Unter der Erde – Mont-Ras Winery

19. Oktober 2017 Mehr

 

Mont-Ras Winery / Girona / Jorge Vidal und Victor Rahola

 

 

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Die Konstruktion, der Bau eines Weinkellers, ist sehr stark mit dem Land, der Natur und der Tradition verbunden. Wein ist Geruch, Farbe, Geschmack, Form und Gefühl. Die Kellergassen im Weinviertel in Österreich zeigen das ganz deutlich. Nur wird die Weinproduktion immer mehr, in quasi industrielle und halbindustrielle Bereiche verlagert – viele Kellereien in Österreich, aber auch im Ausland geben eine eindeutige Auskunft darüber. Aber es gibt auch kleine Kellereien und Weingüter, die sich nicht der Massenproduktion, sondern einer Qualität und Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen (was nicht heißen soll, das Großkellereien nicht auch Qualität produzieren). Aber im Kleinen ist es eben überschaubarer und auch leichter zu realisieren. Es ist hier sozusagen eine architektonische Nische entstanden, in der kreative Architekten sehr feine, sensible und überlegte Projekte realisieren.

 

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Ein einfacher, funktionaler, rechteckiger Grundriss, eine einzige Fassade in Richtung Weingärten – so präsentiert sich die Mont-Ras Winery in Girona, Spanien, entworfen von den beiden Architekten Jorge Vidal und Victor Rahola.

 

Ein solches Schmuckstück ist der Weinkeller eines privaten Auftraggebers, den die Architekten Jorge Vidal und Victor Rahola in Girona, Spanien entworfen und realisiert haben. Die Planer gingen bei der Mont-Ras Winery von folgenden Überlegungen aus: Es müssen alle Sinne und Wahrnehmungen für den Ort der Kellerei passen, sie müssen den Transformationsprozess – nicht nur von der Traube zum Wein, sondern auch in der Entstehung der architektonischen Form – unterstützen.

Um die Temperatur und den Kühleffekt des Erdreiches zu nutzen, haben die Architekten das nötige Volumen in die Erde eingegraben. Sie benutzten dazu eine leichte Hanglage des Grundstückes. So wird einerseits eine ideale Bedingung für die Produktion und Lagerung geschaffen, andererseits entstand eine begrünte Ebene, die der Gartenfläche des Privathauses zugutekommt. Diese Fläche dient auch der Wasserrückhaltung, um die Regenabwasserleitungen zu minimieren. Die nur an den vorderen Ecken sichtbaren, aus Ziegeln gemauerten Außenwände des Kellers fügen sich Ton in Ton gut in das Erdreich und die Landschaft ein.

 

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In diesen Räumen spürt man beides: Masse und Material. Die Reduktion und Einfachheit der Kon­struktion und der Baustoffe verstärken einander.

 

Der rechteckige Grundriss des Kellers ist von den ganz genau festgelegten Notwendigkeiten der Weinproduktion und deren funktionalen Abläufen bestimmt. Für die Herstellung des Weines stehen vier parallele Hauptbereiche zur Verfügung, drei Nebenbereiche befinden sich als Puffer dazwischen. Diese dienen als Serviceräume, Nebenräume und Lagerflächen. Die Hauptbereiche sind tonnenförmige, hohe, schlauchähnliche Räume, welche an ihrem hinteren, im Erdreich liegenden Ende durch halbkreisförmige Lichtschächte von oben belichtet und belüftet werden. Die Länge der Räume sorgt für eine Schallreduktion, Schatten, Kühlung und das Gefühl einer großzügigen Leere. Mit ihrem gestrichenen Betonestrich, den Stahlbetonkappen und den mittig gelegenen Entwässerungsrinnen vermitteln sie den Eindruck von Sauberkeit und Professionalität. Das Motiv der halbkreisförmigen Ausbuchtung findet sich auch an den beiden Außenwänden wieder, hier sind die Rundungen mit Ziegeln ausgekleidet und teilweise auch von oben belichtet.

 

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Der erste Hauptraum von rechts außen gesehen, liegt neben den Labors und Kühlanlagen – er ist für die landwirtschaftlichen Geräte und Werkzeuge vorgesehen. Der zweite wird für all die Fässer, die für die „Mosto Vino“, den frisch gepressten Wein notwendig sind, verwendet. Im Dritten befinden sich alle Fässer und Flaschen, die ruhen müssen. Der letzte und vierte Bereich ist der Raum für das Verkosten, Besichtigungen und die Lagerung der fertigen Flaschen für den Verkauf. In diesem Degustationsraum befindet sich ein raumhohes Regal, aus Ziegeln gemauert und zum Raum hin mit einer Glasscheibe abgeschlossen. Hinter der Scheibe lagern in den Fächern die Flaschen, können von hinten entnommen und zur Verkostung oder zum Verkauf angeboten werde. Ein in der Gebäudemitte gelegener Korridor erschließt und verbindet alle Räume. Mit großen, rechteckigen Schiebetoren aus Holz lassen sich die vier Tonnen gegen die Außenwelt verschließen. Der obere Teil, eine bogenförmige Öffnung, ist durch auf einer Mittelachse gelagerten, ebenfalls bogenförmigen Holzläden zu schließen. Sie dienen auch zum Zweck der Querlüftung. Zwischen den einzelnen Tonnen wird das Regenwasser an der Außenfassade in Sickerschächte abgeleitet.

Ein Tunnel, der über Stiegen von oben, vom Landhaus herunterführt, organisiert den Zugang für die Besitzer. Er endet im hinteren Teil des Verkostungsraumes. Alle anderen Räume sind direkt von vorne, von den Weingärten aus zu beliefern und zu betreten.

 

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Mont-Ras Winery
Girona, Spanien

Bauherr:        Privat
Planung:        Jorge Vidal und Victor Rahola
Statik:             BAC Engineering Consultancy Group

Bebaute Fläche:    573 m2
Fertigstellung:    2015

 

Mont Ras Winery

Plan Mont Ras Winery

 

Fotos: ©Jose Hevia

Text: ©Peter Reischer

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Kategorie: Allgemein, Projekte

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