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Durch Recycling Neues schaffen |
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Wohnungen und Bauernhaus Nathalie Kröll/Tirol Planung: Martin Feiersinger
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Recycling ist nicht nur eine Weiterverwendung von existierenden Ressourcen aufgrund von kostengünstigerem nachhaltigen und umweltbewussten Verhaltens, mit Recycling können auch ästhetische Maßstäbe gesetzt werden. Ein an ein traditionelles Tiroler Bauernhaus angrenzendes neugebautes Wohnhaus beweist mit seiner wiederverwendeten holzverschalten Fassade, dass alte angewitterte Patina einen Neubau gut bekleidet. Das alte unbehandelte Holz einer abgetragenen Scheune und eines aufgelassenen Stadels fügen sich, als neues Fassadenkleid für einen Wohnbau umgearbeitet, nahtlos ohne Bruch und Zeitsprung in den alten Ortskern des Dorfes ein. Die lebhafte, dunkle Oberfläche der Außenhaut des Gebäudes tritt nicht in Konkurrenz mit seinen Nachbarn, sondern nimmt auf, was das Charakteristische des Ortsbildes ausmacht. Inspirierende Zusammenarbeit von Bauherrin und Architekt Martin Feiersinger ist ein in Wien tätiger, aber aus Tirol stammender Architekt. Nathalie Knöll lebt und arbeitet in Tirol, und sie ist die Bauherrin des beschriebenen Projektes. Nicht nur das Herkunftsland haben die beiden gemein, sondern auch die Liebe zu einem alten, fast schon dem Abriss geweihten traditionellen Bauernhof samt Zubau. Die Bauherrin, die den von den Großeltern ererbten Hof als wichtigen Bezugspunkt und Lieblingsort ihrer Kindheit bezeichnet, entschloss sich für einen behutsamen Umbau des Altbestandes und einen Neubau nebenan mit einem Architekten. Nathalie Knöll legte bei der Wahl der Materialien Wert auf Qualität, so wurde oftmals zur teureren Lösung gegriffen, die jedoch solider und formschöner waren. Mit Fingerspitzengefühl unterwarf Martin Feiersinger, der Architekt, die Bausubstanz einer Generalsanierung und schuf mit dem Annexbau ein stimmiges Ensemble. Dieses Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Architekt und Bauherr in müheloser Symbiose eine Idee gemeinsam verwirklichen können, um gemeinsam die Landschaft mit einem beachtenswerten Stück Architektur zu bereichern. Ort und Eingriff
Kurz vor Mayrhofen, im hinteren Zillertal in Tirol, befindet sich der malerische kleine Ort Ramsau, dessen Erscheinungsbild von den traditionellen, dunkel verwitterten Holzbauernhäusern und Stadeln geprägt ist. Rund 1.400 Seelen bewohnen die Ortschaft, zumeist alte, über Jahrhunderte bewährte Bauformen erstrecken sich entlang der drei Hauptstraßen des Ortskerns. Mitten drin, unweit der Dorfkirche, liegt der 1885 erbaute Brizerhof mit seinem ehemals als Wirtschaftsgebäude und Stall genutzten Nebengebäude. Haupthaus und Nebengebäude zeichnen sich durch ihre ausladenden, flachen Satteldächer und den zimmermannsmäßigen Umgang mit dem Material Holz aus. Sensibel wurde der Altbestand des Bauernhofes innen und außen renoviert und an die Stelle des Stalls ein Wohngebäude gesetzt. Der von außen sichtbare Eingriff am ehemaligen Bauernhaus besteht aus dem beinahe denkmalpflegerischen Rückbau im Bereich des Obergeschoßes. Die Blockwand wurde von der Putzschicht aus der Zwischenkriegszeit befreit. Die Fenster und Türen wurden nach altem Vorbild vom Tischler nachgebaut und ersetzt. Auch die typischen schmalen Balkone wurden nach traditionellen Bildern saniert. Beträchtlich waren auch die unsichtbaren Eingriffe. Das Gebäude musste unterfangen und neu fundiert werden, die Erdgeschoßwände und Decke wurden an derselben Stelle neu aufgestellt. Die mit 45° extrem steile einläufige Stiege wurde durch eine flachere Treppe desselben Typus ersetzt. Grundriss und äußeres Erscheinungsbild
Nicht umsonst haben sich manche Grundrisslösungen über Jahrhunderte gehalten, ohne in ihrer Funktionalität Einbußen zu verzeichnen. Selbst wenn das soziale Gefüge sich mit der Zeit verändert, die Anzahl der Bewohner variiert und der Anspruch an den Platzbedarf pro Person gestiegen ist, funktionieren diese wie selbstverständlich und wirken so, als ob sie just für die vorgefundenen Umstände zugeschnitten sind. Dem ist auch so beim Bauernhaus von Nathalie Kröll in Ramsau. Die junge Frau bewohnt seit Dezember 2004 zusammen mit ihrem Freund die 230 m2 große Nutzfläche des großelterlichen Hofes, der in seiner räumlichen Aufteilung einzig im Dachgeschoß verändert wurde. Im Dachraum wurde Wert auf Großzügigkeit gelegt. Die so entstandene Wohnhalle wird einzig durch die Kaminmauern gegliedert und bietet sonst einen großen freien Raum. In den beiden unteren Geschoßen zieht sich die für die Region typische Bauernhofform mit ihrer symmetrisch angeordneten Dreiteilung – zentraler, schmaler Eingangsbereich mit einläufiger Hauptstiege, von dem links und rechts die Haupträume (Stube, Küche, Zimmer) zu erschließen sind – durch. Massive geölte Lärchenböden ziehen sich durch das gesamte Haus. Sämtliche Wirtschaftsräume wie Waschküche, Haustechnikraum und Müllraum wurden in den benachbarten, nicht unterkellerten Neubau, der in Massivbauweise ausgeführt wurde, verlegt. Da die Bauherrin sich ungern in Kellerräumen aufhält, wurden diese gemeinschaftlich zu nutzenden Einrichtungen im Erdgeschoß als Bindeglied zwischen Altbestand und Neubau positioniert. Das neue Wohnhaus bietet Platz für vier Mietwohnungen, wobei drei davon sehr großzügig dimensioniert sind. In seiner Positionierung und den Proportionen entspricht das neue Gebäude denen des abgerissenen Stalls. Lange und viele Diskussionen mussten geführt werden, um den nur einen Meter breiten Abstand zur Straße (statt der vorgeschriebenen vier Meter) durchzusetzen. Ein Referent der Abteilung Dorferneuerung in der Landesregierung stimmte schließlich dem durch die Dichte im Ortskern begründeten Vorschlag des Architekten zu. Um die geschlossene Wirkung des Baukörpers zu verstärken, wurden die Loggien im Obergeschoß und Dachgeschoß nach innen gestülpt. Durch Schiebeelemente vor den Fenstern wird ein variables Fassadenbild auf allen vier Ansichtsseiten zugelassen. Preise
Auf den ersten Blick und bei oberflächlicher Betrachtung im Vorbeigehen mögen die Eingriffe und Veränderungen an der Bausubstanz kaum merklich sein. Umso verblüffender ist die Wirkung beim genaueren Hinschauen. Einfache Fassadenlösungen, die in Anlehnung an die abgerissene Scheune weiterentwickelt wurden, wecken das Interesse und machen neugierig. Der Architekt Martin Feiersinger ist selbst verblüfft, welche Wirkung ein nicht auf Wirkung und Show abzielendes Gebäude erzielen kann. Seit der Fertigstellung flattern die Preise ins Haus. So wurde das Ensemble mit dem Bauherrenpreis 2004, der von der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs vergeben wird, und mit dem 3. Preis in der Kategorie Wohnbau des belgischen Architekturpreis Archi-Europe ausgezeichnet. Es gilt also abzuwarten, wem aus der Fachwelt dieses Gebäude wohl noch – auf den ersten oder zweiten Blick – ins Auge sticht!
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 1/05.
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Wohnungen und Bauernhaus Ramsau/Tirol |
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| Bauherr: | Nathalie Kröll |
| Planung: |
Martin Feiersinger, Wien |
| Grundstücksfläche: | 973 m2 |
| Bebaute Fläche: |
Renovierung: 129 m2 Neubau: 203 m2 |
| Umbauter Raum: |
Renovierung: 830 m3 Neubau: 1.657 m3 |
| Planungsbeginn: | 2002 |
| Bauzeit: | 14 Monate |
| Fertigstellung: | 2004 |
| Fotos: | Werner Feiersinger |
| Text: | Katharina Tielsch |
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