Beton und Zement Jahresrückblick 2016

22. Dezember 2016 Mehr

Von Belgien über Singapur bis Niederösterreich. Vom Feuerwehrhaus über die Krankenanstalt oder den Wasserspeicher, bis zum luxuriösen Mehrfamilienhaus – der große Architektur Fachmagazin Jahresrückblick zum Thema Beton und Zement.

 
Betonkurven

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Immer wieder gibt es beachtenswerte Projekte mit dem Werkstoff Beton. Das belgische Architekturbüro office O architects (OOA) zeichnet für eine dieser Architekturen, für die Villa MQ in Tremelo/Belgien verantwortlich. Das Haus für eine Familie mit zwei Kindern manifestiert sich aus zwei weichen Betonkurven, die sich in der Mitte aneinanderdrängen und hier die Verkehrszone mit Stiege etc. bilden. Von der Straße aus wirkt das Ganze wie eine solide Wand mit keinerlei sichtbarem Eingang, aber einer Reihe dramatischer Ansichten. Die beiden Betonkurven weiten sich an ihren Enden auf, hier bieten große Glasfronten jede Menge natürlicher Belichtung für die Schlafräume an einem Ende und die Wohnräume am anderen. Das in der Mitte befindliche Stiegenhaus ist ebenfalls lichtdurchflutet und verbindet insgesamt 5 Splitlevels im Inneren. Ein großer Hof umschließt den Pool, der direkt von der Küche und dem Essbereich aus durch Glastüren erreichbar ist. Und der Garten ist höhenmäßig derart gestaltet, dass die Architektur auf einer natürlichen Landschaft zu thronen scheint.

Fotos: ©Tim van de Velde

Text: Peter Reischer

 

Weiche Betonwände als Schutz

Aus vor Ort gegossenem Beton, ganz genau rechtwinkelig und gerade, jedoch mit trotzdem „weichen“ Wänden – das ist Architektur für Epilepsiekranke. Das neue Heim steht in Dommartin-lès-Toul (Lothringen) in Frankreich und ist vom Atelier Martel entworfen worden. Der Architekt hatte schon sehr früh die amerikanische Künstlerin Mayanna von Ledebur in das Projekt mit einbezogen. Sie war für die plastisch gestalteten Betonwände und die künstlerische Innengestaltung – die ein Zurechtfinden der Patienten ohne übliche Beschriftung ermöglicht – verantwortlich.

Atelier Martel’s Anliegen war es, den Kranken in den Mittelpunkt der Architektur zu stellen, abseits der üblichen, konventionellen medizinischen und sozialen Strukturen. Er sollte sich in dem Heim wohlfühlen, Orientierung finden, deshalb ist die Architektur auch wie eine kleine Stadt aufgebaut. Die Größenordnung von 60 x 60 Meter schafft eine auffallende Sichtbarkeit in der umgebenden Landschaft, die von Weideflächen und Industriebauten geprägt ist. Durch die Einfachheit der Form wird jedoch auch ein Objekt kreiert, das keine Vorder- oder Rückseite hat. Die an eine Mondlandschaft erinnernde Weichheit der Außenwände schluckt das Sonnenlicht, vermeidet harte Schattenlinien und unterstreicht somit die Präsenz der Architektur in der Natur.

 

Der Grundriss ist einfach und darauf ausgerichtet, Wege für das Pflegepersonal zu minimieren. Die Anordnung der Wohneinheiten erlaubt es den Patienten, ohne Stiegen benutzen zu müssen, herumzugehen und Kontakt mit anderen zu suchen. Vier Höfe durchbrechen das Quadrat des Bauwerkes und bringen Naturlicht ins Innere. Ihre Dimensionierung und Anordnung trägt auch zur besseren Orientierung in der Architektur bei. Wegführungen sind ohne tote Enden und Sackgassen aber mit Plätzen und Aufenthaltsbereichen konzipiert. Als Beispiel diente dem Architekten die Theorie von Leon Battista Alberti (1404-1472), De re aedificatoria (über das Bauwesen). Das natürliche Licht und die fließenden Räume (vorallem in allen Gängen) bewirken eine merkwürdige Dialektik zwischen Schutz und Offenheit. Innen- und Außenräume sind nach dem Prinzip eines Klosterbaus, geborgen und gleichzeitig mit der Natur und der umgebenden Landschaft in Beziehung. Die Stärke der Wände, die noch durch die plastische Gestaltung und die ausgeschnittenen Fensteröffnungen unterstrichen wird, erhöht das Gefühl des „beschützt werden“. Einige Aufmerksamkeit hat man auch der Gestaltung von Details gewidmet. So sind ausschließlich qualitative und natürliche Materialien verwendet, die Böden der Innenräume mit weichen Belägen versehen, um die Gefahr von Verletzungen aufgrund eines Sturzes zu minimieren.

Fotos: ©Mayanna von Ledebur, Andr. Cepeda
 

Auf gekreuzten Beinen

Die 50 Meter hohe Struktur des ‚Chateau d‘Eau‘ beinhaltet ein kreisförmiges Fass für die Wasserspeicherung. Dieses steht auf einer schlanken Betonplattform und ist von einem rechteckigen Metallkäfig umgeben. Die Gitterstruktur lässt bei Tag manche Durchblicke zu. Vor allem aber in der Nacht, wenn der Turm beleuchtet ist, kommt die Transparenz zum Vorschein. Die Tonne für 2.000 Kubikmeter Wasser stellt keine Verlängerung oder Erweiterung der Tragstruktur dar, sondern ist ein unabhängiges Objekt, das auf der Ebene steht. Somit ist eine Flexibilität für spätere Veränderungen oder Reparaturen am Behälter gegeben. Die Tragstruktur und die Stützen sind in Ortbeton gegossen. In einem Eckpunkt befindet sich eine senkrechte, quadratische dickere Stütze – hier liegt das Stiegenhaus mit dem Zugang. Der Speicher steht im Ghlin-Badour Businesspark in Belgien und soll auch als starkes Signal, als Landmark für das Industriegelände, wirken. Die mit dem Entwurf angestrebte und erreichte Fragilität ist für die rationelle Welt der Mechanik und Produktion ungewöhnlich – sie wirkt dynamisch und bietet unterschiedlich wechselnde Ansichten, von der vorbeiführenden Autobahn aus gesehen. Das belgische Architekturbüro studio V+ hat nun einen Wasserturm fertiggestellt, der ein bisschen ‚wackelig‘ erscheint: Er steht auf gekreuzten Betonstützen, wie ein überdimensionaler kaputter Puppentisch.

Fotos: ©Maxime Delvaux

 
Betonidentität

Jeder Mensch hat seine Identität. Manche zeigen diese auch in der Architektur, die sie bewohnen. Zum Beispiel der Auftraggeber der ipli architects in Singapur: Er ist ein Betonhändler und drückt das auch deutlich aus. Polierter, gehämmerter, schalungsrauer, gefärbter, gebürsteter, mit Texturen versehener Beton in allen denkbaren Ausprägungen bestimmt sein Haus. Der Bungalow mit dem Namen Leedon Park befindet sich im Garten des bereits existierenden Hauses des Auftraggebers und überschaut mit seiner Terrasse den Pool und den Tennisplatz. Das Gebäude hat eine relativ dünne Außenwand aus Beton und deren Oberfläche ist vom Muster der Holzschalung geprägt. Ein Satteldach aus Beton wird von kleinen, rechteckigen Öffnungen durchbrochen. In seinem Inneren befindet sich eine Gästewohnung mit Wohnbereich – hier werden alle Arten der Betonbehandlung demonstriert und sichtbar gemacht. Kleine Öffnungen im polierten, schwarzen (mit geringen weißen Flecken versehenen) Betonfußboden geben sogar natürliches Licht in das Heimkino im Untergeschoss weiter. Die Böden im Bad sind auch schwarz, aber mit mehr weißen Einschlüssen. Obwohl eigentlich die ganze Architektur aus dem gleichen Material erbaut wurde, zeigt der Beton durch seine Oberflächen und Strukturen immer wieder unterschiedliche Anmutungen.

 

Äußerlich doch eher monolithisch wirkend, schützt die Betonhülle gegen die tropische Hitze, die starke Sonneneinstrahlung und erlaubt es den Bewohnern, von der passiven Heizung und Kühlung durch die Speicherfähigkeit des Materials zu profitieren. In der Regenzeit (Monsun) rinnt das Wasser die Betonflächen hinunter und sorgt durch die Verdunstung zusätzlich für Kühlung. Das Gestaltungsprinzip Beton zieht sich auch in den Außenraum weiter – hier bietet eine schwarze Überdachung (natürlich aus Beton) Schatten für die beiden Parkplätze.

Fotos: ©Jeremy San
 

Perfektes Wohlfühlklima im Mehrfamilienhaus

Das Prinzip der Bauteilaktivierung ermöglicht zukunftsgerechtes Bauen und thermischen Wohnkomfort über das ganze Jahr. Energieexperte Harald Kuster von FIN – Future is now, Kuster Energielösungen, stellt mit seinem Energiekonzept für zwei Mehrfamilienhäuser in Salzburg unter Beweis, dass Heizen und Kühlen mit Beton längst nicht mehr nur im Industrie-, Büro- und Gewerbebau „State of the Art“ ist.

Das Energiekonzept für die Mehrfamilienwohnhäuser Elsbethen Austraße wurde unter besonderer Berücksichtigung von Effizienz und Behaglichkeit erstellt. In Abstimmung mit den Bauherren wurden die Gebäude in Massivbauweise errichtet, in beiden Wohnhäusern gibt es jeweils fünf Wohnungen. Erstmals wurde im mehrgeschossigen Wohnbau auch die Trittschallproblematik in Verbindung mit der Bauteilaktivierung nachhaltig gelöst. Mit dem Energiesystem unter Nutzung des Wärmespeichers Beton ist es möglich, den Energiebedarf für Heizen, Lüften, Kühlen und Warmwasser über das Jahr gesehen mit der installierten Fotovoltaikanlage kostenneutral zu halten. Die Auslegung der Gebäudetechnik wurde nach Vorgaben der Bauherrschaft so gewählt, dass im Heizfall eine Raumtemperatur von bis zu 23 ÅãC für den Wohnungsnutzer zur Verfügung gestellt werden kann. Die Wärmeverteilung in den einzelnen Wohnungen erfolgt über die Aktivierung der Betondecken. Ein herkömmlicher Bodenaufbau ist bei diesem Wärmeverteilsystem möglich, und es entstehen dadurch keine Mehrkosten für die Nutzung der Speichermassen. Im Kellergeschoss erfolgt die Wärmeverteilung über die aktivierte Bodenplatte. Die Raumtemperaturen können über Einzelraumregelgeräte individuell gesteuert werden.

Die Warmwasserbereitung erfolgt zum überwiegenden Teil tagsüber, um die Fotovoltaikanlage optimal auszunutzen. Dasselbe gilt für die Nutzung der Bauteilkühlung: Auch hier erfolgt der überwiegende Betrieb der Anlage untertags, um den im Sommer herrschenden Überschuss an Solarstrom bestmöglich auszunutzen. Unter diesen Voraussetzungen ist es wie geplant und errechnet möglich, die Energiekosten für die Haustechnikanlage über den Jahresertrag der Fotovoltaikanlage abzudecken und den Mietern ein weitgehend energiekostenfreies Objekt bieten zu können. Durch die Aktivierung der Geschossdecken werden die Räume im Sommer und Winter behaglich temperiert. Die extrem geringen Temperaturunterschiede zwischen Außenwänden, Fenstern, Fußböden und den Wärmeabstrahlflächen an den Zwischendecken verhindern Konvektionsströme zwischen den Bau- teilen und sorgen für ein besonders positives Raumklima. Sommerliche Überwärmung ist aufgrund der hohen Speichermassenanteile nicht zu erwarten. Bei langen Hitzeperioden kann mit der passiven Kühlung über Erdsonden zusätzlich Wärme abgeführt werden. Zu diesem Bauprojekt werden im Auftrag der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (V.Z) alle Daten systematisch erfasst, protokolliert und im Zuge eines geplanten Forschungsprojektes ausgewertet.

Keine Re-Industrialisierung in Österreich sichtbar

Standortpolitik in Österreich stellt auch die Zementindustrie vor größte Herausforderungen. Die Kosten für Arbeit und Energie zählen weltweit zu den höchsten.

Die mangelnde Umsetzung einer erfolgreichen Bildungspolitik führt zu einem Problem bei der Rekrutierung notwendiger Fachkräfte und die Bürokratisierung des Klimaschutzes verschärft das Dilemma. Das EU-Ziel, den Industrie-Anteil bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern, scheint in weiter Ferne. „Die globale Bedeutung Europas als Zementmarkt wurde innerhalb von zehn Jahren marginalisiert, eine Reindustrialisierung findet weder in Europa noch in Österreich statt“, bedauert Mag. Rudolf Zrost, Vorsitzender der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Europa und auch Österreich brauche die Industrie, um die Forschung im Lande halten zu können. Mit hoch entwickelten Produkten konnte die Zementindustrie in Österreich 2015 ein Plus von vier Prozent erwirtschaften, für 2016 ist man nur moderat optimistisch. Trotz Investitionsrückgang wurde der Anteil in den Umweltschutz um 25 Prozent erhöht. Zrost fordert eine dringende Reform des Emissionshandels, da dieser ein überbürokratisches und wettbewerbsverzerrendes Verwaltungsregime sei und damit den Wirtschaftsstandort massiv gefährde.

Grafik: ©VÖZ

 

Kulturzentrum hinter Holz und Beton

Platten aus gefaltetem Beton geben dem Kulturzentrum, entworfen von São Paulo Arquitetura einen scheinbar undurchdringlichen Eindruck, aber verborgen hinter den fensterlosen Betonwänden befinden sich lichtdurchflutete Galerien. In dem Espaço Cultural Porto Seguroto in Sao Paolo/Brasilien, so die Bezeichnung der Architektur, finden Ausstellungen, Symposien, Workshops und Partys in der brasilianischen Stadt statt.

2016 wurde das Gebäude mit der asymmetrischen Form aus geknickten Betonplatten und der Holzlattenfassade eröffnet. Diese Faltungen geben die Zonen für die verschiedenen Ausstellungsbereiche vor und brechen vor allem die Parallelitäten – so sichern sie eine gute Akustik im Inneren. Die Betonfassade schafft außen Schattenzonen, welche sich beim Betreten des Hauses in Lichtzonen verwandeln. Zwei Blöcke sitzen nebeneinander, Seite an Seite, sie sind von einem schmalen Mauerspalt getrennt – dieser bringt Licht in die Innenräume und sorgt auch für eine gute Durchlüftung. Der kleinere der Blocks enthält die Büroräume, Klassen und Nasszellen, während der größere einen zweigeschossig hohen Ausstellungsraum mit einer Zwischenebene enthält. Zwei Kellergeschosse sind unter beiden Teilen situiert, hier befinden sich weitere Ausstellungsbereiche und die Technikräume. Der Beton knickt auf der Seite der Galerie einwärts und führt den Besucher zu einer Holztüre – dem Eingang. Das Konzept dieser Wegführung und Einladung ist es, den Besucher neugierig auf das Entdecken neuer Räume zu machen. Im Inneren neigt sich eine eindrucksvolle Betonplatte über den Eingangsbereich und bildet den Übergang zur Ausstellung. Diese Platte reflektiert einen Teil des Lichtes von einem Oberlicht in den Galerieraum. Nach dem Eingang ändert sich auch der Fußboden von Beton zu einem Holzboden. Ein verglaster Korridor führt entlang der Außenwand zum Mezzanin hinauf, er läuft parallel zur Straße und gibt Ausblicke in die Nachbarschaft des Kulturzentrums frei.

 

Die lange Straßenfassade des Büroblockes hat eine Doppelfassade aus einem Gitter aus Beton und einem Lattenrost als Schutzschild. Diese Anordnung verhindert Einblicke von au.en in die Büros der Verwaltung, der WCs und der Lernräume während sie gleichzeitig Licht und Luftzirkulation ins Gebäude bringt. Ein Platz vor der Fassade gewährt den Zugang zum zentrumseigenen Restaurant und zum Geschenkeshop.

Fotos: ©Fabio Hargesheimer, São Paulo Arquitetura.
 

Beton statt Naturstein

Bei der Erweiterung von bestehenden Produktionshallen für einen Betrieb für Naturstein-Verarbeitung sowie die Ergänzung um ein Lagerplatz-Ensemble ließen sich die Architekten gerner°gerner plus – ermutigt vom Bauherrn – von
der Ausdruckskraft des Materials Beton inspirieren und setzen mit einem spannungsreichen räumlichen Komplex einen wohltuenden Akzent im suburbanen Industrieviertel Niederösterreichs.

 

Ein kompakter, 120 Meter langer Baukörper, eine Box mit davor platzierten halb offenen und geschlossenen Lagerplätzen bestimmen das Ensemble. Nicht die große Geste spricht hier, sondern die Differenziertheit durch – im Bereich der Büros – verglaste Rücksprünge, die durch schwarze Holzfassungen in Form gebrachte Proportionalität der Sektionaltore – und vor allem die Rhythmisierung der Fassade durch die Betonplatten im Querformat. Die Präzision des teilweise zweigeschossigen Bauwerks ist der Funktionalität geschuldet. Für die notwendigen zusätzlichen Lagerflächen war vor allem eine „aufgeräumte Optik“ wichtig. Diese fanden in zur Box kontrastreichen, ganz andersgearteten Räumlichkeiten Platz: Hart an der angrenzenden Bahnstraße liegend, reihen sich größenmäßig differenzierte Volumina aneinander, die das trapezförmige Grundstück nachzeichnen. Das Kernstück – eine Lagerhalle in Kombination mit einem halb offenen Lagerplatz – kippt ihr Dach über einem angeschrägten Oberlicht gegen den Himmel und verschanzt den Lagerplatz hinter einer korrespondierend angeschrägten Sichtschutzmauer. Innerhalb des Firmengeländes ergeben sich so auf- und absteigende Kanten und Linien, zum suburbanen Umfeld aus Gewerbebauten und Feldern bilden die skulpturalen Lagerboxen schützende Wände. Beim Lagerplatz-Ensemble nahm man die steinmetzmäßige Bearbeitung der Betonflächen durch Stocken vor – eine Behandlung der Oberflächen durch Elektrooder-Drucklufthammer, die für den grobkörnigen und matten Effekt verantwortlich ist.

Fotos: ©Matthias Raiger

 

Revolution in der Speichertechnologie
Die beste Haustechnik nützt nichts, wenn sie zu kompliziert und aufwendig für die Bewohner ist. Denn dann wird sie einfach nicht angewendet. Bei dem Prototyp »Einfamilienhaus H« in einem kleinen Ort in Niederösterreich, muss einzig die Winter- und Sommersteuerung von den Bewohnern selbst aktiviert werden.

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Die Architektur wurde in Massivbauweise (Leichtbetonsteine) und Passivhausqualität errichtet. Die Frischluftzufuhr erfolgt über eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit effizienter Wärmerückgewinnung. Für die energieeffiziente Beheizung sind die Bauteile aus Beton thermisch aktiviert. Die große Wärmespeicherfähigkeit von Beton wird genutzt, um kurzzeitig hohe Energiemengen einzuspeisen, die aus der Überschussenergie einer Windkraftanlage stammen. Eine Wärmepumpe mit Erdkollektoren versorgt das Haus mit der richtigen Raumtemperatur und stellt das Warmwasser bereit. Sensationell dabei ist, dass die Heizung sieben Tage und die Warmwasserbereitung drei Tage ohne Energiezufuhr auskommen. Die Kosten der innovativen haustechnischen Anlage sind mit denen einer völlig konventionellen vergleichbar.

 
Beton aus dem Raumschiff Enterprise

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Nicht nur im Fernsehen erlebt die beliebte Serie mit der legendären USS Enterprise und ihrem Commander derzeit ein Revival – futuristische, wie aus dem Weltall stammende Möbel aus Glasfaserbeton drängen zurzeit auf den Markt. Dünne, an „Freischwinger“ erinnernde Schalen auf Metallstützen bilden Sitzmöbel mit ausgefallenem Design.

Nicht umsonst erhielt ein Sessel der Kollektion – er hat Ähnlichkeiten mit einer fliegenden Untertasse – den Namen „Kirk“, ein anderes Sitzmöbel „Shorty“. Darin zu sitzen vermittelt ein Gefühl von Privatheit, beschützt von Form und Fülle des Materials, gleichsam eine Insel, ein ganz besonderer Ort. Die sanft geschwungene Betonliege mit dem Namen „Amorphy“ stammt offensichtlich aus der Kajüte von Mr. Spock.

 

Die einzelnen Stücke sind allesamt Produkte liebevoller Handarbeit eines Beton verarbeitenden Unternehmens aus Deutschland. In Zusammenarbeit mit internationalen Designern entstehen hier außerordentliche Glasfaserbeton-Kreationen für Küche, Bad und Wohnen. Die Herstellung von Glasfaserbeton ist reine Manufakturarbeit. Dabei wurde das Verfahren vom Produzenten perfektioniert. Hergestellt werden diese Objekte größtenteils in Spritztechnik. Nach 20-tägiger Reifezeit wird die Oberfläche dann nachgearbeitet, gewaschen und imprägniert. Das macht die Objektoberflächen witterungsbeständig und verleiht ihnen ihre angenehme Samtheit. Im Nature Look sind sie puristisch betongrau oder dunkelgrau, creme oder anthrazit durchgefärbt. Die Farbe wird dabei nicht aufgetragen, sondern als Pigment dem Beton beigemengt. Im Smooth Look erhält die Oberfläche eine Farbbeschichtung nach Wahl mit perlig glatter Haptik. Mit diesem Verfahren sind auch intensive Farben in RAL-Tönen möglich. Durch die Glasfasern sind geringe Wandstärken möglich und die Objekte sind relativ leicht. Deshalb ist auch Glasfaserbeton für die Innenarchitektur hervorragend geeignet. Die Oberflächen sind zudem von angenehm haptischer Qualität. Sie sind farblos versiegelt und daher wertbeständig und denkbar pflegeleicht. Das Material lässt sich mit Holz, Stahl und Glas ausgezeichnet kombinieren und ermöglicht maßgeschneiderte Einrichtungen und Objekte für außergewöhnliche Lebensräume. Möbel, die nicht nur Kunstobjekte sind, sondern auch im täglichen Gebrauch Freude bereiten – ein gelebter Purismus.

Fotos: ©concrete-rudolph.de

 
Beton wie Feuer

Der Gedanke liegt nahe, ein Feuerwehrhaus in roter Farbe zu gestalten, die Symbolik ist eindeutig. Also haben die Pedevilla Architects das neue Feuerwehrhaus in Vierschach/Südtirol im östlichen Hochpustertal auf 1.130 Meter Meereshöhe aus rot eingefärbtem Beton gestaltet.

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Sämtliche Oberflächen des Gebäudes sind aus pigmentiertem Beton, wodurch einerseits der monolithische Charakter des Gebäudes verstärkt und andererseits durch die Ähnlichkeit der Betonfarbe mit den traditionellen Holzbauten der Region eine bauliche Integration erzielt werden sollte. Das lang gezogene, zweigeschossige Gebäude liegt an der Hauptstraße und bildet großzügige Freiflächen: Einen Vereinsplatz auf der oberen, dem Saal zugewandten Ebene, und einen Übungs- bzw. Parkplatz auf der unteren Ebene, die an die Fahrzeughalle anschließt. Der Saal steht außerdem auch der Allgemeinheit zur Verfügung. Die ins Innere führende Außentreppe lässt das Gebäude auch zu einer Verbindung zwischen Straße und Parkplatz werden.

 

Der hohe Fertigkeitsgrad des Rohbaus bedingte nur mehr wenige Ausbauarbeiten. Unregelmäßigkeiten, Maserungen machen den Charme des Materials aus. Die Außenflächen wurden hydrophobiert und etwas nachgeschliffen. Als Material für die Außenhülle wurde Konstruktionsleichtbeton verwendet. Durch den Zusatz von leichter Gesteinskörnung (Blähton) als künstlicher Leichtzuschlag nach DIN EN 13055 und mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung erhielt der Beton hochwärmedämmende Eigenschaften, wodurch keine weiteren Dämmmaßnahmen mehr notwendig waren. Aus Gründen der geforderten Gebäudeenergieeffizienz ergaben sich 60 cm dicke Stahlleichtbetonwände für die Gebäudehülle. Neben
der tragenden und abdichtungstechnischen Funktion übernimmt der rot eingefärbte, gefügedichte Leichtbeton als Sichtbeton auch die Aufgabe der frostsicheren Fassade. Im Inneren sind Trägerspannweiten bis zu 27 Metern realisiert. Die diversen und gleichzeitig hohen Anforderungen an den Leichtbeton machten Eignungsprüfungen und eine lückenlose Qualitätskontrolle während des gesamten Bauprozesses notwendig.

Grafiken: ©Gustav Willeit

 
Abstraktion in weißem Beton

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Einer der ganz großen Architekten, Àlvaro Siza, hat vor Kurzem die nach einem Maler der geometrischen Abstraktion benannte „Nadir Afonso Foundation“ fertiggestellt. Ein Museum am Ufer des Flusses Tâmega in der portugiesischen Stadt Chaves.

 

Die Architektur ist von der Erdoberfläche abgehoben, um sie vor allfälligen Überflutungen durch den nahen Fluss zu schützen. Für den Bau hat man weißen Beton verwendet, die Wände sind nur an wenigen Stellen durchbrochen, um Naturlicht in die Räume zu leiten. Die Hauptebene, die Ausstellungsfläche, ist auf einem Sockel in einer Höhe von 3,5 Metern über dem Erdboden angeordnet. Diese Plattform wird von Betonscheiben getragen und ist von einer leicht ansteigenden Rampe erschlossen. Der Hauptraum, der asymmetrisch in zwei Sektionen geteilt werden kann, wird von einer durchgehenden Oberlichtfläche im Dach belichtet, der Ausstellungsbereich im Südostflügel wiederum von einem horizontalen Lichtband gegen den Fluss hin. Holzböden ziehen sich durch die Räume, die Wände und Decken sind mit Gipsplatten verkleidet. Innenfenster sind aus Holz und rostfreiem Stahl, während die Außenfenster aus Holz und Aluminium sind.

Fotos: ©Joao Morgado

 
Betonkurven

Benthem Crouwel Architects Amsterdam; RAI;

Benthem Crouwel Architects Amsterdam; RAI;

Das Exhibition and Convention Centre RAI in Amsterdam hat im August dieses Jahres ein neues multifunktionales Parkhaus bekommen: 30 Meter hoch und auf acht Ebenen Platz für ca. eintausend Autos. Was das Gebäude besonders macht, ist die Tatsache, dass der erste Stock nicht nur für Autos, sondern auch für Ausstellungen und Events verwendet werden kann.

 

Die Architektur ist durch einen einfachen rechteckigen Grundriss charakterisiert. An der Südseite des Baus winden sich zwei auffallende spiralförmige Rampen nach oben, eine für die Zufahrt und die andere für die Abfahrt der PKWs. Indem man die beiden Wege getrennt hat, wurde der Verkehrsfluss insgesamt wesentlich schneller. Die Türme der Rampen bestehen aus vorgefertigten Betonelementen und „kleben“ aneinander. Diese ikonenhaften, helixförmigen Betonspiralen sind von weitem sichtbar und besonders in der Nacht durch ihre blaue LED-Beleuchtung ein Wahrzeichen.

Fotos: ©Jannes Linders

 

Concrete Student Trophy
Die Aufgabe bestand heuer darin, einen innovativen Vorentwurf einer barrierefreien, frequenzabgestimmten, vollautomatischen und bedienerlosen, zweispurigen Personenseilbahn über die Donau für Fußgänger und Radfahrer im Pendelverkehr zwischen den beiden Orten Aggsbach-Dorf und Aggsbach-Markt zur Vernetzung von deren Infrastruktur und im Einklang mit der umgebenden Landschaft, insbesondere in Hinblick auf die Verträglichkeit in der Kulturlandschaft im Sinn der Welterbekonvention, zu entwerfen. Der Forderung nach der Kreation einer architektonisch ansprechenden und nachhaltigen Lösung unter der Verwendung von Beton, Funktionalität, Konstruktion, Schallschutz sowie Wirtschaftlichkeit sind bei der diesjährigen Concrete Student Trophy wieder zahlreiche Entwurfsteams nachgekommen.

1. Platz
„Lufthafen Wachau“ von Felix Stadler,
Jan Niklas Schöpf und Michael Knoll

Das Team beeindruckt mit seinem optisch ansprechenden, ästhetischen Projekt und seiner polarisierenden Präsentation. Die Formgebung der Seilbahnstationen, die einer sich öffnenden Muschel gleichen, sowie die Ausformung der Stützen und deren Integration ins Bauwerk wurden auf sehr hohem Niveau durchgestaltet. Die Formensprache kann als Erinnerungen an eine große Baukünstlerin gesehen werden. Das Projekt bietet Eye-Catcher-Qualitäten, wächst aus der Landschaft heraus und stellt eine expressive und selbstbewusste Landmark dar.

2. Platz
„Lupe“ von Christopher Emil Kreminger,
Dominic Mimlich und Guido Bauer

Das Projekt besticht durch eine hervorragende architektonische Idee und den interessanten Ansatz einer ausformulierten Bergstation, die einen Mehrwert bietet. Die Lage der Mittelstation am Luftberg ist zwar höchst attraktiv, könnte aber im Sinne des Weltkulturerbes als massiver Eingriff in die Natur gewertet werden. Die Talstationen betten sich ungezwungen in die Landschaft ein.

3. Platz
„AggsBahn“ von Gernot Kraut,
Nico Rauchenwald und Maximilian Fiebich

Dieses Projekt überrascht durch intelligente Einfachheit. Die für die Gegend typische, unspektakuläre Hausform fügt sich in die vorhandenen Strukturen ein und leistet einen Beitrag zur Verdichtung des Ortes. Das grafische Spiel mit sägerauer Querschalung weckt Erinnerungen an minimalistisch ausgeprägte Holzschuppen und drängt die Betonbauweise in den Hintergrund.

 

Weiterführende Informationen:

Zement + Beton Handels- u. Werbeges.m.b.H
Tel: +43 (0)1 7146685-0
Web: www.zement.at

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Kategorie: Allgemein, News

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