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Aus 1 mach 2 |
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Nachverdichtung
als Folge einer Testamentsbestimmung Planung: synn architekten: Bettina Krauk, Michael Neumann, Barbara Urban
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Der Genuss zu erben zieht zumeist Konsequenzen nach sich. Im Falle des gezeigten Einfamilienhauses aus den 1940er-Jahren führten diese zu einem Zu- und Umbau. Die Investitionen, allen voran die in die Architekten, haben sich in jedem Fall gelohnt und zu einem modernen, zeitgemäßen Erscheinungsbild geführt. Als die Erstbesitzer des Hauses verstarben, wurde es an zwei nichtverwandte Einzelperson vererbt. Beide Erben beschlossen, die ihnen zustehenden Flächen auch zum Wohnen zu benutzen. So wurden das Grundstück, sowie die Kellerfläche, vermessen und zweigeteilt und das Gebäude quadratmetergerecht horizontal in Erdgeschoß und Obergeschoß gegliedert. Das Obergeschoß wurde an eine vierköpfige Familie vermietet. Da aber nur als Einfamilienhaus mit nur einer Eingangstüre und einem Stiegenaufgang konzipiert, erwies sich die interne Aufteilung nach Stockwerken bald als schwierig, und so entschied die im Erdgeschoß und damit im Durchgangsbereich lebende Erbin bald, dass dieser Situation mit einem Umbau Abhilfe geleistet werden müsse. Dem “Durchhausleben” überdrüssig wendete sie sich an das junge Architektenteam synn architekten, die binnen kürzester Zeit mit einer größer als gedacht ausgefallenen Intervention zu einer sowohl für die Bauherrin als auch der Ästhetik des Hauses höchst zufrieden stellenden Lösung gelangten. Gleich das erste Arbeitsmodell der Architekten wurde von der Bauherrin und ihrem beratenden Neffen befürwortet. In der weiteren Planungsphase wurden die Proportionen des vorgeschlagenen Zubaus kaum verändert. Durch Nachverdichtung finden sich heute im Wiener Stadtteil Mauer auf dem Grundstück des Einfamilienhauses zwei Wohneinheiten, welche durch Orientierung und Aufteilung genügend Lebensraum und eine Menge Privatraum bieten. Bewusst wurde der Zubau neben das bestehende Gebäude gestellt. Ähnlich einer Schiffsschraube windet sich der in Holzbauweise ausgeführte Neubau um den Altbau. Diese Drehung verleiht dem Gebäude einen dynamischen Eindruck und stellt einen Bezug zum Bestand dar. “Bewegung” wird auch durch die Positionierung der Verglasung erzeugt, im Kontinuum beginnt diese beim Garten, zieht sich zum Eingang, über die Stiege hinauf, ums Haus herum und endet im auskragenden Schlafzimmer im Obergeschoß. Gemeinschaftlich genutzt wird im Neubau lediglich der Vorraum mit Kellerabgang, von dem man auch ein WC mit Dusche erreicht. Sämtliche vorhandenen Stiegen wurden entfernt und durch eine außen liegende Erschließung für die Obergeschoßwohnung und eine Treppe für den Zubau und den Keller ersetzt. Die Verlagerung der Erschließung schafft mehr Platz in beiden Geschoßen des Altbaus. Im Erdgeschoß wurde zudem eine nicht tragende Zwischenwand sowie das zentral gelegene Badezimmer entfernt und so ein großzügiger Wohnraum mit Fenstern nach Osten und einer großen Balkontüre nach Westen geschaffen. Der zweigeschoßige Zubau ist zur Gänze unterkellert. Dieser Keller dient der naturverbundenen, gärtnernden Bauherrin als Einlagerungsraum zum Überwintern ihrer Pflanzen. Die Etage auf Gartenniveau bietet Platz für einen Wintergarten und einen Abstellraum. Die Beschattung ergibt sich durch das darüber liegende Schlafzimmer, das auch einen Teil der Terrasse überdacht. Vom Wintergarten betritt man diesen nach Süden orientierten Freiraum, dessen Bodenbelag aus dem schönen Tropenholz Bankhirai besteht. Die Freifläche aus Holz schmiegt sich an jene Seite des Altbaus, wo es keine Fensteröffnungen aus dem Obergeschoß gibt. Für die Bauherrin ergibt sich hier ein intimer Bereich, geschützt vom Schatten der umgebenden Bäume, der jedoch nicht der einzige ist. Auf dem Dach des Zubaus wurde eine Sonnenterrasse geschaffen, die man über eine Leiter erklimmen kann. Rund um die Uhr kann man sich hier in absoluter Uneinsichtigkeit an der Sonne erfreuen. Einem nackten Sonnenbad steht hier nichts im Wege! Der großzügige Vorraum, von der eine einfach gewendelte Treppe aus Nussholz nach oben führt, zeichnet sich durch die doppelte Raumhöhe, seine Helligkeit aufgrund der großzügigen Überkopfverglasungen und einem herrlichen Blick auf die hohen Bäume im Osten aus. Die von den Architekten konzipierten Bücherregale im Stiegenbereich stellen eine Verbindung zum Badezimmer her. Die Brüstung zum Luftraum hin ist gleichzeitig ein Möblierungselement und dient als Regal. Das Schlafzimmer im Obergeschoß öffnet sich mit einer großen Verglasung über Eck zum Garten und gibt den Blick frei auf die hohen Bäume des altgewachsenen, eigenen Gartenteils. Für den Neubau wurden nur drei alte Fichten gefällt, die 1:1 wieder gepflanzt wurden. Das Konzept der Architekten war es, dass sich der Neubau vom Altbau abheben sollte, und so wurden sich spiralförmig von unten nach oben windende Kupferbänder mit ihrer glatten Oberfläche auf einem rau verputzten Sockel eingesetzt. Das Material selbst ist günstiger als andere Fassadenplatten, ebenso auch die Verlegearbeit. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn das Obergeschoß im Zuge des Umbaus durch wenige bauliche Eingriffe für die Mieter verbessert worden wäre. So drängt sich die dort lebende vierköpfige Familie auf einer verwinkelten, nicht durchdachten Restfläche. Diese Nachverdichtung der Architektengruppe synn Architekten möge Vorbildfunktion für die vielen freistehenden Einfamilienhäuser mit ähnlichem “Erbschicksal” haben und Nachahmung finden. Die Arbeit zeigt, dass vorhandener Altbestand mit geringen neuen baulichen Maßnahmen an neue Lebenssituationen angepasst werden kann. Altes und Neues stehen unmittelbar nebeneinander und ergänzen sich funktional, ohne ihre Entstehungszeit zu negieren.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 1/05.
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Zu- und Umbau eines Einfamilienhauses
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| Planung: |
synn architekten, Bettina Krauk, Michael Neumann, Barbara Urban |
| Mitarbeit: | Mareike Flesch, Petra Riegler |
| Statik: | Peter Spitzer |
| Konsulenten: | Bau KG: Weidlinger |
| Fußboden- u. Wandheizung: | REHAU |
| Grundstücksfläche: | 482 m2 |
| Nutzfläche: | 257,48 m2 |
| Bebaute Fläche: | 153 m2 |
| Umbauter Raum: | 342 m3 (Zubau) |
| Planungsbeginn: | März 2003 |
| Bauzeit: | 10 Monate |
| Fertigstellung: | Oktober 2004 |
| Fotos: |
haiden
& baumann: Alex Haiden Archiv Architekten |
| Text: | Katharina Tielsch |
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