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Von klaren Formen, Proportionsverhältnissen und der Liebe zum Detail |
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Einfamilienhaus Grinzing/Wien Planung: Heinz Neumann, Wien
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Der 19. Wiener Gemeindebezirk ist ein begehrter Wohnbezirk, der vor allem ob seines noblen, fast kleinstädtisch wirkendem Stadtviertels Grinzing bekannt ist. Hier, eingebettet zwischen den Weinbergen, finden sich großzügige Villen und Einfamilienhäuser. Glücklich, wer in solcher Lage ein Grundstück sein eigen nennen darf, womöglich sogar mit einem netten, gut platzierten Haus, das man nur mehr zeitgemäß und den eigenen Wünschen und Ansprüchen entsprechend umbauen muss. Die Bauherren des in Folge beschriebenen Einfamilienhauses wurden bei ihrem Adaptierungsvorhaben allerdings mit großen Überraschungen konfrontiert. Das bestehende schlichte Einfamilienhaus mit seinem Mansardendach sollte ursprünglich umgebaut und erweitert werden. Für diese Aufgabe wählten die Besitzer das Architekturbüro Neumann + Partner unter der Leitung von Heinz Neumann, für effiziente und professionelle Planung und Ausführung bekannt, aus. Während die Umbaumaßnahmen schon im vollen Gange waren, wurde festgestellt, dass das Bauwerk unter seinem Keller keinerlei Fundamente aufwies. Die Bodenplatte war, wahrscheinlich wegen Sparmaßnahmen, auf dem puren Erdreich aufgebracht. Diese Entdeckung führte dazu, dass der Statiker einen Baustopp ausrief und zum schleunigsten Abbruch des Hauses drängte. So etwas grenzt wohl fast an eine Katastrophe, mag man denken, doch Heinz Neumann reagierte schnell und entwickelte, unter Berücksichtigung der bereits getroffenen Maßnahmen, in kürzester Zeit einen Entwurf für einen gänzlichen Neubau. An gleicher Stelle wie der Altbau, auf einem länglichen Grundstücksstreifen von zwei Parallelstraßen zugänglich, platziert, erhebt sich nun ein kompakter kubischer Bau mit Flachdach, der sich fließend im betonten Dialog zwischen Innen und Außen in die sanfthügelige Landschaft einfügt. Die schlichte Form des rechteckigen Grundrisses mit seinen beiden an den Längsseiten des Bauwerks angefügten eingeschoßigen Kuben weist ein Seitenverhältnis von 2:1 auf. Der Windfang und schräg versetzt gegenüber ein auskragender Anex des Wohnzimmers weisen dieselben Proportionen auf. Ungefähr 16 Meter misst das Bauwerk in seiner Länge. Die Weite wird durch die offene Grundrissgestaltung im Erdgeschoß und den in derselben Achse platzierten Fenstern spürbar. Eine der wichtigsten Vorgaben der Bauherrenschaft war der Bezug zum Garten. Diesem Wunsch folgte der Architekt, indem er mit großen Schiebeelementen in der Fassade den Garten gerahmt in die Zimmer holt. Außenbezüge wurden an den drei der Morgen-, Mittags- und Abendsonne zugewandten Seiten ermöglicht. So sind im Erdgeschoß dem Wohn- Essbereich, der Küche sowie dem Arbeitsraum großzügige Terrassen vorgelagert, und auch den beiden Schlafzimmen im Obergeschoß sind Freiräume zugeordnet. Das Bauwerk ist an einer Geländekante situiert, was eine Gartenerschließung sowohl vom Kellergeschoß als auch vom Erdgeschoß ermöglicht. Die vier Ansichten vermitteln einen eleganten, kühlen Eindruck, nicht nur aufgrund des wohlproportionierten, geometrischen Baukörpers. Glatte Oberflächen, wie Glas, hellgrüne Fassadenplatten und Aluminium heben das Gebäude einerseits vom umgebenden Grün ab, bewirken jedoch auch spiegelnde, die Vegetation vervielfachende Effekte. Von der Straße nimmt man das Einfamilienhaus von seiner Schmalseite wahr, die in Schichten aufgebaut ist und durch betonte Wandscheiben Neugierde weckt. Ein Rundgang um das Haus erstaunt durch das Spiel mit Offenheit und Geschlossenheit sowie mit Symmetrie und Asymmetrie. Im Inneren des Gebäudes setzt sich die Feinheit und Eleganz durch die Wahl der edlen Materialien und die klare Raumaufteilung fort. Marmor für Boden und Wandflächen und edle Holzarten mit schönen Maserungen für fixe Möblierungen fallen neben dem Einsatz von Glas und Spiegeln ins Auge. Die quadratischen Steinfliesen am Boden glänzen und schimmern beinahe so glatt wie eine Wasseroberfläche, teilweise sind auch die Wände mit Stein verkleidet. In ihnen sowie auch im Boden spiegeln sich die umgebenden Bäume wider und führen zu einer optischen Erweiterung des Gartens im Inneren des Hauses. Eine dicke, mit Marmor verkleidete Kaminwand mit einem von zwei Seiten zu bedienenden Kamin trennt den Essbereich vom Wohnbereich ab. Dieses Trennelement nimmt die Scheibenwirkung wieder auf, wie man sie auch in der Fassadengestaltung erkennt. Fast die Hälfte der Kellerfläche wird von dem Schwimmbad eingenommen. Dieses existierte bereits als der Altbau noch stand. Großzügige Spiegelflächen an den Wänden vergrößern den Raum. Auch hier bietet sich die Möglichkeit ins Freie zu treten. Architekt Neumann und sein Team haben mit diesem privaten Projekt bewiesen, dass sie nicht nur Wettbewerbe für öffentliche Bauten wie den kürzlich eröffneten Uniqa Tower in Wien, städtebauliche Projekte wie z. B. den Wiener Westbahnhof… und viele Großprojekte mehr, für sich bestimmen können, sondern stets auch das Kleine aber Feine im Auge behalten. Der Architekt besitzt eine dicke Mappe mit eigenen Patenten und Prototypen von selbstentworfenen Brillen über Aschenbecher bis hin zu Möbeln und Kaminen, die alle seine Liebe zum Detail, eben auch bei Alltagsgegenständen, beweisen.
Die Bauherren wurden während der Bauphase vor große Probleme und Mehrkosten gestellt. Das neue moderne Haus mit seiner unheimlichen Großzügigkeit und den liebevollen Details macht die überraschende Katastrophenmeldung “Abbruch Altbestand” und die damit entstandenen Mehrkosten jedoch auf alle Fälle wett! Seit genau einem Jahr bewohnt das Bauherrenehepaar nun glücklich ihr neues, von traditionellen Villen und Weinbergen umgebenes Heim in Grinzing, und man kann sicher sein, dass sie nicht wehmütig an das alte Mansardendachhaus zurückdenken! Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 2/05.
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Einfamilienhaus Grinzing
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| Bauherr: | privat |
| Planung: |
Heinz Neumann |
| Mitarbeit: |
Manfred Pauker, Christian Bubik, Josef Posch |
| Bauleitung: |
HOUSINC |
| Statik: | Büro Balida |
| Bauphysik: | Bolek-Veit-Steppan |
| Grundstücksfläche: | 1.596 m2 |
| Bebaute Fläche: | 180 m2 |
| Umbauter Raum: |
1.806 m3 996 m3 über Niveau 810 m3 unter Niveau |
| Geschoßflächen: |
(BGF) 549 m2 312 m2 über Niveau 237 m2 unter Niveau |
| Nutzfläche: | 426 m2 |
| Planungsbeginn: | April 2002 |
| Bauzeit: | 11 Monate |
| Fertigstellung: | März 2004 |
| Fotos: | Margherita Spiluttini |
| Text: | Katharina Tielsch |
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