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Ein Kribbeln im Bauch |
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Juwelier Mayrhofer, Linz/A Planung: x architekten, Linz-Wien/A
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Juwelier Mayrhofer liegt am Linzer Hauptplatz, Ecke Klosterstraße. Von außen gewähren fünf Schaufenster Einblick in das Schmucksortiment und in den Laden: Goldener und silberner Schmuck besetzt mit Diamanten und anderen Steinen glitzert hier im Sonnenlicht um die Wette – nichts Ungewöhnliches für die Auslage eines Juweliers. Und doch ist die Art, wie der Schmuck hier präsentiert wird, noch das Gewöhnlichste an dem Juwelierladen Mayrhofer. Die Schaufenster ziehen den Blick ins Innere: Eine frei geschwungene Raumform, die vom Boden bis zur Decke mit einem hellen Teppich ausgekleidet ist, gibt dem länglichen und sehr schmalen Raum einen fast höhlenartigen Charakter. Doch hat diese Höhle nichts Düsteres oder Beengendes an sich. Ganz im Gegenteil: Sie ist freundlich, hell und vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit. Der Kunde betritt den Laden vom Hauptplatz. Linker Hand wechseln sich Schaufenster mit raumhohen Holzkuben im regelmäßigen Rhythmus ab. Die dunkel furnierten Schränke wirken wie überdimensionierte Schmuckkästchen mit beleuchteten Glasvitrinen, Fächern und Schubladen. Rechter Hand stehen niedrige Verkaufstische und an der Stirnseite des Ladens ein hoher Verkaufstresen. Über dem Ganzen wölbt sich die gekrümmte Raumschale und schafft mit ihrer weichen Oberfläche eine diskrete Schallatmosphäre. Schmuck ist Lifestyle
Michael Mayrhofer ist Bauherr und Geschäftsführer des Juwelierladens am Hauptplatz. Nach Lehrjahren in der Schweiz und in Kärnten kehrte er nach Linz zurück und eröffnete hier 2001 sein eigenes Geschäft. Er hatte bei exklusiven Juwelieren Erfahrungen gesammelt und sein eigenes Verkaufskonzept entwickelt. “Die meisten Juweliere in Österreich glauben nicht an meine Verkaufsform”, erzählt Michael Mayrhofer. Doch der Erfolg gibt ihm Recht: Trotz derzeitiger Flaute in der Juwelierbranche geht es seinem Geschäft gut. So gut, dass er heuer seinen Laden erweitern konnte. Sein Erfolgsrezept basiert neben einem exklusiven Sortiment auf einer individuellen Beratung im Sitzen. Im Laden stehen mehrere kleine Tische hintereinander, an denen jeweils zwei Kunden und ein Verkäufer Platz nehmen können. An der Rückseite des Ladens steht ein Verkaufstresen: Hier werden aber nur kurze Anfragen, wie Reparaturen oder Ähnliches abgewickelt. Die Schmuckstücke sind in Glasvitrinen ausgestellt, die in den Holzboxen integriert über den Raum verteilt stehen und nicht, wie sonst üblich, hinter dem Verkaufstresen. Er wolle Schmuck wieder zum Lifestyle machen, erzählt Mayrhofer. Dazu gehöre natürlich auch die entsprechende Architektur und für die hat er die x architekten hinzugezogen. Lorenz Prommegger, Max Nirnberger, Rainer Kasik, Bettina Brunner und David Birgmann, die fünf Teammitglieder von x architekten, haben sich zum größten Teil beim Studium in Graz kennen gelernt und sitzen jetzt auf zwei Büros verteilt in Wien und in Linz. Zwischen Denkmalschutz, Bauherr und Design
Der Um- und Ausbau des Juwelierladens war eine Herausforderung für die jungen Architekten: Es galt nicht nur die Vorgaben des Bauherrn zu beachten, sondern auch die des Denkmalamtes. Das Haus am Hauptplatz Nr. 22 fällt in die Zuständigkeit des städtischen Denkmalamtes (äußeres Erscheinungsbild) und des Bundesdenkmalamtes (Bausubstanz). Es ist ein Gebäude, das aus drei Häusern besteht, die in der Barockzeit zu einem verbunden wurden. Dem Bundesdenkmalamt zufolge durfte keine historische Steinsubstanz entfernt werden. Wunsch des Bauherrn aber war genau das Gegenteil: Er wollte so viele Schaufensterflächen wie möglich bekommen. Zu Planungsbeginn gab es zur Klosterstraße hin keine einzige Fensteröffnung. Hinzu kam, dass das Geschäftslokal bis zum Baubeginn von einem anderen Juwelier belegt war und man bis dahin über die Menge und Lage der historischen Bausubstanz im Ungewissen blieb. So mussten die Architekten zu einer zweiphasigen Planung übergehen. Erst wurden die Parameter für die Gestaltung festgelegt: Weiche Raumschale, Holzkästen mit integrierten Glasvitrinen und Möbel aus grau lackierten MDF-Platten. Um dann im zweiten Schritt, sobald das Ladenlokal frei zugänglich war, die Bausubstanz zu untersuchen, die Lage und Größe der Fensteröffnungen festzulegen und darauf folgend, innerhalb etwa eines Monats, die Detailplanung für den Innenausbau zu machen. Zum Glück konnten zwei Öffnungen von zwei Meter Breite und zweieinhalb Meter Höhe in der ersten Ausbauphase und in der zweiten noch einmal zwei von gleicher Größe in die Wand zur Klosterstraße hin gebrochen werden. Die Holzboxen, die zwischen den Fensternischen stehen, passen sich in Größe und Form genau daran an. Das Innenleben dieser Boxen ist technischer Natur (die Beleuchtung der Glaskästen sind dort eingebaut), zum Teil konstruktiver Natur (Stützen und Gewölbebögen sind dahinter versteckt) oder einfach Lagerraum. “Wir wollten den Schmuck leuchten lassen”, erzählen die Architekten. Deshalb seien die Möbel in einem zurückhaltenden dunklen Holz, einem mexikanischen Zericote-Holz ausgeführt und der Schmuck in den Glasvitrinen mithilfe einer entsprechenden Beleuchtung hervorgehoben. Der Raum lebt von dem Kontrast des dunklen Holzes zu der weichen hellen Oberfläche der Raumschale. Die Idee, das Geschäft ganz mit Teppich auszukleiden, entstand aus einer Vorgabe des Bauherrn: Michael Mayrhofer wollte auf keinen Fall einen harten Bodenbelag. Steinböden seien zwar üblich in der Juwelierbranche, entsprächen aber nicht der Empfindlichkeit der Ware. Die Architekten kleideten gleich vom Boden bis zur Decke alles mit dem textilen Bodenbelag aus. “Teppich lässt sich leicht zweidimensional krümmen”, erzählt Lorenz Prommegger von x architekten, der die Projektleitung innehatte, “aber nicht dreidimensional”. Deshalb war es schwierig, eine Firma zu finden, die bereit war, den Teppich wie Gummi zu ziehen und der Form anzupassen. Eine glasfaserbewehrte Gipskartonplatte, die auf einem Raster aus Holzspanten, der Grundkonstruktion der freien Raumform, befestigt ist, bildet den glatten Untergrund für den Teppich. Die Architekten haben die Herausforderungen souverän gemeistert und gleichzeitig einen unvergleichlichen Innenraum geschaffen.
2003 haben sie hierfür in der Kategorie “textile Bodenbeläge” den 1. Preis beim Contractworld Award gewonnen. Heuer wurde der Laden um zwei weitere Schaufenster und einen Büroraum erweitert. Nach dem Motto: Je mehr Schaufenster ein Juwelier hat, desto besser kann er sich in so einer städtischen Lage halten.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 1/05.
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Juwelier Mayrhofer Hauptplatz 20, A-4020 Linz |
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| Bauherr: | Michael Mayrhofer |
| Planung: |
x architekten, Linz-Wien |
| Projektleitung: | Lorenz Prommegger |
| Mitarbeit: | Christian Hoffmann |
| Statik: | Peter Platzer, Linz |
| Konsulenten: | Packy Carpets, Kirchdorf a.d. Krems |
| Bebaute Fläche: |
Bauphase 1: 55 m2 Bauphase 2: 35 m2 |
| Planungsbeginn: |
Bauphase 1: Mai 2000 Bauphase 2: Jänner 2004 |
| Bauzeit: |
Bauphase 1: Juli bis
Oktober 2000 Bauphase 2: Juli bis Oktober 2004 |
| Fotos: | Max Nirnberger |
| Text: | Anne Isopp |
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