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Alte Bausubstanz neu definiert |
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Schreckbichlerhof, Girlan, Italien Planung: Gerd Bergmeister, Brixen/Italien
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Den Kontrast von alter Bausubstanz zu moderner (Innen)architektur in harmonisches Gleichgewicht zu bringen, sehen viele Architekten als Herausforderung. Gerd Bergmeister, Architekt aus Brixen, offensichtlich ebenso. Bei einem Besuch in einem von ihm gestalteten Weinkeller ließ sich Familie Comploj-Schwarzer inspirieren und beauftragte den Architekten mit der Neugestaltung ihres Hofes samt Nebengebäude in Girlan, einer kleinen Gemeinde an der Südtiroler Weinstraße. Der alte Weinbauernhof steht schon seit längerer Zeit im Besitz der Familie, der Lebensmittelpunkt der nebenberuflichen Weinbauern befand sich allerdings in Bozen. Bisher nur als Lager für Weinfässer, Trockenboden für Trauben und Abstellplatz für Traktoren genutzt, sollte der Wohntrakt des Hofes saniert und zu ihrem Hauptwohnsitz umfunktioniert werden. Die Nebengebäude wurden als Zweitwohnung für die Schwester der Familie umgeplant. Wissend über die stark reduzierte und klare Formensprache des Architekten gab es seitens der Bauherren nur wenige Vorgaben für die Gestaltung der Gebäude. In dem alten Wohntrakt des Hofes war ausreichend Raum vorhanden. Die Flächen mussten nur “nutzbar” gemacht werden. Dafür wurden einige Zwischenwände entfernt und großzügige Räume geschaffen. Mehr Licht und Transparenz gaben der schweren Bausubstanz neues Leben und ein völlig neues Raumgefühl. Im Erdgeschoß wurde aus ursprünglich drei Räumen das heutige Wohnzimmer geschaffen. Die Wand zum Gangbereich ist in Glas aufgelöst, und einzig die alte Lärchenholztüre blieb als massiver Solitär darin bestehen. Auch zwischen Gang und Küche, die ja ebenfalls starken gemeinschaftlichen Charakter in einer Familie besitzt, wurde auf dieselbe Art der Einblick und somit die Kommunikation beider Räume ermöglicht. Die Zugänge von Wohnraum und Küche befinden sich auf derselben Höhe und erlauben kurze Wege für den Hausherren, der in diesem Fall auch der Herr der Küche ist. Mit zunehmender Geschoßhöhe steigt der private Charakter der Räume. Neben der Bibliothek und einem Gästezimmer befinden sich Sanitär- und Schlafraum des Ehepaars im ersten Obergeschoß. Um diese Grenze zum Privaten bewusst zu machen, lässt Bergmeister den Besucher durch einen schwarzen Eichenkubus die nächtlichen Bereiche betreten. Zur Abschottung dieser Zone dient in der Bibliothek ein Glasschiebeelement. Es wird an den zum Kubus materialverwandten Wandboards entlang geführt. Die starre lineare Ordnung der Bücherregale und Deckenbalken, die im ebenerdigen Wohnzimmer schon fast Sogwirkung erreicht, wird im Obergeschoß durch eine Ausnehmung der Decke durchbrochen und der Blick in den Dachraum geöffnet. Die Bücherboards an der Wand zum Nachtbereich wachsen Richtung Dach in ein Regal hinein, das sich wiederum als umlaufende Brüstung horizontal fortsetzt. Leider verliert dieses durchdachte Detail an der Dominanz der Stahlwendeltreppe, die sich in den offenen Dachraum windet, an Bedeutung. Hat man die skulpturale Stiege einmal erklommen, betritt man über eine gläserne Brücke den offenen Büro- und Ruheraum im Dachgeschoß. Vollständig abgetrennt befindet sich dahinter der Bereich der Tochter des Hauses. Um ihr autarke Nutzung und Raumgefühl zu geben, ließ Bergmeister den Grundriss völlig offen und setzte einen Sanitärwürfel schräg in den Raum. Licht erhält das Bad über seine geöffnete Decke und dem Dachflächenfenster, das darüber schwebt. Begrenzt wird die Höhe des Sanitärwürfels durch die aussteifenden Riegel des Dachstuhls. Einen winzigen Rückzugsbereich für den Hausherrn schuf Bergmeister im ehemaligen “Plumpsklo” des Hauses. Ausgestattet mit einer kleinen Bank, einem ausklappbaren Tisch und einem Whiskyregal wurde dieser Ort zu einem Zigarrenraum umfunktioniert. Um Störfaktoren in der reduzierten Architektur zu vermeiden wurde besonderes Augenmerk auf Details gelegt: Die Elektroinstallation für Lichtschalter und Steckdosen im Wohnzimmer wurde beispielsweise in einer dezenten Stahlsäule untergebracht. Der Ofen im Wohnzimmer ist mit einem “Glasfenster” bündig in die Wand eingelassen, Glashalterungen der Zwischenwände auf das Notwendigste reduziert. Immer wiederkehrende Farben und Oberflächen ziehen sich durch das gesamte Haus und prägen seine Innenarchitektur. Die mit Kalkfarbe gestrichenen Wände wirken bei näherem Hinsehen durch die leichte Unregelmäßigkeit in Farbe und Oberfläche rau. Gemeinsam mit der rustikalen, groben Massivität des Lärchenholzes, das sich in Türen, Deckenbalken und teilweise den Böden durch das Haus pflanzt, bewahren diese Materialien den alten Charakter des Hauses. Klaren, modernen Gegensatz dazu bilden die strengen Kanten der Glaswände, die dunklen, klaren aber warmen Linien der geräucherten Eichenholzmöbel und der glatte Betonboden. Bergmeister hat dadurch eine Art Gleichgewicht erzeugt, welches sowohl optische als auch haptische Sinne befriedigt. Die Nebengebäude wurden als eigene kleine Wohneinheit gestaltet. Da die Werkstatt im Erdgeschoß erhalten bleiben sollte, wurden die Baukörper im Obergeschoß über einen Glasgang verbunden. Gestaltung und Material bleiben hier durchwegs modern. Der lineare Gang, der die gesamte Wohnung durchläuft, wird von rohen Lärchenholzkästen einerseits und dunklen Glaswänden andererseits gesäumt. Die Öffnung und Ausrichtung wurde bewusst gegen den Schreckbichlerhof gewählt, mit der Blickrichtung in die Weingärten. Die architektonischen Eingriffe im Außenbereich, wie die fast bieder wirkende Terrasse an der Südseite des Hauses, bleiben durchwegs dezent. Nur der rote Glaskubus lässt die Ereignisse des Innenraumes erahnen. Bergmeister gelang es in diesem Projekt, wesentliche Teile der alten Bausubstanz geschickt freizulegen und sie als eigene Gestaltungselemente einzusetzen. Die neu geschaffenen Räume erhielten jeden Komfort eines modernen Hauses und konnten doch etwas von der Atmosphäre der alten Gemäuer bewahren und neu definieren. Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 2/05.
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Bauernhaus Schreckbichlerhof Schreckbichlerweg 20, 39050 Girlan, Italien |
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| Bauherr: | Comploj-Schwarzer |
| Planung: |
Gerd Bergmeister |
| Mitarbeit: | Markus Hofer, Stefan Griesser |
| Umbauter Raum: |
449 m3 |
| Planungsbeginn: | Februar 2004 |
| Bauzeit: | 10 Monate |
| Fertigstellung: | November 2004 |
| Fotos: | Jürgen Eheim / Brixen |
| Text: | Nicole Büchl |
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