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Turnig Torso |
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Turning Torso, Malmö/Schweden Planung: Santiago Calatrava SA
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Mit seinen 265.000 Einwohnern fällt Malmö wohl in die Kategorie “Provinzstadt”, wobei die Einwohner der südschwedischen Stadt 100 verschiedene Sprachen sprechen und 164 unterschiedlichen Nationalitäten angehören. Und seit Juli 2000 verbindet die 12 km lange Öresundbrücke Malmö mit Kopenhagen, was die Stadt auch im internationalen Wirtschaftskontext bedeutender macht. Doch die Schweden gaben sich noch nicht zufrieden mit ihrer beeindruckenden Brücke und griffen noch einmal in die Lade der architektonischen Superlative. 2001 wurde mit dem Bau des 190 Meter hohen “Turning Torso” begonnen, der nach seiner Fertigstellung Ende 2005 Europas höchstes Hochhaus mit Wohnnutzung sein wird. Dieses Projekt nahm seinen Anfang, als sich Johny Örbäck, Management Direktor von HSB, Malmös Wohnbauvereinigung, in eine Skulptur Santiago Calatravas verliebte. Örbäck und Calatrava trafen sich in Zürich, und der spanische Stararchitekt konnte davon überzeugt werden, dass seine Skulptur in ein wegweisendes schwedisches Gebäude transformiert werden musste. Das nunmehr fast fertig gestellte Gebäude setzt sich aus 9 Kuben zusammen, die um einen vertikalen Kern angeordnet sind, während die Gesamtstruktur von einem stabilisierenden externen “Stahlrückgrat” unterstützt wird. Die ersten beiden Kuben werden auf insgesamt 4.000 m2 als Büros genutzt, während die restlichen sieben Kuben von unterschiedlichsten Wohnungstypologien beansprucht werden. Das Fundament und dessen hohes Gegenüber
Das Fundament des Gebäudes ist direkt auf den Kalkstein-Untergrund aufgebracht, und dabei sind profilierte Stahlplatten 15 Meter in den Grund gerammt. Nach der Gründung wurde das 7 Meter dicke und 30 Meter weite Betonfundament produziert, dessen immense Dimensionen man im Rahmen der speziellen Windtunnelversuche ermittelte. Dieses Verfahren, das von dem Spezialisten Prof. N. Isyumov an der University of Western Ontario, Kanada, durchgeführt wurde, zielte darauf ab, das Verhalten des Turning Torso unter extremen Windlasten zu ermitteln. So simulierte man eine Windlast, die statistisch nur einmal in hundert Jahren vorkommt, und konnte erkennen, dass das Gebäude an seiner 190 Meter hohen Spitze unter diesen relativ unrealistischen Bedingungen lediglich 30 cm schwankt. Am anderen Ende des schlanken Baukörpers geht es bodenständiger zu: Auf zwei Untergeschoßen ist die gesamte Haustechnik untergebracht und es gibt eine Verbindung zum mehrgeschoßigen Parkhaus, das als Quader den punktuellen Baukörper tangiert. Noch bevor die Untergeschoße gebaut werden konnten, mussten rund 850 Lkw den Transport von 5.100 m3 Beton durchführen, und man arbeitete 3 Tage und Nächte ununterbrochen an der Herstellung des Fundaments, dessen Fertigstellung man im Juni 2002 feierte. Die Röhre
Die Erschließung des Turning Torso erfolgt über Lifte und Treppen, die in der röhrenförmigen, die primäre Tragfunktion übernehmenden Betonkonstruktion sitzen. Aus logistischen Gründen verwendete man zur Herstellung teilweise Beton, der nicht erst verdichtet werden muss, da der Baukörper aufgrund seiner komplexen Form den Bauarbeitern keinen Zugang zum Verdichten ermöglichte. Weiters musste jede Etagendecke um 1,6 Grad gedreht werden, um dem Gebäude die gewünschte 90 Grad Drehung auf 190 Meter zu geben. Selbstredend waren für diese hochbautechnischen Aktionen nicht allzu lange Zeit – jeder Griff hatte zu sitzen, da der Zeitplan vorgab, dass man über etwas mehr als ein Jahr jeden 10. Tag eine neue Etage zu erstellen habe.
Skelett und Hülle
Das extern sitzende Rückgrat besteht aus einer geschweißten Stahlkonstruktion mit einem Anti-Korrosions-Anstrich. Am spitzwinkeligen Ende des Gebäudes sitzt eine Calatrava typische Stahlskelettkonstruktion, die aus einer Stahlsäule, 20 horizontalen und 18 diagonalen Stahlverstrebungen besteht. Die horizontalen Streben wiegen 8 Tonnen während das Gewicht der Diagonalen zwischen 12 und 20 Tonnen bemessen ist. Diese Streben bringen beeindruckende 460 Tonnen auf die Waage, und rechnet man alle Stahlskelett Lasten zusammen, ergibt das 820 Tonnen. Die Fassade, die einer konstruktiv äußerst schwierigen Drehung folgen muss, ist eine Glas-Aluminium-Konstruktion, selbstredend in unzähligen Laborversuchen auf Wind- und Wetterverhalten geprüft. Aus 2.800 vorgefertigten Paneelen und 2.250 Fenstern setzt sich die Gebäudehülle zusammen und verlangte den Professionisten wie den Herstellern absolut akkurates Arbeiten ab. Um der Gebäudedrehung folgen zu können, setzte man die Fenster einerseits konvex, andererseits konkav ein. Deshalb ergibt sich eine 6-gradige Neigung der Fensterebene – westseitig nach innen und ostseitig nach außen. Selbstverständlich muss sich der zukünftige Mieter keine Sorgen um die Sauberhaltung der Fenster machen – über einen speziell für dieses Gebäude entwickelter Kran wird dies in Zukunft erfolgen. Erschließung und Brandschutz
In nur 38 Sekunden wird man von der ersten Ebenen des Hochhauses mit Hilfe von 3 Hochgeschwindigkeitsliften in den 54. Stock befördert. Die aus brandschutztechnischen Gründen mit separateren Notstrom-Aggregaten ausgestatteten Lifte bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 18 km/h. Zwei separate Lifte – mit der etwas niedrigeren Geschwindigkeit von 12.6 km/h – sind den Büronutzern der ersten Ebenen des Turning Torsos vorbehalten. Die Feuerschutzvorkehrungen – in enger Zusammenarbeit mit der zuständigen schwedischen Brandschutzbehörde erarbeitet – präsentieren sich in Form einer Sprinkleranlage. Um einem Übergreifen eines Feuerherdes im Falle eines Ausfallens dieser Anlage vorzubeugen, unterteilt man das Gebäude in 6 zusätzliche Brandabschnitte. Zwischen den Appartement- und Bürozonen sind alle Wände, Decken und Böden in Brandschutzklasse F 60 ausgebildet. Um im Brandfall auch die oberen Geschoße mit Löschwasser versorgen zu können, wurde die Wasserversorgung für jeden Brandabschnitt verdoppelt, was auf der letzten Ebene des Hochhauses eine Kapazität von 1.000 Litern Wasser pro Minute bedeutet. Die hochbautechnische Ausführung des “Turning Torso” ist weit entfernt von Standard Detaillösungen und die Serie “Extreme Engineering” des Discovery Channel widmete dem imposanten skulpturalen Hochhaus einen einstündigen Beitrag.
Ob potenzielle Nutzer – im Wohn- wie im Bürobereich – das Gebäude im Gebrauch interessant und lukrativ befinden, wird sich erst nach der voraussichtlichen Fertigstellung im Herbst 2005 herausstellen. Das Bauwerk ist von außen betrachtet eine spektakuläre Struktur, lediglich die Wohnungsgrundrisse muten etwas eigenwillig an, ganz so, als musste sich die Grundrissplanung kompromisslos der gewünschten dominanten äußeren Form anpassen. Die Stadt Malmö hat jedenfalls architektonischen Mut bewiesen und sich ein sprichwörtlich herausragendes Wahrzeichen gesetzt, das weltweites Aufsehen erregt.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 2/05.
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Turning Torso Malmö/Schweden |
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| Bauherr: | HSB Malmö/Schweden |
| Planung: |
Santiago Calatrava SA, Zürich/Valencia |
| Projektleitung: | HSB Malmö/Schweden |
| Statik: | Santiago Calatrava SA, Zürich/Valencia |
| Innenarchitektur: | Samark Arkitektur & Design AB, Malmö |
| Aufzug: | KONE |
| Grundstücksfläche: | 2.025 m2 |
| Fassadenfläche: | 20.000 m2 |
| Planungsbeginn: | 2000 |
| Bauzeit: | 5 Jahre |
| Fertigstellung: | 2005 |
| Fotos: | Archiv Architekten, HSB |
| Text: | Sandra Knöbl |
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