Beton und Zement Jahresrückblick 2017

22. Dezember 2017 Mehr

Roter Beton und blaue Linien – Haus der Kunst

Drei klar definierte Volumina aus Stahlbeton, in einem Rotton gefärbt, prägen das Ensemble. In ihnen finden 15 Vor- und Grundschulklassen Platz. Ebenso ein unbetreutes Freizeitzentrum und das „Haus der Kunst“. Die Baukörper gruppieren sich um einen zentralen Hof, den Eltern und andere Nutzer gestaltet und so zu einem öffentlichen Bereich gemacht haben. Die Anordnung der drei Körper um den Hof reflektiert die traditionelle, wohlbekannte landwirtschaftliche und auch bürgerliche Architektur, bei der sich die hauptsächlichen Nutzungen und Programme eben im Hof abspielen. Die Bauteile und landschaftlich gestalteten Areale sind in die verschiedenen Geländeebenen des Grundstückes eingebettet. Für die bestmögliche Nutzung der Geländestufen und Hänge haben die Architekten daraus kleine eigenständige Bereiche und Rampen gestaltet. Diese sind mit fast künstlerisch wirkenden Linien, Zeichen und Bewegungsmustern in hellblauer Farbe versehen und bereichern so die Architektur mit einem zusätzlichen fröhlichen Aspekt.

Fotos: ©Mathieu Ducros

 

 

Topsportschool Antwerpen / Antwerpen / Compagnie O architecten

Ein kristalliner Körper schwebt über einem, aus mehrfach geneigten Stahlbetonwänden zusammengesetzten, unregelmäßigen Bunker. Die Umgebung des Fort VI Wilrijk in Belgien, einem Teil der Verteidigungsanlagen aus dem Weltkrieg rund um Antwerpen verstärkt den unwirklichen und auch unwirtlichen Eindruck der Architektur. Sie soll ja auch nicht freundlich und anheimelnd wirken, denn es ist eine Elite-Sportschule, die hier vom Architekturbüro Compagnie O architecten errichtet wurde.

Die Topsportschool (TSS) ist eine akribische, räumliche Übersetzung eines Funktionsprogrammes. Der Tagesablauf der Elitestudenten und ihrer Trainer ist hier rigoros geplant und bestimmt. Wie Schachfiguren bewegen sie sich mit spartanischer Effizienz von einer Station zur nächsten. Die Wegstrecken zwischen Schule und Training sind minimal, gerade und eindeutig. Es gilt, keine Zeit oder Raum zu verlieren und die Architektur leitet diese Bewegungen zielstrebig und schnell. Der Bau ist ein gutes Beispiel dafür, wie Infrastrukturen, räumliche Zusammenhänge, Funktionen und Bewegungsabläufe in Materie „gegossen“ sein können.

Das Bauwerk verrät seinen Inhalt und seine Funktion von außen nicht an den Betrachter. Es „existiert“ einfach an dieser Stelle neben der aufgelassenen Befestigungsanlage und wird langsam von Grün überwachsen. Die Betonoberflächen sind von den Architekten mit Algen, Moos und Flechten besiedelt worden, um einen Renaturalisierungsprozess in Gang zu setzen. Diese grüne Patinierung verursacht eine ständige Metamorphose im Erscheinungsbild der Architektur.

Drei Ebenen
Der dreigeschossige Körper besitzt einen fast quadratischen Grundriss, dessen Wahrnehmung aber durch die geneigten Betonaußenflächen verwischt wird. Auf der Erdgeschossebene stellen die Sporthallen das Herz des Gebäudes dar. Auf der einen, größeren Hälfte liegen nebeneinander drei große Hallen für verschiedene Ballsportarten. Auf der kleineren Hälfte befinden sich Säle für Martial Art & Judo und Taekwondo. Getrennt werden die Bereiche durch eine Zone mit Umkleidekabinen, Duschen und WCs. Hier sollen sich die Einzelpersonen auf ihre individuellen Fähigkeiten konzentrieren und deshalb sind die Räume auch eher schlicht gehalten. Alle Außeneinflüsse werden abgeschirmt, kontrolliert oder gefiltert und gedämpft. Teile der Außenwände sind leicht schräg geneigt und ansonsten gibt es keinerlei Störung. Auf dieser Ebene befindet sich, gegen den Vorplatz orientiert, auch der Haupteingang zur Schule.

Auf der Zwischenebene, direkt neben dem Restaurationsbereich, sind die Einrichtungen für das Krafttraining situiert. Diese Räume stellen den eigentlichen Gemeinschaftsbereich der Schule dar. Als Kontrast zu den eher introvertierten Trainingshallen im Untergeschoss bietet sich hier ein generöser Ausblick in die Natur der Umgebung. Auf dieser Ebene befindet sich auch ein zweiter, eher privater Eingang in den Schulbereich. In diesen beiden unteren Ebenen findet man immer wieder überraschende Durchblicke und Perspektiven.

Die oberste Ebene sitzt als scharfkantiger Körper auf der soliden Basis aus Beton. Sie ist für alle anderen Schulaktivitäten, wie Unterricht, Verwaltung und Freizeit reserviert. Im Zentrum des Geschosses findet sich ein großer, zum Himmel halb offener Bereich für Kommunikation und Pausen, eine Art Schulhof.  Er wird teilweise von einer dreieckigen Dachplatte geschützt und Träger und Stützen ihrer Konstruktion sind in einer dekonstruktivistischen Anordnung platziert, die allerdings der Logik der Statik aus den unteren Geschossen mit deren großen Tragweiten bei den Sporthallen folgt. Diese Zone erhebt sich wörtlich und auch bildlich über die Sporthallen und die Umgebung. Nichts Massives mehr, nur Transparenz, Glas und Stützen auf einer Plattform positioniert.

Materialisation
Die Außenwände der unteren zwei Geschosse sind geneigt und referieren an den militärischen Kontext (nicht nur der Umgebung) einer strikten Disziplin. Durch die sehr grob geschalten Sichtbetonflächen, die einen bunkerähnlichen Charakter erzeugen, bekommt die Architektur eine eigene Identität. Die Schrägen der Wände reagieren auch auf die Topo­grafie des Geländes und beziehen dieses mit ein.

Die Fassade des obersten Geschosses ist rundum mit reflektierenden Materialien ausgeführt. Durch die Kombination verschiedener Glasflächen wird die Reflexion variiert. Es gibt Teile, die komplett spiegeln und Zonen, die eine Einsicht in das Innere ermöglichen. Die Spiegelung der Umwelt ist nicht absolut, sondern geschichtet und fragmentiert, sie wird manipuliert und die Natur so zu einem virtuellen Bild der Architektur. Der augenscheinliche Kontrast zwischen der Massivität des Sockels und der Leichtigkeit des obersten Geschosses ist paradox, fast ein Oxymoron1. Es kommen zwei – scheinbar inkompatible – Sprachen zusammen, aber genau diese Spannung macht die Architektur interessant.

 

Topsportschool Antwerpen – Stedelijk Leonardo Lyceum
Fort VI Wilrijk, Antwerp

Bauherr:            AG Vespa, Antwerpen
Planung:            Compagnie O architecten / Joke Vermeulen & Francis Catteeuw
Statik:                 Util, Brüssel

Grundstücksfläche:    11 Hektar
Bebaute Fläche:          3.120 m2
Nutzfläche:                  6.285 m2 + 540 m2 Hof
Planungsbeginn:        06/2011
Bauzeit:                        32 Monate
Fertigstellung:            09/2016
Baukosten:                  9.020.200 Euro

 

Fotos: ©Tim Van de Velde

Text: ©Peter Reischer

 

 

Betonspurwege zur Befestigung ländlicher Straßen und Wege

Moderne Betonstraßen sind im städtischen Bereich nicht mehr wegzudenken. Auch für schwach belastete Straßen und Wege zur Erschließung des ländlichen Raumes können Betondecken wirtschaftlich und nachhaltig eingesetzt werden.

 

Strassenbau

 

Das österreichische ländliche Straßen- und Wegenetz stellt mit einer Gesamtlänge von rund 160.000 km einen Anteil von rund 80% am Gesamtstraßennetz in Österreich dar. Es dient abseits der übergeordneten Straßen der Feinerschließung des ländlichen Raumes und beinhaltet in erster Linie Gemeindestraßen wie auch Forstwege. Grundsätzlich sind Spurwege für alle Fälle von ländlichen Straßen und Wegen mit geringerer Verkehrsbedeutung geeignet. Sie finden häufig auch Anwendung im Bereich der ländlichen Neuordnung sowie als Begleitwege zu höherrangigen Straßen, zu Eisenbahntrassen, für die Erschließung von kommunalen Infrastruktureinrichtungen und im Natur- und Landschaftsschutz. Anfang der 80er Jahre wurden die ersten Betondecken im ländlichen Wegebau in Österreich errichtet. Diese haben sich aufgrund der hohen Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit technisch bewährt. Zur Planung von ländlichen Straßen und Wegen ist nun die neue Planungsrichtlinie RVS 03.03.82 „Spurwege“ heranzuziehen. Vor der Realisierung einer ländlichen Straße gibt es einen dreistufigen Entscheidungsablauf: Im ersten Schritt ist der grundsätzliche Bedarf einer technischen Wegebaumaßnahme (Neubau oder Umbau) zu prüfen. Im nächsten Schritt ist unter Bedacht auf die örtlichen Rahmenbedingungen die Bauweise festzulegen. Im Rahmen der Entscheidung über die Bauweise wird unter Berücksichtigung der Aspekte Natur- und Landschaftsschutz, Straßenlängsneigung, Verkehrsbedeutung, Verkehrsbelastung und Wirtschaftlichkeit etc. festgelegt, ob ein Spurweg errichtet werden kann. Sofern die Entscheidung auf den Spurweg fällt, ist in einem dritten Schritt unter Bedacht auf den spezifischen Beurteilungshintergrund der Bautyp festzulegen. Betonspurwege fügen sich optimal in die Landschaft ein und benötigen über Jahrzehnte hinweg praktisch keinen Unterhalt.

 

Strassenbau

 

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Haslehner
Amt der Burgenländischen Landesregierung
wolfgang.haslehner@bgld.gv.at
weitere Infos unter: www.zement.at

Fotos: ©Haslehner

 

 

Beton für die Welt von Morgen

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Umweltfreundlich und markant zeigt sich das neue Firmengebäude des burgenländischen Pioniers der Windkraftnutzung, Püspök Group in Parndorf. Dem Leitbild des Unternehmens entsprechend – einen Beitrag für die Welt von Morgen zu leisten – haben die Architekten Doser-Dämon von ad2 architekten ein energieautarkes Gebäude entworfen und nicht zuletzt auch durch die Nutzung der thermischen Speicherkapazität von Beton ein höchst behagliches Arbeitsumfeld geschaffen.

Die rasche Expansion des 1997 entstandenen Familienunternehmens forderte zusätzliche Räumlichkeiten für die Verwaltung. Also entschied man im Sommer 2013, einen Neubau zu errichten. Die Ausschreibungsunterlagen formulierten die Vision für den neuen Firmensitz im Hinblick auf Ästhetik, Funktion und Energieversorgung. Den Architekten ist es dann gelungen, diese Parameter meisterhaft zu verbinden. Sowohl für die Anforderungen der Nachhaltigkeit, als auch für die architektonischen Ansprüche war eindeutig Beton das sinnvollste Material für die Umsetzung und mittlerweile ist die thermische Bauteilaktivierung ja auch ein etabliertes System. Die Vorzüge von Beton hat man hier gleich mehrfach genutzt: Als massive Abgrenzung und Lärmschutz gegen die Straße hin, als Speichermasse zum Heizen und Kühlen des Gebäudes und die Sichtbetonflächen als gestalterisches Element im Innenraum. Das Obergeschoss ist so konzipiert, dass jeder Bürotyp möglich wäre. Als Gegensatz zur rauen Materialität des Sichtbetons haben die Architekten farbenfrohe, textile Materialien eingesetzt. Teppichboden, abgehängte bespannte Deckenelemente sowie Wandverkleidungen schaffen nicht nur eine elegante und wohnliche Atmosphäre, sondern tragen auch zu einer optimalen Raumakustik bei. Das vom Erdreich umhüllte Erdgeschoss wird über den Fußboden beheizt. Sowohl die Gebäudehülle als auch das Dach sind bauteilaktiviert. Im Winter wie im Sommer entsteht so ein äußerst angenehmes Raumklima und vor allem kein unangenehmen Luftzug von Klimageräten.

Ab Oktober 2017 gibt es am WIFI und an den Österreichischen BAUAkademien Kurse zum Thema Thermische Bauteilaktivierung (TBA). Diese Kurse bieten Baumeistern, Architekten, Bauträgern, Bauleitern, Bautechnikern, Installateuren und HKLS–Planern die Möglichkeit, Planungs- und Ausführungskompetenzen in dieser zukunftsweisenden Technologie zu erwerben und zu vertiefen.

Foto:©Erco

 

The Hall of Legends

Ursprünglich war das Gebäude als Barrique-Lager gedacht. Doch die Winzerfamilie Scheiblhofer aus Andau im Burgenland erkannte rasch, dass sich die Mehrzweckhalle aus Beton bestens für Events eignen würde. Ergänzt wurden daher ein Verkostungsraum, eine moderne Küche sowie eine 14 Meter lange Bar. Geplant wurde das Bauwerk von Architekt DI Werner Thell.

Insgesamt wurden 30 Köcher, 30 Stützen, 51 Träger und Binder, 1700 m2 TT-Deckenelemente, 1255 m2 Sandwichplatten und 160 m2 Doppelwandelemente sowie eine Fertigteilstiege mit 7,50 Meter für die Herstellung des Bauwerkes und des 14 Meter langen Schanktisches verwendet. Die Träger sind fischbauchartig ausgeführt und weisen eine Gesamtlänge von 32 Metern auf einschließlich der Auskragung von je fünf Metern an beiden Enden. Die Fertigteilstiege ist freitragend mit einer gevouteten Laufplatte und einer Auskragung von zwei Metern. Die Fertigteilstützen im Bereich der Gastronomie sind geneigt und wurden in dreischaliger Sandwichausführung produziert. Insgesamt wurden 690 Kubikmeter Beton für die Fertigteilkonstruktion benötigt. Die Oberflächen der Sandwichplatten und Doppelwände sind mit einer Strukturmatrize gefertigt. Das Gebäude wird dadurch scheinbar von einem weichen Vorhang eingehüllt. Die geneigte Form im Verkostungs- und Gastronomiebereich lädt die Besucher ein, auf der Terrasse zu verweilen. Im Innenbereich verbindet die freitragende Treppe die Bauteile mit der Lagerhalle und der 14 Meter langen Bar im Erdgeschoss. Die klar strukturierte Gestaltung mit Sichtbeton im Innen- und Außenbereich passt perfekt zur Professionalität des international tätigen Weinbaubetriebes. Die Multifunktionalität des Gebäudes bietet nicht nur verschiedene Nutzungsmöglichkeiten als Lagerhalle und für Events, sondern ermöglicht durch den Werkstoff Beton die optimalen Temperaturen bei der Lagerung von Wein. Bis zu 1.200 Besucher fanden z. B. bei der burgenländischen Weintaufe Platz und genossen die Annehmlichkeiten des Hauses. Die Ausführung aller Stahlbetonfertigteile, der Elemente in Strukturmatrize, der freitragenden Treppe, der Deckenplatten und des X-large Schanktisches lag in den bewährten Händen der Firma Josef Lehner e.U., Amstetten.

 

 

VÖZ
Vereinigung der
Österr. Zementindustrie
T +43 (0)1 714 66 85-23
www.zement.at

 

Quantensprung in der 3D-Drucktechnologie

Vor einiger Zeit konnten ausgewählte Journalisten bei einer interessanten Veranstaltung die neueste Entwicklung von Innovation, Forschung und Technik im 3D-Betondruck erleben. In einem kleinen Raum der OFROOM Innovationsagentur in Wien konnte man live eine Vorführung erleben.

3d Betondruck hirsch

 

Foto:©Baumit

 

Seit ca. drei Jahren befasst sich die Baumit Beteiligungen GmbH intensiv mit der Technik des 3D-Druckens in Beton (architektur berichtete bereits darüber). Von den ersten flachen Mustern über leicht geknickte Betonrohre – bis heute war es ein weiter und schwieriger Weg. Hilfreich dafür war das umfassende, interdisziplinäre Know-how und die langjährige Erfahrung der Firma mit zementgebundenen und beschleunigten Mörteln und Betonen.
Faszinierend war schon, dass eine Industrieanlage in kürzester Zeit in einem (privaten) Veranstaltungsraum verwandelt und in Betrieb genommen werden konnte. Das 500 kg schwere Gerät besteht aus einem Roboterarm mit einer speziellen Druckdüse und einer Mörtelpumpe. Gedruckt werden unterschiedlichste Objekte und Formen – von Designmöbeln, über Vasen und Schalen bis hin zu dreidimensionalen Skulpturen. Die einzelnen Drucksessions dauern ein bis zwei Stunden.

Das System wird unter der Marke ­BauMinator® von Baumit den Kunden als ein einzigartiges Gesamtpaket für den 3D-Druck mit Beton angeboten: Von der Projektplanung und dem Engineering, der Einrichtung der Soft- und Hardware über die Einschulung beim Drucken bis zur Lieferung des Spezialmörtels und zum Support vor Ort. Die Investitionskosten für das Druckpaket starten je nach Größe und Komplexität ab 150.000 Euro.

 

3d betonkorb

Foto:©Baumit

 

Es können Bauteile, Objekte und Formen zwischen 50 cm und 5 Meter Größe gedruckt werden. Ob Betonfertigteile, Wand­elemente, Rohre, Schächte, Zaunelemente, Outdoor-Möbel, Dekor- oder Kunstobjekte – den Möglichkeiten, aus Beton frei geformte Elemente herzustellen, sind kaum Grenzen gesetzt. Einsatzgebiete sind beispielsweise Spezialanfertigungen, bei denen sich eine Schalung nicht rechnet oder gar nicht machbar ist, aber auch Kleinserien. Interessant ist das Drucken mit Beton für alle Unternehmen, die mit Beton, Mörtel oder ähnlichen Materialien arbeiten – vom Baumeister über Fertigteilproduzenten bis hin zum Gartengestalter oder Installationskünstler.

Auf die Frage von architektur an GF Mag. Robert Schmid, ob sein Unternehmen in ein Marktsegment des „printing on demand“ einsteigen wolle, verneinte er jedoch und sagte: „Baumit ist nicht die Druckfabrik der Zukunft, wir bleiben ein Materiallieferant und -hersteller. Das ist unser Fokus. Wir wollen unseren Kunden keine Konkurrenz machen, sondern sie mit der Technologie versorgen.“

 

3d beton rosette

Foto: ©Peter Reischer

 

 

Baumhaus aus Beton – Sun Path House

Was macht ein Architekt, wenn er ein Baumhaus bauen will und kein Baum zur Hand ist? Er baut sich seinen eigenen Baumstamm, der dann auch als Zugang zum Haus benutzt wird. So geschah es auch in Miami Beach, wo Architekt Christian Wassmann das „Sun Path House“ entworfen hat.

Es ist ein dreigeschossiger Zubau zu einem 30er Jahre Bungalow. Ein quadratischer, verglaster Körper sitzt auf einer baumähnlichen Säule, in deren Zentrum eine Stiege hinaufführt. Laut Architekt soll bei dieser Architektur die Sonne das Wohlbefinden und die Gesundheit der Bewohner fördern. Vielleicht ist auch deshalb der Stamm aus Beton in seinem Grundriss von den Kalenderbauten inspiriert und auch nach dem Stand der Sonne ausgerichtet. Um sich nach Norden auszurichten, ist die oberste Ecke der gekrümmten Linie um genau 11,25 Grad gegen die Grundstücksgrenze gedreht. In der Mitte der Wand, im Inneren des quadratischen Schlafzimmers ist die Kurve parallel zum existierenden Haus. Am Boden dreht sich die Wand um 11,25 Grad gegen die Mitte des Gartens. Die Rotationsachse dieser (insgesamt) 22,5 Grad Drehung liegt genau in der Mitte der Wendeltreppe, welche sich um einen Kamin in die Höhe dreht. In dem so entstandenen kontemplativen Raum soll eine Verbindung zwischen Architektur und Kosmos spürbar werden. Am Dach befindet sich noch ein Sonnendeck mit Schwimmbecken, hier bilden die hochgezogenen Wände des „Stammes“ einen perfekten Wind- und Sichtschutz.

 

 

Fotos: ©Lukas Wassmann

 

 

Betonversuche

Experimente führen oft zu Entdeckungen und Innovationen. Das dachten sich die beiden Architekten Seung Teak Lee and Mi Jung Lim vom Büro STPMJ mit Sitz in New York auch. Für einen kleinen Wohnkomplex in Korea experimentierten sie mit verschiedenen Zusammensetzungen und Mischungsverhältnissen des Betons. Heraus kam ein gestreiftes Haus, die Wände sehen wie Stampflehmwände aus, sind aber aus Beton.

Das „Stratum House“ ist der Versuch, mit einer neuen Methode der Betonverarbeitung und des Gießens die geologischen Formationen des Untergrundes zu visualisieren und nachzuahmen. Beton besteht aus Zement, Wasser und den Zuschlagstoffen. Diese drei lassen sich variieren und mit der Zugabe von Pigmenten weiter verändern. So zeigen die verschiedenen Schichtungen des Hauses sowohl die unterschiedlichsten Mischungsverhältnisse der drei Stoffe aber auch die verschiedenen Zeiten, zu denen die Schichten gegossen wurden.

Das Ensemble selbst besteht aus zwei separaten Gebäuden für drei Familien. Es liegt fast wie ein kleines landwirtschaftliches Gut inmitten der Grünflächen. Vor und hinter den Körpern ergeben sich kleine Höfe für die diversen Gemüsebeete, Gärten und Nutzungen. Wohnbereiche sind nach Süd und Ost orientiert, um die Sonneneinstrahlung und die Aussicht zu nutzen. Auf der zweiten Ebene sind Terrassen für unterschiedliche, familiäre Aktivitäten. Alle Bereiche korrespondieren mit der Natur und Umgebung.

 

 

Fotos:©Song Yousub

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Kategorie: Allgemein