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“…verrückt gen Himmel…” |
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Erweiterung des Ontario College of Art and Design (OCAD) Toronto, Canada – Sharp Center for Design Planung: Alsop Architects, London
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Fassade ist das Thema dieses Heftes und das hier beschriebene Projekt weist eine Menge davon auf. An allen, nämlich genau sechs Seiten der Box finden sich rechteckige und quadratische Aluminiumfassadenplatten. Im Internet kann man eine der Fassadenplatten erwerben und so die Finanzierung der baulichen Erweiterungen unterstützen. Je nach Größe sind die schwarzen Fassadenpixel und Fenster zwischen 500 $ und 2.000 $ wert, die man dann für fünf Jahre sein eigen nennen darf und somit zum Fassadenbesitzer in Toronto wird. www.ocad.on.ca/see_the_spots
In den letzten Jahren ist die kanadische Stadt Toronto, die bisweilen ob seiner Architektur eher unauffällig war, um so manches Bauwerk reicher geworden. Immer mehr bekannte Architekten, wie der in Polen geborene amerikanische Staatsbürger Daniel Liebeskind, oder der gebürtige Kanadier Frank O' Gehry, um nur zwei der internationalen Architektengrößen zu nennen, kommen hier zum Zuge – ersterer mit dem Royal Ontario Museum, zweitgenannter mit der Restrukturierung der Kunstgalerie von Ontario. Mit den neuen Bauwerken konfrontiert wird der Blick der Einwohner immer geschulter, und die Lust auf ausgefallene Architektur wächst. Als Europäer beweist sich der Londoner Architekt William Alsop mit einem erstaunlichen Entwurf in Toronto und zeigt baulich mit dem höchst spektakulären “Sharp Center for Design”, dass in der Architektur fast alles möglich ist. “Wir leben in einer fantastischen Zeit, wo wir Architekten die Freiheit haben Dinge auszuprobieren und neu zu entdecken”, äußert sich Will Alsop über Architektur. Genau das hat er umgesetzt mit seiner “fliegenden Tischplatte”, wie der Erweiterungsbau bei den Kanadiern in aller Munde ist. Hierzulande in Architektenkreisen als Professor der TU-Wien bekannt, überrascht Will Alsop, der auch als Maler und Bildhauer tätig ist, mit jedem seiner zahlreichen Projekte durch die kühnen und waghalsigen in Materie umgesetzten Ideen. Nicht nur die Entwurfsskizzen von Will Alsop sind schwebend, abgehoben, luftig und bunt, auch die Gebäude selbst strahlen Lebensfreude aus. Fast erinnern sie an große betretbare Maschinen, die stets aufgrund der knalligen Farben neugierig machen, erstaunen und faszinieren. Die Erweiterung des Ontario College of Art and Design, kurz OCAD, ist das erste Gebäude des Architekten in Nordamerika und wird sicherlich nicht das letzte bleiben. In nur drei Jahren haben Alsop Architects und das vor Ort ansässige, national renommierte Büro Robbie/Young + Wright Architects (RYWA) zusammengearbeitet, um im September 2004 die Pforten dieses architektonischen Highlights zu öffnen. Das nach seinen Hauptförderern Rosalie und Isadore Sharp benannte Sharp Centre of Design ist ein Erweiterungsbau zum Ontario College of Art & Design, der in Kanada größten und ältesten Kunst und Design Universität. Das Gebäude stellt durch sein Erscheinungsbild die physische Verkörperung dessen dar, was eine Kunstschule sein sollte – ein Ort der Innovation, ein Ort für Experimente und Kreativität. Kreatives Lernen erfordert Platz, und so musste viel Platz geschaffen werden für die 2.200 Studenten. William Alsops Entwürfe zeichnen sich durch seine spezielle Herangehensweise aus. Stets bezieht er diejenigen, die später mit oder in dem Bauwerk leben oder arbeiten sollen, mit ein. So fanden für diesen Bau auch mehrere Workshops mit Studenten und Kollegen der kanadischen Designschule unter seiner Leitung statt. Zwei starke Ideen kristallisierten sich während des Erarbeitens heraus, die dann den Bauherren präsentiert wurden. Auch die Anrainer wurden in den Entscheidungsprozess mit einbezogen. Ein rechteckiges Volumen auf bunten, 26 m hohen Stahlsäulen und eine Auffüllung eines Leerraumes zwischen den vorhandenen Backsteingebäuden hat schließlich das Rennen gewonnen. Kunststudios, Vortragssäle, Ausstellungsräume und Büros der Fakultät finden in diesem neu geschaffenen Raum Platz. Die abgehobene Architektur wirkt dynamisch und jung und auch ein wenig verrückt – “Ver-rückt”, nämlich senkrecht nach oben, im wahrsten Sinn des Wortes, denn das Gebäude ist 9 Stockwerke vom Erdboden abgehoben und scheint verwegen über den Dächern zu fliegen. Als Erweiterung in einer dichten städtebaulichen Lage, ist das Bauwerk über einer ruhigen Seitenstraße zwischen den zwei Haupteinkaufsstraßen der Stadt situiert. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt der öffentliche Grange Park, die Art Gallery of Ontario und das Gardiner Keramikmuseum. Platz wäre genug gewesen, um den Bau auch traditionell zu ebener Erde zu platzieren. Dieser Platz dient nun als Zugang zum dahinter liegenden baumreichen Park. Durch die Lage des Bauvolumens hoch oben in luftiger Höhe ergibt sich ein gedeckter Bereich auf Straßenniveau, der einerseits als Erweiterung des Parks einen neuen, wertvollen öffentlichen Platz für jedermann bildet und andererseits Raum für öffentliche Aktivitäten des Colleges bietet. Die in der Nachbarschaft lebenden Anrainer können weiterhin den freien Blick in den Park genießen. Die überdimensionale “fliegende Schuhschachtel” oder auch “Tischplatten-Megastruktur” wird von sechs farbigen, scheinbar willkürlich schrägen Stahlstützenpaaren und einem Erschließungskern mit den notwendigen Stiegen, Aufzügen und Maschinenräumen aus Stahlbeton vom Erdboden abgehoben. Zwar haben die in der Ölindustrie eingesetzten vorfabrizierten Stahlstützen, die röhrenförmig sind, alle denselben Durchmesser (d=914 mm), dennoch wirken fünf von ihnen, da sie schwarz gestrichen sind, durch optische Illusion wesentlich schlanker. In der Nacht verschwinden sie teils gänzlich und tragen so noch mehr zur dynamischen Wirkung des Bauwerks bei. Ein Zugang zu dem Erweiterungsbau verläuft über eine einläufige, gerade Stiege, die ein weiteres schräges Element außerhalb der “Schachtel” darstellt und über der darunter liegenden Plaza zu fliegen scheint. Mit roten Aluminiumplatten verkleidet hebt sich dieses Element stark ab von den schwarz-weißen Pixeln an der Untersicht. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass diese Erweiterung als Gewinnerprojekt des RIBA Worldwide Award 2004 gekürt wurde, ein im Jahr 2004 erstmals vergebener Preis für Gebäude, die außerhalb der Grenzen von Europa zu finden sind und von einem englischen Büro geplant wurden. (Mindestens ein Hauptmitwirkender muss Mitglied der RIBA sein, was in dem Falle der Architekt selbst ist.) Doch nicht nur europäische Ehren erfährt W. Alsop, ein Honorardoktorat wurde ihm vom Ontario Collage of Art & Design verliehen. Schön zu sehen, dass mutige Unternehmen und nicht herkömmliches Denken und Schaffen viel bewirken und auch geschätzt werden. Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 2/05.
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Sharp Center for Design 100 McCaul Street, Toronto |
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| Bauherr: | Ontario College of Art & Design |
| Planung: |
Alsop Architects, London, England |
| Mitarbeit: |
Jonathan Leah, Isabel Brebbia, Oliver Blumschein, Christian Harrup, Anthony Murray, Stephen Swain, Lilli Pschill, Sven Steiner |
| Lokale Architekten: |
Robbie Young+Wright Architects, Inc. Gregory Woods MRAIC, Partner-in-Charge |
| Statik / Projektingenieur: | Carruthers & Wallace Limited, Paul Sandford, P.Eng |
| Projektmanager: | PCL Constructors Canada Inc., Jeff Murva |
| Nettonutzfläche: |
Erweiterungsbau: 6.215
m2 Renovierung: 20.408 m2 |
| Planungsbeginn: | November 2000 |
| Bauzeit: | 08/2002 bis 08/2004 |
| Bezug: | September 2004 |
| Fotos: | Richard Johnson |
| Text: | Katharina Tielsch |
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