Am 15. Juli dieses Jahres wurde am Wiener Donaukanal die Schiffstation Wien City eröffnet. Damit erhielten die Ausflugsschiffe der DDSG Blue Danube und die Flotte der Twin City Liner eine neue Anlegestelle mitten im Zentrum der Stadt. Stromlinienförmig schmiegt sich das von den Architekten Fasch und Fuchs geplante Gebäude zwischen Schweden- und Marienbrücke an den Kanal und sorgt mit seiner zeichenhaften Architektur für eine starke Adressenbildung. Der imposante Baukörper, der in seiner Form an ein Dampfschiff erinnern mag, aber in Wirklichkeit konstruktiven Gedanken entsprungen ist, stellt den neuen „Stadthafen“ Wiens dar.
Aufgeständert auf 12 schlanke Stützen kragt das Gebäude acht Meter über die Wasserfläche in den Donaukanal. Dabei überdeckt es einen Teil des Vorkais und schafft einen von der Witterung geschützten großzügigen Wartebereich vor den Einstiegsstellen zu den Schiffen. Der vorwiegend aus Stahl und Glas bestehende Bau erstreckt sich über 127 Meter und beherbergt neben seiner Funktion als Schiffstation ein Café und ein Restaurant sowie einen Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich.
Der größtmöglichen Nutzungsflexibilität wegen befinden sich alle Funktionen auf einer Ebene, welche auf halbem Niveau zwischen Kai und Vorkai liegt. Von beiden Seiten führen sanft abfallende Rampen ins Gebäudeinnere. Über flach geneigte Stiegenrampen hingegen gelangt man direkt vom Kai auf das Sonnendeck, von dem aus man bisher ungewohnte Perspektiven auf den Donaukanal genießen kann.
Und auf diesem tut sich so einiges.
Der 17 Kilometer lange eigenständige Landschaftsraum wurde im Stadtentwicklungsplan 2005 – STEP 05 explizit zum Zielgebiet der Wiener Stadtentwicklung deklariert. Mit dem Ziel, sein Potenzial als zentral gelegenes Freizeit- und Naherholungsgebiet besser auszuschöpfen, wurden in den vergangenen Jahren einige Projekte umgesetzt. So erfreut sich Wien, das ganz dem Beispiel Paris gefolgt war, inzwischen mehrerer „Stadtstrände“ entlang des Kanals, und das Badeschiff ist schon längst zum Inbegriff innerstädtischer Erholung geworden. Das Gebiet zeichnet sich vor allem durch seine besondere Vielfalt aus. Wie kaum anderswo, so Bürgermeister Häupl, treffen hier Wasser, Natur und Zentrumslage, moderne Architektur und Weltkulturerbe, Freizeit und Wirtschaftsleben, pulsierende Kulturszene und Ruhe unmittelbar aufeinander.
So steht dem Jugendstilgebäude Urania etwa direkt der 75 m hohe UNIQA-Tower gegen über, welcher der Feder Heinz Neumanns entstammt. Das 2008 mit dem GreenBuilding-Zertifikat der EU ausgezeichnete Bauwerk, dessen Grundriss aus dem Q-Logo entwickelt wurde, überzeugt mit umweltfreundlicher, hochmoderner Gebäudetechnik sowie einer intelligenten Medienfassade. Diese rückt, dank einzigartiger LED-Lichtinstallation, den Turm mit seiner zeitlos eleganten Form auch nachts ins beste Licht.
In unmittelbarer Nähe des UNIQA-Towers steht inzwischen auch der von Pritzker- Preisträger Jean Nouvel geplante Hotelturm PS 1, in der Praterstraße 1, kurz vor seiner Fertigstellung. Dieses zweite Projekt der UNIQA am Donaukanal wächst aus einem asymmetrischen breiten Sockel heraus und neigt sich windschief dem Media Tower von Hans Hollein zu. Gemeinsam definieren die beiden Gebäude dadurch ein urbanes Stadttor in die Leopoldstadt.
Neben dem 5-Sterne-Designhotel beinhaltet das 18-geschoßige Gebäude noch ein Einkaufszentrum und ein Restaurant. Öffentlich zugänglich soll dieses wie ein in den Himmel gebauter Stadtplatz funktionieren. Ein weiteres Highlight stellt die knallbunte Licht- und Videoinstallation der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist dar, welche aus dem Bau heraus leuchten wird.
Aber damit soll mit den markanten Punkten an der Skyline des neuen Donaukanals noch nicht genug sein. Sehr bald schon wird sich zu den bestehenden Hochhäusern ein weiteres gesellen. Auf dem Grundstück des ehemaligen OPEC-Gebäudes errichtet die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien ein Klimaschutzhochhaus, welches im Hinblick auf Ressourcenschonung neue Maßstäbe für Bürogebäude setzten wird. Durch Verwendung der Systeme Fotovoltaik, Kühlung über Donaukanalwasser, Erdwärmenutzung, Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung mittels Biogas sowie einer Klimafassade wird der Energieverbrauch gegenüber vergleichbaren Bürohochhäusern mit herkömmlicher Haustechnik nur die Hälfte betragen.
Durch optimale Kombination und Ausnutzung vorhandener Standortressourcen wird das Gebäude dem Klima-Aktiv-Passivhaus-Standard entsprechen. Neben seiner Funktion als Erweiterung des Raiffeisen-Bürohauses soll das Gebäude auch einen Betriebskindergarten mit öffentlichem Zugang beinhalten. Ebenfalls einen öffentlichen Nutzen bringt die Schaffung eines barrierefreien Zuganges von der Salztorbrücke auf den Kai mittels eines neuen Aufzuges.
Infrastrukturelle Verbesserung soll auch ein weiteres geplantes Projekt bringen. Vor drei Jahren wandte sich Jung-Architekt Alexander Hagner vom Architekturbüro gaupenraub erstmals mit der Idee an die Stadt, den Vorkai der Urania mittels Schwimmbrücke mit dem Herrmannpark zu verbinden. Da die Donau-Kanalschiffe in der Mündung des Wienflusses allerdings wenden müssen und eine fixe Brücke dies bei Hochwasser nicht ermöglichen würde, stand fest, dass es sich um eine beweg liche Brücke handeln müsste. Trotz Vorlage einer ausgereiften Studie hielt die MA 29 (Abteilung Brückenbau und Grundbau) das Projekt von gaupenraub für nicht realisierbar, weshalb ein anonymer, EU-weiter Realisierungswettbewerb ausgeschrieben wurde.
Aus diesem ging Anfang dieses Jahres nun das Londoner Architekturteam Krolikiwski Schmitt mit seinem Vorschlag für eine Klappbrücke als Sieger hervor. Mit dem Bau soll bereits 2011/12 begonnen werden.
Fraglich ist hingegen die Umsetzung von so manch anderem ursprünglich geplanten Projekt. So hat die keinem kommerziellen Zweck dienende, schwimmende Kulturplattform MS SUPAMIRA, auch nach vierjährigem Verhandlungsprozess mit der zuständigen Geschäftsstelle für Projektkoordination und Sonderaufgaben der Stadt Wien, noch immer keine Anlegestelle erhalten.