Wie arbeiten wir morgen?

2. November 2016 Mehr

Sowohl Wissenschaftler als auch Politiker, Soziologen und Wirtschaftsvertreter sind sich einig: Nichts wird so bleiben wie es ist, ein Wandel kommt und die Status-quo-Sicherung ist schädlich. Doch wo wird die Entwicklung hingehen? Ein bedeutender Personaler prophezeit zum Beispiel, dass Mitarbeiter ab 2023 „Unternehmensbürger“ sein werden, die Führungskräfte wählen oder abwählen werden. Echte, demokratische Willensbildung und Entscheidungsprozesse werden sich auch bei wichtigen Geschäftsthemen etablieren. Und Diversität wird ein Leitbegriff für die Arbeitswelt von morgen.

©Prime Ministers office

Eine Bestandsaufnahme der heutigen Arbeitswelt durch das Forschungsinstitut Center of Technology and Innovative Management (CeTIM) und ein Trendreport des Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in der Schweiz befassen sich ebenfalls mit der Arbeit der Zukunft, dem Wandel und wie ihn Unternehmen für sich positiv nutzen können. Arbeitszeit und Freizeit lassen sich nicht mehr klar voneinander trennen. Der Begriff „always-on“ ist ein Synonym für die Erwerbstätigen von morgen, die immer arbeitsfähig und auch -willig sind. „Workstyle“ hält Einzug in den Lifestyle, indem der Arbeitsplatz alles andere als nur ein Ort zum Arbeiten bleibt, sondern gleichzeitig komfortable und stylishe Rückzugsorte bereithält. Statt herkömmlicher Kantinen und Cafeterien wird es zukünftig loungeartige Zentren für Entspannung und Kommunikation geben. Business und Leisure werden zu „Bleisure“ miteinander verschmolzen. Hierarchische Strukturen verwischen sich. Vorgesetzte und Mitarbeitende werden zu „Anbietern von Aufgaben“ und „Anbietern von Wissen, Erfahrung und Kompetenzen“. Die Rentner von morgen glänzen neben ihrer Aktivität auch durch einen tiefen Erfahrungs- und Wissensschatz, den sich Unternehmen durch flexible Arbeitszeitmodelle zu nutzen machen können.

1) In Stuttgart ist neben dem „alten“ Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) ein neuer Komplex um rund 14 Millionen Euro entstanden: das Zentrum für Virtuelles Engineering (ZVE). Hier beginnt die Arbeit im digitalen Zeitalter in einem hellen, leichten, angenehmen Büro mit entspannt wirkenden, gut gelaunten Mitarbeitern. Hier haben die IAO-Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse der letzten Jahre in die Realität gebracht.

©Fraunhofer IAO

Das ZVE ist einerseits ein riesiger Showroom, durch den ständig neugierige Zuschauer und Besucher geführt werden, aber auch der Arbeitsplatz für mehr als hundert Wissenschaftler und Studenten, die hier ihren Projekten nachgehen. Auf jeden Fall sicherlich eines der modernsten Bürogebäude Deutschlands. Im „Urban living lab“ zeigen die Wissenschaftler, was uns in den kommenden Jahren noch alles erwartet. Das Konzept beruht auf der „digitalen Aura“, etwas, das heute schon viele Menschen mit sich herumtragen: digital vernetzte Brillen, Smartwatches, Tablets und Smartphones etc. Diese digitale Aura sagt modernen Maschinen beim Erscheinen des Trägers, wer wir sind und was wir mögen. Zimmer passen dann die Beleuchtung an unsere Lieblingsfarben an und möglicherweise riecht es auf einmal anders und Musik ertönt.

©Fraunhofer IAO

Trotz zunehmender Mobilität des Büros oder im Büro (siehe Desksharing) wird im ZVE an ständig neuen Produkten geforscht. Etwa am „Inteli-Desk“, einem modernen Tisch mit einem Ampelsystem: Grünes Licht bedeutet: ansprechbar, Rot dagegen: beschäftigt. Spezialisten für Lichttechnik entwickeln eine Arbeitsbeleuchtung, die sich dem wandernden Tageslicht anpasst und damit dem Biorhythmus der Mitarbeiter, um Produktivität zu fördern. Ein anderer Tisch lässt sich wie ein riesiges Touchpad bedienen: Man kann Word- und Excel-Dateien öffnen und locker zum Nachbarn rüberwischen. Und im Labor für „Virtual Reality“ lassen sich mit einer 3D-Brille faszinierende Ausflüge durch Stuttgarter Immobilien machen.

2) Mit einem spannenden Auftrag in Dubai ist auch ein österreichischer Büromöbelhersteller unterwegs. Er wird auf Einladung des Dubai Government das erste Bürogebäude der Welt im 3D-Druckverfahren mit innovativen Möbeln und einem zukunftsorientierten Innovationsraum, dem IDEA LAB, ausstatten. Das „Office of the Future“ wurde im Frühjahr 2016 eröffnet und ist als Projekt Teil einer umfassenden Strategie, die innovative Lösungen auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorstellt. Das Design von Raum und Einrichtung orientiert sich an den Anforderungen der Arbeitswelt von morgen. Der Raum ist offen und flexibel angelegt und für eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten und Teamgrößen geeignet. Durch eine Mischung aus öffentlichen und privaten Veranstaltungen sollen sich die Gebäude zu einem kulturellen Zentrum in der Region der Emirate etablieren.

©Bene GmbH

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Kategorie: Allgemein, News