änderungen im Modell automatisch oder erst durch explizites Aktualisieren nachgeführt werden sollen. Auf Wunsch berechnet EliteCAD zu den 2D-Ansichten auch Vektor-Schlagschatten. Neben den 3D- und 2D-Ansichten findet sich im Ansichtenmanager auch die Kategorie "Plots". In einem Plot lassen sich beliebige Ansichten zusammenstellen und mit zusätzlichen Elementen, zum Beispiel Planrand, Plankopf oder Rasterbildern (TIFF, JPG, BMP), versehen. Die Inhalte des Plankopfes werden übrigens in der Zeichnungsverwaltung von EliteCAD erfasst, wodurch unter anderem eine rasche Suche nach bestimmten Plänen möglich ist.

 

Datenaustausch 

EliteCAD exportiert alle Räume, Massen und Flächen "auf Knopfdruck" in eine Datenbank (Runtime-Version von Microsoft Access). Dort liegen für Auswertung und Nachweise eine große Anzahl von vorgefertigten Berichten bereit. Deren Gliederung und Berechnung (mit nachvollziehbarem Ansatz) berücksichtigt wahlweise die deutschen, österreichischen oder schweizerischen Normen und Verordnungen. Eine direkte Übergabe von Massen an die AVA gibt es derzeit nur an das Programm von Bechmann. Eine GAEB-Schnittstelle ist aber laut Hersteller bereits in Arbeit und soll im nächsten Release von EliteCAD enthalten sein. Der Datenaustausch mit anderen CAD-Systemen kann unter anderem in den Formaten DXF und DWG (beide 2D und 3D), IFC und IGES2D (3D gegen Aufpreis) abgewickelt werden.

 

Fazit 

Die Stärken des von Haus aus teamworkfähigen EliteCAD liegen vor allem in der Werkplanung größerer Bauprojekte. Speziell für diesen Leistungsbereich beinhaltet das Programm viele durchdachte, praxisgerechte Features, die eine äußerst effiziente Bearbeitung bei hoher Planungssicherheit ermöglichen. Die differenzierte Parametrik der Standard-Bauteile sowie die Funktionen zur individuellen Konstruktion auch komplexer 3D-Objekte schränken die Kreativität des Planers aber auch beim Entwurf kaum ein. Die Möglichkeiten beim Zusammenstellen und Layouten von Plänen wissen ebenfalls zu überzeugen, auch wenn das eine oder andere Konkurrenzprodukt bei einzelnen grafischen Feinheiten die Nase vorn hat. Nicht ganz "state of the art" ist die AVA-Anbindung von EliteCAD, auch wenn die angekündigte GAEB-Schnittstelle das Programm in dieser Hinsicht deutlich aufwerten wird. Eine engere Kopplung, etwa in Form einer "intelligenten" bidirektionalen Schnittstelle zwischen CAD und AVA, wie sie mittlerweile von verschiedenen Herstellern propagiert wird, ist bei Messerli derzeit nicht in Sicht.................

 

Den vollen Artikel mit Preisen usw. finden Sie im Heft 4/04.

 

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