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Musikschule Passail |
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Zubau an eine Hauptschule aus den 1970er-Jahren, Passail/A Planung: Reinhold Tinchon
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Passail, eine kleine steirische Landgemeinde zwischen Frohnleiten und Weiz, hat keinen neuen Baukörper, sondern einen baulichen Klangkörper erhalten. Die bestehende Hauptschule aus den 1970er-Jahren wurde mit einer neuen Musikschule liiert. Die beiden Partner sind vom Charakter höchst unterschiedlich und passen dennoch bestens zusammen. Der eine, ältere, ist ein stämmiger Typ, sehr bodenständig und rational. Ein Gebäude, das an die Pflicht im Leben erinnert, sagt Architekt Tinchon. Ein typischer Pflichtschulbau, wie er zu seiner Zeit an vielen Orten entstanden ist. Die neue Dame an seiner Seite hängt fest in seinem Arm, steht nicht wie üblich klar abgesetzt daneben, möglichst nur durch einen Glasteil verbunden. Die enge Verschränkung ist gewagt, sie erfordert viel Einfühlvermögen und Akzeptanz. Wohl auch eine Bereitschaft, die Dinge so zu nehmen wie sie sind und das Beste daraus zu machen. Auf diese Weise konnte etwas Einmaliges entstehen. Das Erscheinungsbild der alten Schule wurde grafisch aufgefasst und wie ein 3-dimensionales Bild weiter komponiert. Eine gewisse Dissonanz, wie im Jazz, ist beabsichtigt. Es wäre nahe liegend gewesen, den Zubau im bestehenden Muster weiter zu stricken. Doch die junge Dame ist ein anderer Typ mit anderem Inhalt, und dazu steht sie auch. Sie ist mit Musik erfüllt, beschwingt, vom Boden abgehoben. Sie repräsentiert die Kür, die Freizeit, die Kreativität, die Kultur und das Vergnügen. Der ältere Herr ist überwiegend grau gekleidet und rot-weiß “herausgeputzt”. Der junge Zubau verwendet die selben Farben, aber anders verteilt. Die “Schmuckfarben” Rot und Weiß überwiegen, das dunkle Grau tritt in den Hintergrund. Ein mit rötlichem Holz verkleideter Kubus lagert wie schwebend auf einem gläsernen Sockel, der in den bestehenden Hang geschoben ist. Was man auf den Bildern nicht sofort erkennen, aber spüren kann, ist, dass der rötliche Kubus in mehreren Richtungen schräg “verformt” ist. Wie eine Ziehharmonika oder als wäre er durch die Musik in Schwung gesetzt. Schallwellen setzen sich fort, und so hat diese Architektur kein “Ende”, sondern greift weit in die Landschaft hinaus. Damit das relativ kleine Gebäude nicht im vorhandenen Geländegraben versinkt, tanzt es optisch auf allen Seiten über den Hang hinaus. Aus der Geländetiefe führt ein Fußgehersteg in die Höhe, von einem schwungvollen Flugdach begleitet. Das Dach führt bis zur Bushaltestelle, von wo die Kinder sozusagen vom Gebäude abgeholt werden. Von dort können sie die Treppen hinunter laufen und sich auf dem Schulvorplatz einfinden. Dieser Platz ist zugleich eine Arena, denn in den terrassierten Hang wurden breite Sitzreihen eingelassen. Eine Bühne für das alltägliche “Theater”, ein schöner Pausenhof und auch ein idealer Bolzplatz für die pubertierenden Kinder. Und nicht zuletzt eine elegante Freiluftarena für konzertante Aufführungen. Das Musiker-Ensemble kann witterungsgeschützt im dahinter liegenden Musikraum aufgebaut werden, der genau in der Achse der Arena liegt und mittels Faltschiebewänden vollständig nach außen zu öffnen ist. Die optische Verschränkung der Gebäude hat auch einen funktionellen Hintergrund. Die Schulen teilen sich außer dem Musikraum auch das Foyer, die Garderoben und die Sanitäranlagen. Die kleinen Musikunterrichtszimmer werden von der Hauptschule auch als Seminarräume genutzt. Und das Kernstück der Musikschule, der Konzertsaal, eignet sich auch als Festsaal und für Filmvorführungen. Als Klammer zwischen den Schulen dient neben dem Foyer eine kleine Box, wo der Schulwart seinen Platz hat. Diese Klammer ist ein wichtiger Teil des grafischen Gesamtkonzeptes, das sich aus weißen, rötlichen und dunkelgrauen Elementen zusammensetzt. Das Schriftfeld über dem Eingang verdeutlicht, wie mit den Formen umgegangen wurde. Es ist ein Spiel mit den vorhandenen und neuen Mustern sowie mit der Perspektive. Alt und neu werden zu einem Bild verschmolzen, das eine zusätzliche verbindende Wirkung entfaltet, indem das grafische Schmelzprodukt zur Corporate Identity erhoben wird und multipliziert in Erscheinung tritt. Praktisch besteht das Feld aus einem bedruckten Kunststoffnetz, das einen halben Meter vor der Fassade des Altbaues aufgespannt ist. Dahinter verbergen sich die Fenster der Sanitäranlagen, die nicht befriedigend aussahen und daher verdeckt wurden. Das Netz kann gegebenenfalls ausgetauscht werden und auf diese Weise das Logo des Schul-Duos unaufwändig modernisiert werden. Im Grundriss ging es den Planern darum, den neuen Zubau aus der Achse der alten Schule zu rücken, um einen gut nutzbaren Vorplatz zu erhalten und die achsiale Gesamterschließung zu betonen. Die Musikschule ist vom gemeinsamen Foyer aus erreichbar und hat außerdem von der erhöhten Straße aus über eine kleine Brücke einen Zugang ins Obergeschoß, der zugleich ein Behinderteneingang ist. Im Obergeschoß befinden sich neben dem Luftraum des Konzertsaales, der durch eine gefaltete Glaswand mit dem Gang verbunden ist und von oben eingesehen werden kann, 5 Musikunterrichtsräume. Der Gang ist an den Stirnseiten belichtet, erhält aber auch indirektes Licht über den Saal. Das Erdgeschoß wird vom ca. 200 m2 großen Musiksaal dominiert. Er hat ein ebenes Parkett und eine erhöhte Bühne. Der Klavierraum liegt niveaugleich mit der Bühne, sodass der Flügel leicht hin und her geschoben werden kann. Der Saal gibt sich edel und feierlich mit einem sehr hell eingelassenen Eichenfußboden, anthrazitfarbenen Rückwänden, einer rötlich gefalteten Akustikwand und einer großen weißen “Schleppe”, die sich von vorne bis hinten über die Decke spannt. Die gewellte “Schleppe” fasst den Raum optisch zusammen und wirkt auch ein bisschen wie eine schmückende Drapierung im Raum. Die Wellenform ergab sich rein rechnerisch aus dem optimalen Schallverlauf. Um die Sache perfekt zu machen, wird die Welle im hinteren Bereich von einem weißen Vorhang ergänzt, der im zugezogenen Zustand den weißen Bogen bis zum Fußboden schließt. Die Farbe des Gestühls ist genau auf die Farbe der rötlichen Faltwand abgestimmt. Belichtung und Belüftung erfolgen auf natürliche Weise über die öffenbaren Fenster. Trotz der wenigen Gestaltungsmittel und der hohen Funktionalität wirkt der Raum alles andere als nüchtern oder emotionslos, sondern fast zu schön für wilde, halbwüchsige Kinder. Die verwendeten Materialien sind konventionell, die Tragwände aus Stahlbeton, die Trennwände aus Schallschutzkonstruktionen, die Portalbauten aus Alu und die Fassadenverkleidungen aus lackiertem Sperrholz. Die Überdachung des Steges besteht aus gebogenem Leimholz und ist mit einer hellen Folie gedeckt. Das Dach der Musikschule, das wie ein Flachdach aussieht, ist ein Schrägdach, weil der Kubus geneigt ist und die Traufe daher ungleich hoch ist. Entsprechend dieser Neigung sind die Verkleidungselemente aus Sperrholz alle schräg zugeschnitten. Sie sind außerdem überlappend angeordnet, sodass ein konischer Gebäudeumriss entsteht. Das Dachsubstrat ist perfektionistisch in rötlichem Ton gewählt. Nicht nur die Hauptschule, sondern Passail samt Umland wurde um eine Dimension bereichert.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 1/05.
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Musikschule Passail A-8162 Passail 274 |
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| Bauherr: | Marktgemeinde Passail |
| Planung: |
Reinhold Tinchon |
| Projektleitung: | Matthias Kahlert |
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Mitarbeiter: |
Armin Ibounigg |
| Projektsteuerung: | Ing. Büro Fruhmann + Partner GesmbH, Graz |
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Mitarbeiter: |
Manfred Kundigraber |
| ÖBAU und Baustellenkoordination: |
Franz Hausleitner, Weiz |
| Statik & Akustik: | Michael Vatter, Gleisdorf |
| Grundstücksfläche: | 750 m2 |
| Bebaute Fläche: | 625 m2 |
| Umbauter Raum: | 3.921 m3 |
| Planungsbeginn: | September 2002 |
| Bauzeit: | Juli 2003 bis September 2004 |
| Fertigstellung: | Eröffnung am 17. September 2004 |
| Fotos: | Irmgard Brottrager |
| Text: | Paul Ott |
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