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Angetestet – ColorDigital 2.5

 

  

 

Fast jedes CAD-Programm für Architekten bietet heutzutage die Möglichkeit zur – mehr oder weniger – fotorealistischen Präsentation eines Gebäudentwurfs. Ein Farbkonzept lässt sich mit solchen Visualisierungen aber nur grob vermitteln. Geht es um Feinheiten der Farbauswahl, so gilt es Ausdrucke zu erstellen, die die bei der Bauausführung zu verwendenden Farben möglichst exakt reproduzieren.

 

 

Dass die Entwicklung von realistischen Farbkonzepten am PC keine triviale Aufgabe ist, wird in der Praxis sehr schnell deutlich. Die Probleme beginnen schon mit der abweichenden Farbwiedergabe verschiedener Computermonitore. Hinzu kommen die oft erheblichen Unterschiede zwischen der Darstellung auf dem Bildschirm und dem Ausdruck auf Papier: Monitor und Drucker verwenden zwei völlig unterschiedliche Verfahren beim Erzeugen der Farbtöne. Monitore arbeiten mit einer additiven Farbmischung (Lichtfarben) der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau, von denen jede eine Intensität zwischen 0 und 255 aufweisen kann (RGB-Wert). Im Gegensatz dazu entstehen die Farbtöne des Druckers durch subtraktiver Farbmischung, meist aus den vier Grundfarben Zyan, Magenta, Gelb und Schwarz (CMYK). Trotz der einen Grundfarbe mehr ist die Anzahl der möglichen Farbtöne beim Tintenstrahldrucker gegenüber dem Monitorbild wesentlich geringer. Denn der Drucker kann die Intensität der Tinten selbst nicht variieren, sondern lediglich Menge und Größe der auf dem Blatt verteilten Farbtröpfchen. Mit dem üblichen Vierfarbdruck lassen sich deshalb beispielsweise keine intensiven Rot- und Blautöne zu Papier bringen. Auch das Papier selbst ist ein limitierender Faktor. So hat etwa sein Weiß oder seine leichte Tönung wesentlichen Einfluss auf die Leuchtkraft der Farben. Das Farbmanagement moderner Betriebssysteme versucht die unterschiedliche Farbwiedergabe der verschiedenen Geräte mithilfe so genannter ICC-Profile anzugleichen. Die beschriebenen Probleme lassen sich damit im Rahmen der technischen Grenzen beheben oder zumindest reduzieren. Dadurch erhält beispielsweise der Grafiker die Sicherheit, dass die von ihm erstellten Ausdrucke (Proofs) farblich ziemlich exakt mit dem späteren Offsetdruck übereinstimmen.

 

Digitale Farbkarten

 

Die Kalibrierung des Druckers mittels ICC-Profil hilft bei der Farbgestaltung von Gebäuden aber nur bedingt weiter. Denn die am Bau verwendeten Farben und Lacke bestehen bekanntlich nicht einfach aus drei oder vier genormten Grundfarben, deren Mischungsverhältnis man direkt für ihre digitalen Pendants übernehmen könnte. Die Braunschweiger Firma Kölling hat sich mit “ColorDigital” diesem Problem angenommen. Wesentlicher Bestandteil dieses Systems zur Farbgestaltung sind “digitale Farbkarten” der Kollektionen gängiger Hersteller (aktuell verfügbare Kollektionen siehe www.digitalcolor.de). Die digitalen Farbkarten werden als Farbpaletten in ein “Wirtsprogramm” – derzeit Photoshop beziehungsweise Photoshop Elements (Adobe), Picture Publisher (MicroGrafx) oder Allplan (Nemetschek) – eingebunden. Der Anwender kann dann den gewünschten Farbton einfach über die Farbnummer des Herstellers auswählen, um die dazu passenden RGB-Werte kümmert sich ColorDigital. Diese RGB-Werte passen allerdings zunächst nur ungefähr. Um möglichst farbtreue Ausdrucke zu erhalten, muss das System individuell auf die vom Nutzer verwendete Kombination aus Drucker, Tinte und Papier angepasst werden. Anders als das Farbmanagement des Betriebssystem besteht die Kalibrierung hier aber nicht darin, die von der Anwendungssoftware an den Drucker geschickten Daten nach einer Formel oder Kurve global zu “verbiegen”. Das von Kölling verwendete Verfahren kümmert sich um jeden einzelnen Farbton. Nach dem Motto “entscheidend ist, was hinten rauskommt” wird der einer Farbnummer zugeordnete RGB-Wert – also der “Input” – dabei so lange geändert, bis der Drucker das gewünschte Ergebnis liefert. Eine exakte Übereinstimmung zwischen Farbkarte und Ausdruck ist natürlich nur innerhalb der von Druckerhardware, Tinte und Papier gesteckten Grenzen möglich. Das verwendete Verfahren garantiert aber – zumindest in der Theorie – eine optimale Annäherung. Da dies ohne spezielle Software und exakte Messgeräte kaum mit vertretbarem Aufwand zu bewerkstelligen ist, bietet Kölling die individuelle Anpassung der Farbwerte als Dienstleitung an. Dazu schickt der Anwender einen von ihm erstellten Ausdruck mit den zu kalibrierenden Farben an Kölling. Dort wird messtechnisch ermittelt, wie stark die Farbtöne des Ausdrucks von der Farbkarte des Herstellers abweichen. Basierend auf dieser Messung erhält der Anwender eine neue Farbpalette, in der die den Farbnummern zugeordneten RGB-Werte entsprechend korrigiert sind. Dieses Procedere muss in der Regel mindestens einmal wiederholt werden, da erst ein Ausdruck mit der neuen Palette zeigt, wie das Gespann aus Drucker und Papier die geänderten Werte tatsächlich umsetzt. Selbstverständlich ist die Kalibrierung nicht kostenlos, sondern schlägt pro Farbton mit 32, 42 oder 52 Cent zu Buche (für zwei, drei oder vier Kalibrierungsläufe).

 

Im Test wurde auf eine Kalibrierung des Druckers und der Testdrucke verzichtet. Zum einen aus Zeitgründen, zum anderen aber, damit eventuelle schlechte Ergebnisse nicht auf die verwendete Drucker-Tinte-Papier-Kombination geschoben werden können. Die erzielbare Farbtreue wurde stattdessen anhand eines von Kölling gelieferten Ausdrucks (auf Epson Stylus Photo R300) in Augenschein genommen. Beim Vergleich mit dem Farbfächer (Sikkens Colour Collection 3031) waren bei allen vier in der abgebildeten Fassade vorhandenen Farben geringfügige Abweichungen erkennbar. Diese betrafen aber in drei Fällen nur Nuancen der Helligkeit, während die Farbe selbst subjektiv sehr gut übereinstimmte. Lediglich der verwendete Grauton ließ den auf der Farbkarte deutlich vorhandenen Stich ins Violette allenfalls erahnen.

 

Plugins

 

ColorDigital ist keine Software im landläufigen Sinne, sondern vielmehr eine Sammlung von Werkzeugen und Hilfsmitteln zur Farbgestaltung am Windows-PC oder Macintosh. Zum Test stand Photoshop Elements 2.0 zur Verfügung, das durch ColorDigital mit zusätzlichen Farbpaletten (hier “Farbfelder” genannt), Füllmustern und Filter-Plugins erweitert wurde. Nach der Installation empfiehlt das Handbuch von ColorDigital zunächst die Kalibrierung des Monitors. Dies ist Aufgabe eines zum Photoshop mitgelieferten Tools. Dieses ist zwar grundsätzlich einfach zu bedienen, die Anweisungen der Schritt-für-Schritt-Anleitung von Adobe ist in Teilen aber zumindest miss- wenn nicht gar unverständlich. Kölling täte seinen Anwendern sicherlich einen großen Gefallen, wenn das Handbuch von ColorDigital hierzu einige verständliche Hinweise und Tipps geben könnte. Das Ergebnis der Monitorkalibrierung lässt sich anschließend anhand eines Testbildes kontrollieren. Im Test waren zwar auch nach der Kalibrierung des Bildschirms Farbabweichungen zwischen Monitor und Farbkarte vorhanden, im Vergleich zur Grundeinstellung des Bildschirms fielen die Unterschiede jedoch deutlich geringer aus.

 

Für Konzepte zur farblichen Neugestaltung bestehender Gebäude liefert ColorDigital den Filter “Farbfüllung” an. Damit lassen sich zum Beispiel Fassaden auf digitalen beziehungsweise digitalisierten Fotos mit einem neuen Anstrich versehen. In aller Regel müssen die Fotos dafür zunächst etwas “nachgebessert” werden. Denn selbst wenn die Qualität der Aufnahmen erstklassig ist, so sind doch meist Verfärbungen sowie Risse und Löcher im Putz zu retuschieren. Dies geschieht ausschließlich mit den Werkzeugen von Photoshop, wobei vor allem der “Kopierstempel” willkommene

Dienste leistet. Auch für die exakte Auswahl der neu zu streichenden Fassadenfläche(n) sind die Bordmittel von Photoshop zuständig. Ein einfacher Klick mit dem “Zauberstab” (wählt gleich beziehungsweise ähnlich gefärbte Bildpixel aus) wird dazu allerdings so gut wie nie genügen. Meist müssen verschiedene Werkzeuge der Bildbearbeitung kombiniert werden, um beispielsweise Fenster, Gesimse und Regenrohre auszuschließen und gleichzeitig verschattete Fassadenteile mitauszuwählen. Besonders knifflig wird es dann, wenn Teile der Fassade von Büschen oder Bäumen verdeckt werden. Ist die zu kolorierende Fläche möglichst exakt markiert, geht es an die Farbauswahl. Zunächst wird die bestehende Fassadenfarbe mit der “Pipette” als Hintergrundfarbe gesetzt. Die Farbe des neuen Anstrichs wird sodann aus einer der mitgelieferten Farbpaletten ausgewählt. Nun kann der von ColorDigital zur Verfügung gestellt, Filter “Farbfüllung” in Aktion treten. Im Gegensatz zum Füllwerkzeug von Photoshop arbeitet dieser Filter wesentlich differenzierter, da er eine Fläche nicht einfach “übermalt”. Vereinfacht gesagt wird die vorhandene Fassadenfarbe durch die neue Farbe ersetzt. Dabei bleiben nicht nur Schatten erhalten, sondern auch beispielsweise eine vorhandene Putzstruktur. Gänzlich überzeugen konnte der Farbfüllung-Filter von ColorDigital im Test jedoch nicht. Denn bei einigen Pastelltönen erhielten im Schatten liegende Partien des Gebäudes eine unnatürlich starke Farbsättigung, wurden also vor allem bunter statt dunkler. Dieser Effekt trat bei deutlich dunkleren Schatten aber nicht mehr auf. Der Übergang zwischen den Bereichen mit stärkerer Sättigung und denen mit gleichbleibender Sättigung bei verringerter Helligkeit ist jedoch nicht fließend. Auf Fotos mit diffuser Beleuchtung ohne harte Schattenkanten war dadurch innerhalb des Schattenverlaufs eine deutliche Stufe zwischen einem stärker gesättigten und einem vorwiegend abgedunkelten Bereich festzustellen. 

 

Fazit

 

Die digitalen Farbkarten von ColorDigital stellen eine wertvolle Hilfe bei der Entwicklung und Präsentation von Farbkonzepten am PC dar. Zwar sind je nach Farbton, Drucker, Tinte und Papier Abweichungen zwischen Ausdruck und der als Referenz herangezogenen Farbkarte festzustellen; das von Kölling verwendete Verfahren zur Kalibrierung liefert aber die auf der jeweiligen Hardware bestmögliche Annäherung, geht also an die Grenzen des technisch Machbaren. Ein weiterer Vorteil des Systems besteht darin, dass es die Druckerausgabe nicht global “verbiegt”, da bei der Anpassung der Farbwerte lediglich die mitgelieferten Paletten entsprechend modifiziert werden. Das Plug-In zum “Überstreichen” bestehender Gebäude in der Bildbearbeitungssoftware scheint hingegen noch nicht vollständig ausgereift. Laut Kölling arbeitet man jedoch an einer verbesserten Version, die in ColorDigital 3.0 enthalten sein wird....

 

Weitere Informationen, Bezugsquelle und Preise finden Sie im Heft 05/04.

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