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Konstruktive Planungswerkzeuge: Stahlbau-CAD

 

 

In kaum einem anderen Bereich hat CAD Planer so nachhaltig von zeitraubenden manuellen Tätigkeiten befreit wie im Stahlbau. Mussten früher Standard-Profile, -Verbindungen oder -Knotenpunkte immer wieder neu gezeichnet werden, so ruft man sie heute einfach per Mausklick aus Bauteilbibliotheken ab. Doch Stahlbau-CAD unterstützt Planer nicht nur beim Zeichnen. Was CAD-Lösungen für den Stahl-, Hallen- und Anlagenbau sonst noch bieten, zeigt dieser Beitrag.

 

Text: Marian Behaneck

Bild: Nemetschek

 

 

Komplexe räumliche Tragstrukturen von Industrie- und Hallenbauten werden heute nicht mehr zeitraubend Strich für Strich gezeichnet. Alle für die Ausführung erforderlichen Grundrisse, Ansichten, Schnitte, Detailzeichnungen oder Mengen werden einfach aus einem zentralen 3D-CAD-Modell generiert. Änderungswünsche des Bauherren während der Planungs- und Ausführungsphase oder die Entwicklung von Varianten zur Optimierung der Konstruktion machen viel Arbeit. Der daraus resultierende Mehraufwand wird dem Planer nur unzureichend honoriert. CAD-Anwender sind auch hier im Vorteil: Dank “intelligenter” Bauteile, weitgehend automatisierter Stahlverbindungen und effizienter Editierfunktionen verlieren Änderungen und Folgeänderungen ihre Schrecken. Auch die Ergebnisse statischer Berechnungen lassen sich bei einigen Lösungen unmittelbar in die CAD-Software übernehmen, so dass eine Durchgängigkeit von statischen und konstruktiven Arbeitsprozessen gewährleistet ist. Da die Kostenkalkulation immer auf Basis des aktuellen CAD-Modells erfolgt, lassen sich auch Kostenvergleiche von Konstruktionsvarianten schnell anstellen. “Steht” die Konstruktion, können aus dem CAD-Modell die exakten Stahlmengen ermittelt und an AVA-Programme übergeben oder die Projektkosten ermittelt werden. Visualisierungen vermitteln dem Bauherrn einen anschaulichen Eindruck vom Bauvorhaben. Auch in der Realisierungsphase helfen Strichzeichnungen oder farbig angelegte (geshadete) Darstellungen, Missverständnisse im Gespräch mit ausführenden Unternehmen zu vermeiden. Insgesamt resultiert aus dem CAD-Einsatz eine erhebliche Zeit- und Kosteneinsparung, vor allem aber eine Verbesserung der Planungs- und Ausführungsqualität.

 

Vom Strich zum Bauteil

 

Waren erste Lösungen noch zeichnungsorientiert (d.h. Pläne wurden – wie auf dem Zeichenbrett – Linie für Linie “gezeichnet”), so basiert modernes Stahlbau-CAD auf einem zentralen dreidimensionalen Datenmodell. Dieses setzt sich aus Objekten zusammen, die Bauteile nicht nur geometrisch sondern auch alphanumerisch beschreiben (Material, Abmessungen, Gewicht etc.). Das hat Vorteile: So lassen sich aus dem zentralen Datenmodell nicht nur alle Pläne automatisch ableiten, sondern auch Mengen, Massen und Kosten sowie gegebenenfalls alle für die spätere Gebäudenutzung relevante Daten. CAD-Objekte sind zudem Bausteine im Gesamtkomplex “Bauwerk”, die mit angrenzenden Objekten Wechselbeziehungen eingehen und somit auch auf die Änderung von benachbarten Bauteilen reagieren können. Damit lassen sich Folgeänderungen weitgehend automatisch ausführen. Eine Treppe ändert beispielsweise ihre Lauflänge bzw. Steigung, wenn sich die Geschoßhöhe ändert etc. Intelligente Gebäudebauteile “wissen” zudem in jeder Planungsphase und jeder Projektion, wie sie korrekt dargestellt werden. Beispiel: Je kleiner ein Bauteil auf den Monitor oder im Planausdruck abgebildet wird, desto stärker wird es abstrahiert. Das ist bei filigranen Stahlkonstruktionen besonders wichtig. Auch die Bemaßung, Textdarstellung, Schraffurmuster oder Linienstärken werden dem aktuellen Darstellungsmaßstab automatisch angepasst. Dies beschleunigt den Bildschirmaufbau und macht die Plangrafik besser lesbar.

 

Stahlbau-Spezifisches

 

Was unterscheidet Konstruktions-Software für den Stahl-/Metallbau von CAD-Programmen für Architekten/Planer? Da sind zunächst einmal die CAD-Bauteile. Im Stahlbaubereich dominieren Walzprofile, (Fachwerk-)Träger, Platten, Wand- oder Deckenprofile oder Verbindungselemente anstelle von Wänden, Türen oder Fenstern. Automatische Materialfügungen wie Schraub- oder Schweißverbindungen sind weitere Besonderheiten. Über Dialogboxen können beispielsweise bei Schweißverbindungen die Nahtart, Schweißnahtdicke, Nahtoberfläche oder der Nahtverlauf ausgewählt und definiert werden. Zur Schweißung von Stirnplatten lassen sich die Schweißnahtdicken für Flansch und Steg auswählen. Objektorientiertes CAD ermöglicht die Auflistung aller verwendeten Profile, inklusive deren Abmessungen und sonstiger Parameter. Die Stahlteile werden dazu automatisch mit Positionsnummern versehen und damit die Zeichnung für die Stücklistenerfassung vorbereitet. Der Anwender kann wählen, in welcher Reihenfolge und Sortierung die Stückliste aufgebaut werden soll (nach Profilen, Längen etc.). Auf Grundlage der Stücklisten lassen sich anschließend Kalkulationen durchführen (Gewicht, Kosten etc.). Diese werden entweder durch separate Module oder mit externen Kalkulationsprogrammen (z. B. Excel) durchgeführt. Auf Grundlage der exakt bemaßten CAD-Zeichnungen lassen sich alle Einzelbauteile konventionell herstellen. Wirtschaftlicher ist die Übergabe der CAD-Daten an numerisch gesteuerte Maschinen. Zusatzprogramme berechnen die Bauteile mit allen Arbeitsschritten im jeweils erforderlichen Format und übertragen diese Daten an NC-Maschinen. Diese schneiden, sägen, fräsen oder bohren daraus selbstständig auf den Millimeter genau die benötigten Bauteile.

 

Checkliste

 

Bei der Programm-Auswahl sollte auf folgende Punkte geachtet werden:

 

Bau-CAD vs. Stahlbau-CAD: Für Architekten, die nur hin und wieder Stahlbauten planen, ist Bau-CAD-Software ausreichend, insbesondere dann, wenn konstruktive Elemente individuell gestaltet werden. Werden dagegen auf gängigen Standard-Profilen basierende Stahlkonstruktionen häufiger geplant, sind Stahlbau-CAD-Lösungen effizienter.

 

CAD-Geometrie: Der Stahlbau stellt an CAD-Programme hohe Ansprüche, da es bis ins Detail auf die korrekte geometrische Abbildung von Bauteilen und Verbindungen ankommt (Hinterschneidungen, Durchdringungen, Klinkungen, Bohrungen ...). Modernes Stahlbau-CAD basiert daher auf einem bauteilorientierten, zentralen 3D-Volumenmodell.

 

Bauteilkataloge: Die Bauteildatenbank sollte alle gängigen Walzprofile, Sonderprofile, (Fachwerk-) Träger, Platten, Wand- oder Deckenprofile, Verbindungselemente, Schraub- und Schweißverbindungen enthalten. Die Kataloge müssen regelmäßig aktualisiert und gepflegt werden.

 

3D-Konstruktion: Neben aus Standard- und Sonderprofilen zusammengesetzten Kombiprofilen sollte das Programm auch die Verarbeitung gebogener Profile erlauben. Auch das Manipulieren von Bauteilen sollte möglich sein (für Einschnitte, Durchbrüche, Kantungen ...). Schrauben- oder Schweiß-Verbindungen sollten entsprechend gültiger Normen definiert werden können.

 

2D-Planerstellung: Aus dem 3D-Modell abgeleitete Grundrisse, Ansichten oder Schnitte müssen häufig nachgearbeitet werden, weil Linienstärken in Schnittdarstellungen falsch zugewiesen, Maßketten unvollständig, Maßzahlen oder Positionsnummern übereinander liegen und somit nicht lesbar sind etc. Ein leistungsfähiger 2D-Editor beseitigt diese plangrafischen Ungereimtheiten.

 

Editieren: Änderungen einer bestimmten Profil-Dimensionierung müssen sich schnell umsetzen lassen. Können Stahlprofile automatisch getauscht werden, z. B. HEA 160 gegen HEA 200, unter Beibehaltung von Bohrungen für die Anschlussbleche, erspart das manuelle Arbeit und Fehlerquellen. Das Editieren der Konstruktion wird vereinfacht, wenn sich Bauteile zu Baugruppen (und Untergruppen) zusammenfassen lassen.

 

Bemaßen: Eine stahlbaugerechte System-, Bauteil-, Einbau-, Bohrbildbemaßung etc. sollte wahlweise automatisch, halbautomatisch oder manuell erfolgen. Wird die Bauteilgeometrie verändert, muss sich die Bemaßung selbstständig anpassen. Extrem lange Bauteile wie Stützen, Träger oder Verbände sollten gestaucht dargestellt werden können. Neben der Bemaßung sollten auch Positionsfahnen oder Schweißzeichen automatisch gesetzt werden.

 

Schraffieren: Eine automatische Konturverfolgung erübrigt das zeitraubende manuelle Definieren von Schraffurgrenzen geschnittener Stahlbauprofile. Löcher im Schraffurfeld sollten definierbar sein, ebenso wie wichtige Parameter (Farbe, Linienabstand, Schraffurursprung etc.). Wird die Form des schraffierten Elements verändert, sollte sich auch die Schraffur automatisch anpassen.

 

Auswerten: Das Programm sollte neben der Gesamt-Stückliste auch einen gezielten Auszug von Bauteilen ermöglichen. Gleiche Profilierungen oder gleich lange Bauteile sollte das Programm automatisch erkennen. Neben der Ausgabe in eine Datei sollte auch die Papierausgabe auf jedem beliebigen Windows-Drucker möglich sein. Dabei sollte sich der Stücklistenkopf individuell gestalten lassen.

 

Preise: Die Preise für Stahlbau-CAD bewegen sich zwischen Euro 1.500,- und Euro 15.000,- (zzgl. MwSt.), je nach Leistungsumfang bzw. Ausbaustufe. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass bei Applikationslösungen der Preis für das Basisprogramm (z. B. AutoCAD) hinzugerechnet werden muss. Für bestimmte Funktionen (Visualisierung, NC-Steuerung, Statik/FEM-Anbindung) fallen häufig zusätzliche Modulkosten an.

 

Sonstiges: Wichtig ist, dass die Software individuellen Leistungsanforderungen und spezifischen Aufgabenschwerpunkten gerecht wird. Dies lässt sich am besten am konkreten Projekt feststellen. Die meisten Anbieter offerieren dazu Demo-/Testversionen oder Leihstellungen der Vollversion. Entsprechende Anfragen lohnen sich immer .

 

Den gesamten Artikel finden Sie im Heft 8/04.

 

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