Kaveh Glass Head Office Building

10. Mai 2016 Mehr

Innere Qualitäten.
Kaveh Glass Head Office Building / Teheran / Amirabbas Aboutalebi

Bunte Box, Schuhschachtel mit Glasfenster, Baukastenexperiment? So der so ähnlich könnte man beim Anblick des neuen Hauptquartiers der Kaveh Glass Industry Group in Teheran/Iran, denken. Damit wäre aber die Qualität und die Intention dieser Architektur von Architekt Amirabbas Aboutalebi vom Büro AAdesign weit unter ihrem wahren Wert beurteilt.

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Kaveh Glass Industry Group ist die Dachorganisation einer der ersten und größten, glaserzeugenden und -verarbeitenden Industrien im Mittleren Osten. Die Produkte reichen von normalem Glasgeschirr bis zu Flachglas, Floatglas und Spezialgläsern sowie deren Verarbeitung. Architekt Amirabbas Aboutalebi wurde mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes für die Firma Darabad-Teheran beauftragt. Die Hauptkriterien waren, mehr Platz zu schaffen und einen leichteren Zugang und Verkehrsfluss für die ungefähr 4.000 Angestellten zu gewährleisten. Das Grundstück zwang das Designteam zu einer linearen Lösung im Grundriss, deshalb lag die Herausforderung in der Architektur darin, nichtmonotone Räume und Bereiche in der rechteckigen Hülle für die Mitarbeiter zu schaffen – denn genau die Monotonie wäre zu erwarten gewesen. Die Kreativität und die Möglichkeiten im Gestaltungsprozess waren von strengen Rahmenbedingungen limitiert: Licht, Farbe und Raum. Naturlicht galt als unentbehrlich für das Design, es bringt schließlich die erwünschte und notwendige psychologische Behaglichkeit für die Nutzer. Man sieht, dass nicht nur im Westen die Diskussion über die Notwendigkeit von Tageslicht statt Kunstlicht stattfindet. Außerdem bedeutet Tageslicht Energieersparnis.

Die gesamte Architektur ist – so einfach sie auch von außen anmutet – auf ein passives Design ausgerichtet. Die Schlüsselelemente sind die Ausrichtung des Hauses am Grundstück in exakter Ost-West-Ausrichtung, eine Vorhangglasfassade aus einem Low-E Glas, Pufferzonen zur Temperaturspeicherung/-ausgleich und eine natürliche Luftzirkulation. Alle Elemente sind miteinander verbunden und erzeugen eine angenehme und gute Luftqualität im Inneren. Aufgrund der Baugesetze gibt es auch eine zusätzliche Klimatisierung über zwei Kühltürme, um bei höchster Belegung und Hitze die Normanforderungen zu erfüllen. Auch diese Anlage wird über ein Niedrigenergiesystem betrieben. Im Herzen des 78,4 x 33,4 Meter messenden, rechteckigen Gebäudes befindet sich ein achteckiges Atrium als Plaza – es erstreckt sich über 9 Geschosse in die Höhe. Auf jeder dritten Ebene ist es – seitlich versetzt – bis zur Längsseite erweitert, und zwar, zwischen Nord und Süd wechselnd. Dadurch entsteht ein im Zick-Zack angeordneter, geschossweise verschränkter Luftraum, in dem die Zirkulation und der Temperaturausgleich wie in einer Pufferzone passieren können. Aus diesem zentralen Atrium wird auch im Winter zusätzlich warme Luft für die anderen Bereiche gewonnen. Ebenso können die Besucher und Nutzer durch Galerien über dieses Atrium auf das Leben in den darunterliegenden Ebenen blicken und auch eine Orientierung über ihren momentanen Standort gewinnen.

Die Längs- und Schmalseiten der Architektur sind mit Tausenden von teils gefärbten, teils klaren oder getönten Glaspaneelen verkleidet. Dazwischen sind immer wieder auch Paneele mit filigranen arabischen Mustern angebracht. Das ergibt im Innenraum, zusammen mit den ebenfalls farbigen Brüstungsgläsern im Atrium, eine unbeschreibliche Stimmung und Lichtvielfalt. Und von außen und in der Nacht wirkt das Gebäude wie eine riesige, beleuchtete Laterne mit bunten Gläsern. Neben dem Naturlicht, welches durch das Atrium und die Außenverglasung einfällt, war auch die Nutzung der Sonnenenergie eine Herausforderung. Durch die Verwendung von 2-Scheiben Low-E-Gläsern konnte durch die äußere Glasschicht ein Transmissionsgrad für Licht von 89% und bei der inneren einer von 100% erreicht werden. Die Transmission für den solaren Eintrag beträgt außen 11% und innen 49%. Von innen nach außen wird die erzeugte Wärme durch die Glasscheiben zu fast 100% in den Raum zurückreflektiert.
Es gibt auch einen beachtlichen Anteil an Energie, der in den anderen Bereichen eingespart wird: 5% bei Heißwasser, 35% bei der Ventilation, 45% bei der Beleuchtung, 45% beim Strom und 35% bei Heizung und Kühlung.

Die Architektur hat eine ausgezeichnete Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die U-Bahn ist nur fünf Minuten fußläufig entfernt, ein Autobus hält direkt vor dem Haus und in den unterirdisch liegenden vier Geschossen sind Tiefgaragen für die Mitarbeiter und Kunden untergebracht. Im Vorbereich des Hauses sind große, alte Bäume erhalten worden, jede Menge neue gepflanzt und die komplette Dachfläche ist als Grünbereich und Garten ausgebildet, um die durch die Bodenversiegelung verlorene Fläche wieder der Natur zurückzugeben.

Kaveh Glass Head Office Building
Teheren, Iran

Bauherr: Kaveh Glass Industry Group
Planung: Amirabbas Aboutalebi
Statik: Arta Engineering Group
Grundstücksfläche: 34.000 m2
Bebaute Fläche: 6.695 m2
Nutzfläche: 28.850 m2
Planungsbeginn: 2011
Bauzeit: 2012 – 2014
Fertigstellung: 2015
Baukosten: 100.000.000 USD

Fotos: ©Parham Taghioff
Text: Peter Reischer

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Kategorie: Allgemein

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