|
Zu Besuch im Wienerwald |
|
![]()
|
|
|
|
|
|
|
|
Um- und Zubau Büro- und Fitnesscenter, Wien Planung: Rüdiger Lainer
|
|
“Wir hatten die Planung schon fertig”, sagte Michael Strobl, verantwortlicher Projektarchitekt im Büro Rüdiger Lainer, “doch es fanden sich keine Interessenten, die 1.000 Quadratmeter Bürofläche oder mehr anmieten wollten”. Dem Fitnessclub Elixia dagegen sagte die Großzügigkeit zu. Sie entschieden sich, drei Geschoßebenen für Fitness mit Schwimmbad und Wellnessbereich anzumieten, und die Architekten mussten ihre Planung noch einmal komplett überarbeiten. Die Rede ist von der Hütteldorferstraße 130 in Wien-Breitensee. An der Gabelung zur Heinrich-Collin-Straße steht an einer städtebaulich markanten Stelle ein Industriebau, der Anfang des letzten Jahrhunderts von dem Architekten Franz Sobotka für die Gummiwarenfabrik Semperit errichtet und vor zwei Jahren zu einem Büro- und Fitnesscenter umgebaut worden ist. Der Wiener Architekt Rüdiger Lainer hat den Altbestand behutsam saniert und erweitert. Er fügte nördlich an der Heinrich-Collin- Straße einen niedrigen Baukörper sowie auf dem Dach einen länglichen zweigeschoßigen Riegel hinzu. Den inneren und äußeren Eindruck des Bestandes hat er dabei erhalten: Der Loftcharakter wurde nicht durch kleinteilige Nutzungen zerstört und die An- und Aufbauten, dessen Flächengewinn die Sanierung wirtschaftlich erst möglich machte, sind in einem respektvollen Abstand zum Altbau angeordnet. “Wie bringt man Alt und Neu zusammen?” Der Bestand, ein viergeschoßiger Betonskelettbau mit einer vorgesetzten Ziegelfassade, diente den Architekten als Vorbild: Die Tragkonstruktion des Neubaus, eine Stahlkonstruktion mit Betonfertigteilwänden, ist mit einer vorgehängten modularen Fassade verkleidet. Das was bei dem Altbau gebrannter Ziegel ist, sind hier Aluminiumgussplatten. Die Architekten betonen gerne, dass beide Materialien in einem Schmelzvorgang entstehen und schon dadurch aufeinander verweisen. “Wir wollten Natur frieren”, sagt der Architekt, “und sind in den Wienerwald hinaus gefahren, um Blätter und Äste zu sammeln”. Diese haben sie dann wie ein Bild arrangiert und gießen lassen. So sind die 150 Zentimeter hohen und 24 Zentimeter breiten Aluminiumgussplatten entstanden, die nun 700 Quadratmeter Außenfläche verkleiden. Tritt man an die Fassade heran, kann man die feine Struktur der Blätter und Äste genau erkennen. Von weitem wird das Relief zu einem abstrakten Muster, das ähnlich wie die Ziegelfassade je nach Lichteinfall unterschiedlich stark strukturiert wirkt. Nicht nur die subtile Materialwahl, auch eine geschickte Baukörperkonfiguration hilft dem Architekten, Alt und Neu klar voneinander zu trennen und gleichzeitig in eine sinnvolle Beziehung zueinander zu bringen. Der Dachaufbau springt von den Außenkanten des Bestandes zurück und lässt den Industriebau vom Lotte-Lenya-Platz aus weiterhin als Solitär wirken, gleichzeitig schaffen die zwei zusätzlichen Geschoße den Höhenausgleich zur angrenzenden Bebauung. Der nördlich liegende Zubau nimmt die Baufluchtlinien der Heinrich-Collin-Straße auf, schließt mit einem Gebäudeteil an die angrenzende Feuermauer an und schafft durch Vor- und Rücksprünge einen städtischen Raum, der den Altbau ebenfalls in seiner städtebaulichen Dominanz bestärkt. Im Unter- und in den ersten beiden Hauptgeschoßen ist das Fitnesscenter untergebracht, darüber sind Büros. Von der Heinrich-Collin-Straße gelangt man zu den Büros, von der Schmalseite, vom Lotte-Lenya-Platz aus, in das Fitnessstudio: Wie ein Scharnier liegt hier zwischen Alt und Neu eine verglaste, mehrgeschoßige Zone, die dem Studio als Entree dient. Das Team von Rüdiger Lainer konnte nur bedingt Einfluss auf Gestaltungsfragen im Inneren nehmen, da das Fitnessstudio einen eigenen Innenarchitekten mitbrachte. Sie versuchten zumindest die Charakteristik der Räume zu erhalten: Die Wirkung der vier Meter hohen Räume, der Untersichten der Betonrippendecken und der Fensterfluchten der raumhohen Industriefenster nicht durch Einbauten oder abgehängte Decken zu vermindern. Konstruktiv musste die Tragkonstruktion in jedem Geschoß verstärkt werden: Auf die alte Deckenkonstruktion, die nur 8 Zentimeter stark war, wurde eine neue Betondecke gegossen und die Stahlbetonstützen mithilfe von Stahlwinkeln verstärkt. Das Büro- und Fitnesscenter in der Hütteldorferstraße steht in einer Reihe von Bauten, die Rüdiger Lainer in den letzten vier Jahren realisiert hat und die sich durch plastisch ausformulierte Fassaden und ungewöhnliche Materialien auszeichnen. Beim Wiener Kinocenter “Pleasure Dome” und dem Salzburger “Cineplexx” sind es transluzente Hüllen, durch die sich die Außenwirkung bei Tag und Nacht ändert. Bei seinen Wiener Wohnbauten gibt es zum Beispiel eine stark reliefierte Putzfassade oder ein Rankgerüst aus Aluminium, das ein Wohnhaus wie eine zweite Haut überzieht. Lainer nimmt mit seiner Art und Weise, Materialien, Formen und Ornamentik zu schichten, eine Sonderposition in der modernen österreichischen Architektur ein. Gerade deshalb wirken seine Gebäude so erfrischend anders.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 2/05.
|
|
Um- und Zubau Büro- und Fitnesscenter Hütteldorferstraße 130, A-1140 Wien |
|
| Bauherr: |
Center
Heinrich-Collin-Str. Vermietungs GmbH & Co. KG Vertreter des Bauherrn: Alexander Zangerle |
| Projektentwicklung: | Mischek Leasing 5, Michaela Mischek, Stephan Jainöcker |
| Planung: |
Rüdiger Lainer |
| Projektleitung: | Michael Strobl |
| Mitarbeit: |
Bettina Litschauer, Jaroslav Travnicek, Ulrike Lenger, Lisa Zentner, Josef Jakob, Frank Brakhan |
| Haustechnik: |
ZFG Projekt |
| Statik: |
Hochbau
Consult/ Mischek ZT |
| Bauphysik: | Hochbau Consult, Hebenstreit |
| Aufzug: | Schindler |
| Brandschutztüren: | Riha |
| Grundstücksfläche: | 2.074 m2 |
| Bebaute Fläche: | 1.774 m2 |
| Planungsbeginn: | Mai 2000 |
| Baubeginn: | Mai 2002 |
| Fertigstellung: | September 2003 |
| Fotos: | Gerald Zugmann, Gert Walden / Archiv Architekten |
| Text: | Anne Isopp |
Mehr
gibt es in der Printausgabe!
Nur ein Abonnement sichert Ihnen
einen regelmäßigen und sicheren Bezug!