Die bunte Welt der Bildung – Ivanhoe Grammar School

4. Juli 2017 Mehr

Ivanhoe Grammar School Senior Years Centre / Doreen / McBride Charles Ryan Pty Ltd.

Nicht umsonst hat Architekt McBride Charles Ryan aus Melbourne, Australien den „WAN Colour in Architecture Award 2016“ für das Projekt „Ivanhoe Grammar Senior Years & Science Centre“ verliehen bekommen. Es ist eine Architektur, die vor Farbe geradezu vibriert und den engagierten Gebrauch dieses Mediums in den Mittelpunkt des Designkonzeptes stellt. Die Jury des Wettbewerbes bestand aus Psychologen, Architekten, Designern und Marketingfachleuten – alle waren sich bei diesem Projekt als Gewinner einig. Die Designphilosophie beinhaltete Farbe als Schlüsselelement und das durchgängig in allen Bereichen der Architektur.

Die Ivanhoe Grammar School ist eine gemischte Schule, die bereits 1920 gegründet wurde. Der weitläufige Campus ist bis heute von einer natürlichen Landschaft markiert, von riesigen roten Eukalyptusbäumen umgeben. Trotz der ständig wachsenden Vorstädte hatte sich die Umgebung ihren natürlichen Charakter erhalten. Der kreisrunde Neubau sitzt genau im Herzen des Campus, die Gebäude um ihn herum haben nur eine eher lose Beziehung zu ihm.

 

Eine Schule, so bunt und voller Farben, dass man hier gerne wieder lernen möchte, hat Architekt McBride Charles Ryan aus Melbourne entworfen. Hier steht die Farbe als Leitmotiv am Anfang des Entwurfes und ist nicht das Produkt einer Gestaltung im Nachhinein. Der zweigeschossige Bau ist außen mit Metallpaneelen und innen mit farbigen Faserzementplatten verkleidet.

 

Das Briefing für den Entwurf der neuen Schule in Doreen, einem Vorort von Melbourne, enthielt eine ganze Reihe von Lernzonen – auch für ältere Studenten und Lehrer – sowie ein Forschungszentrum. Der kreisrunde Entwurf beruht auf dem ursprünglichen, gesamten Masterplan für die Schule. Aber statt das Prinzip des Kreises im Inneren zu wiederholen, benutzten die Architekten geometrische Formen und Farbe, um den zentralen Hof zu definieren, sowie Lichtschächte und Lernzonen. Die scharfen Formen, Ecken und Verschneidungen mit den lebendigen Farben im Inneren schaffen einen strengen Kontrast zur Rundung und den gedämpften Farben der trommel­ähnlichen äußeren Struktur. An den Eingangspunkten ist die Trommelform aufgebrochen, um einen Blick auf die innere Welt der Wissenschaft, der Farben und Lernzonen wiederzugeben. Der überraschende Einblick durch diese Öffnungen ist faszinierend, unerwartet und zieht Besucher wie auch Studierende in die Architektur hinein. Es ist eine Mischung aus zerbrochener Eierschale und einem Kaleidoskop, bei dem immer wieder neue Farbkombinationen, Muster und Anblicke ergeben – eine inspirierende Atmosphäre. Farbe steht hier am Anfang des Entwurfes und nicht erst am Ende der Ausführung.

Der Kontrast, der in dieser Lern- oder Bildungsarchitektur sichtbar wird, entspricht auch dem Konzept einer zeitgemäßen Pädagogik. Die klassische Rundform repräsentiert die Ordnung und Sicherheit des Wissens, während die expressive und komplexe innere Welt des Gebäudes die Unsicherheit des modernen Lebens und des wissenschaftlichen Selbstverständnisses darstellt. Und auch die Notwendigkeiten sich zu wundern sowie die der Imagination, um einen Durchblick zu erhalten. Der Kreis stellt eine gewisse Faszination für jeden Entwurfsprozess dar: Präzise setzt er eine vom Menschen geschaffene Markierung in der Landschaft und die vielen Beispiele in der Menschheitsgeschichte, wie z.B. Stonehenge, beweisen, dass er auch mit der Natur existieren kann, ohne sie zu stören.

Die vom Architekten gewählte Überlagerung mit geometrischen Formen, definiert den zentralen Hof, die Lichtschächte und das verstreut liegende Mosaik der Lernzonen. Diese Geometrie bestimmt auch die Eingänge und Verbindungen mit der Außenwelt. Große Aufmerksamkeit wurde der Gestaltung und Verteilung dieser Lernzonen gewidmet. Schlüsselmerkmale waren die Transparenz in und zwischen den Arealen, räumliche Verschiedenheit, Multifunktionalität, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit dieser Bereiche. Räume für das Lehrpersonal sind überall dazwischen verstreut. Die untere Ebene ist allgemein ein mehrfach zu nutzender Lernraum und auf der oberen Ebene befinden sich hauptsächlich die Forschungseinrichtungen. Überall im Komplex bieten sich Möglichkeiten für informelle Treffen der Studierenden.

 

Die runde Form der Außenhülle mit der gedämpften Farbgebung wird im Innenbereich mit geometrischen Auflösungen und bunten Flächen kontrastiert.

 

Die Gebäudedecken sind aus Stahlbeton, unterstützt durch ebensolche Träger und Stahlsäulen, das Dach ist mit Stahlblech gedeckt. Sämtliche Außenfassaden bestehen aus einer Zink/Aluminiumverkleidung, die Innenfassaden sind mit – in einer breiten Farbauswahl erhältlichen – Faserbetonplatten bedeckt, sie sind graffittiresistent. Aus dem Holz der Corymbia maculata (in Australien als „Spotted Gum“ bezeichnet) bestehen die Verschattungslamellen an der Außenfassade, die Fenster sind aus Aluminium, doppelt verglast und thermisch isoliert. Zwischen den einzelnen Lernzonen findet man akustisch hoch isolierte, verglaste Qualitätstüren.

Der Entwurf der Architektur zielt darauf ab, die Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt verschwimmen zu lassen. Die Lernbereiche sind so konfiguriert, dass Licht und Schatten durch vorgelagerte Gangbereiche maximiert werden. Große, leicht zu bedienende Schiebetüren ermöglichen eine Verbindung zur Natur und reduzieren gleichzeitig die Notwendigkeit einer dauernden Klimatisierung. In den meisten Räumen besteht die Möglichkeit einer Querlüftung. Außen sorgen die vertikalen Lamellen für die Verschattung und die Fenstergrößen der einzelnen Räume passen sich den jeweiligen Funktionen und der Orientierung an. Die Hülle ist stark isoliert, alle verwendeten Materialien sind robust und pflegeleicht.

 

Die vorgelagerten Gangbereiche lassen viel Licht in den Innenraum dringen, bieten den Lernclustern allerdings Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung.

 

 

Ivanhoe Grammar School Senior Years Centre
Doreen, Australien

Bauherr:            Ivanhoe Grammar School – Plenty Campus
Planung:            McBride Charles Ryan Pty Ltd.
Statik:                 McFarlane & Co.

Grundstücksfläche:    2.870 m2
Fertigstellung:             07/2015
Baukosten:                   5,97 Mio. Euro

 

Fotos: ©John Gollings

Text: ©Peter Reischer

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Kategorie: Allgemein, Projekte

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