Wohnen am und mit dem Neusiedlersee

 

   

     

 

      

Einfamilienhaus B., Neusiedl am See, Burgenland/A

Planung: Hans-Peter Halbritter, Neusiedl a. See; Herbert Halbritter, Wien

    

Wenn vom Burgenland die Rede ist, dann werden Assoziationen geweckt - man denkt sogleich an die Weite der Landschaft und die spiegelnde Oberfläche des Neusiedlersees. Das Burgenland, das östlichste, jüngste und flachste Bundesland Österreichs, zeichnet sich durch die Natur mit ihrer landschaftlichen Schönheit aus. In der jüngsten Zeit wurde und wird es nun auch baulich mehr und mehr durch spannende und interessante Architekturprojekte aufgewertet.

Das hier beschriebene Haus B. ist am Rande des Ortes Neusiedl am See zu finden. Die auf 133 m Seehöhe gelegene Kleinstadt mit rund 6.000 Einwohnern wird nicht nur im Namen stark geprägt durch die Nähe des Neusiedlersees. Als "Meer der Wiener" bezeichnet gilt der größte Steppensee Europas als landschaftliches und natürliches Paradies nicht nur für seltene Vögel, sondern auch für sportbegeisterte Menschen. Das Sonnenklima mit seinen rund 2.000 Sonnenstunden pro Jahr macht die Gegend umso lebenswerter und die Menschen gastfreundlich und gemütlich. Der sportliche, besonders den Wassersport liebende Bauherr, der mehrere Boote sein eigen nennt, konnte im Siedlungsgebiet "Neusiedler Refugium" eine Parzelle direkt am Wasser erwerben. Auf dem im Schilfgürtel aufgeschütteten Siedlungsgebiet werden seit etwa dreißig Jahren Zweitwohnsitzhäuser errichtet, der Bauherr des Haus B. entschied jedoch, hier das ganze Jahr über zu wohnen.

Er hatte klare Vorstellungen, wie das Raumprogramm seines Hauses aussehen sollte. Stets viele Freunde und Gäste um sich scharend wünschte er sich, einen kommunikativen Ort sein Eigen nennen zu dürfen. Die Architekten Halbritter, die selbst aus der Gegend stammen, entwarfen ein großzügiges, klar konzipiertes Haus für zwei Personen und acht Katzen, das einen direkten Bezug zur vorhandenen Umgebung herstellt. Auch auf die Katzen hat der Architekt bei der Planung nicht vergessen und für diese eigene bauliche Maßnahmen in Form von Klappen für das Ein- und Ausgehen mitbedacht. Das Grundstück zeichnet sich durch seine Ecklage aus. An zwei Seiten von Schiffskanälen begrenzt ist man hier unmittelbar mit dem regen Treiben der Boote und Schiffe konfrontiert.

Die bauliche Intervention auf der lang gestreckten Parzelle nimmt die gesamte Breite des Grundstücks ein. Die Erschließungsstraße endet als Sackgasse im Carport, der für zwei Autos konzipiert ist. Auf duktilen Pfählen errichtet reicht das Gebäude direkt an den See. Mit Stahlplatten abgedeckte Metallspundwände bilden die Seekante. Das Gebäude ist nicht unterkellert. Der Basisbaukörper, also das Erdgeschoß, ist aus Stahlbeton, verkleidet mit einer zweischaligen Sichtbetonwand. Das daraufgesetzte Obergeschoß wurde als Holz-Riegel-Konstruktion mit teils vorgefertigten Elementen ausgeführt. Die patinierte Zink-Blech-Fassade des Obergeschoßes harmoniert mit den großzügigen Glasflächen und dem Sichtbeton. Das lang gestreckte Gebäude teilt sich in drei Bereiche - Carport, Innenhof und Wohnbereich. Der intime Innenhof stellt das Bindeglied zwischen den zwei Baumassen dar und wird teils von den darüber laufenden Stegen überdacht, die an eine Reling eines Schiffes erinnern.

Von hier führt eine außen liegende, einläufige Treppe ins Obergeschoß. Dieser Innenhof kann mit Schiebeelementen aus engmaschigem Kunststoffgewebe zum Wasser hin geschlossen werden, um ein windgeschütztes, atriumartiges Ambiente zu schaffen. So wurde ein intimer, fast uneinsichtiger Freiraum geschaffen, dessen Zugehörigkeit zum Haus durch den sich ins Innere fortsetzenden Bodenbelag noch verstärkt wird. Der Einsatz von wenigen, edlen Materialien bestimmt den Raumeindruck. Sandstein aus St. Margarethen für die Böden im Wohn-Ess-Kochbereich, geölte, geräucherte Eiche für die Böden im Obergeschoß und für Wandverkleidungen sowie Sichtbeton. In dem großen Raum besticht das durch die Glaswand gesteckte Möbel, das einerseits als Sichtschutz zum Wasser hin fungiert, andererseits Ablage aber auch ein Fassadenelement darstellt. Innen und Außen verschmelzen durch dieses Element.

Der Holzsteg entlang des Kanals bietet Zutritt zum Wasser und stellt die Verbindung zur Rasenfläche her. Der Bretterboden ist aus Bankirai-Holz. Im Obergeschoß finden ein Schlafzimmer, ein Gästezimmer, ein großes Arbeitszimmer sowie die Nassräume Platz. Der Arbeitsraum kann sowohl über das Innere des Hauses als auch über die außen liegende Treppe erschlossen werden. Die großen Fensterflächen nach Südwesten machen die extensive Begrünung auf der Dachfläche des Carports sichtbar. Auch die Nassräume öffnen sich großzügig zum Wasser hin, das Bad erscheint groß durch die in den Raum geholte Weite der Landschaft. Blickbeziehungen spielen im Haus B. eine große Rolle. Fast wie ein Aussichtsturm wurde der vorspringende Schlaferker ausformuliert. Die großzügige Verglasung lenkt den Blick über den breiten Schilfgürtel zum ca. vier Kilometer entfernt gelegenen Ort Neusiedl am See bis hin zu den am Abbruch der Parndorfer Platte situierten Weingärten.

Das Haus B. ist ein beispielhaftes Einfamilienhaus, das in seiner klaren Formensprache auf die Bedürfnisse der Bewohner eingeht, gastfreundlich gestaltet ist und dabei nicht auf intime Räume verzichtet. Etwas außergewöhnlich und bei den Nachbarn möglicherweise nicht so beliebt ist die Flutlichtanlage, die der Bauherr als passionierter Eisstockschießer eigens für die frühen Nächte in den Wintermonaten installieren lassen hat. Nicht zuletzt aufgrund des persönlichen Bezuges zur Region tragen die zahlreichen architektonischen Äußerungen der Architekturbüros Halbritter, deren Niederlassungen in Wien und Neusiedl am See zu finden sind, auf subtile Weise zur Gestaltung des regionalen Landschaftsbildes bei. Ohne zu protzen fügen sich die feinfühlig ausgeführten Bauten in die vorhandenen Gegebenheiten ein. Die Akzeptanz bei den Burgenländern steht außer Frage, und so erwarten wir gespannt, womit diese Büros in Zukunft zum regionalen architektonischen Ausdruck beitragen werden.

Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 3/05.

 

Haus B. in Neusiedl am See, Burgenland

Planung:

Hans-Peter Halbritter, Neusiedl am See
Herbert Halbritter, Wien

Mitarbeit:

Gerhard Königshofer, Peter Pschill

Statik: 

Gmeiner Haferl ZT GmbH

Baumeister: Miletich GmbH
Bautischler & Innentüren: Attwenger und Söhne GmbH
Elektroinstallation:  Elektro Taschner GmbH
Licht: Zumtobel Staff
Grundstücksfläche: 1.093 m2
Bebaute Fläche: 134 m2
Umbauter Raum: 823 m3
Planungsbeginn: Mai 2001
Baubeginn: Nov. 2003
Fertigstellung: Dezember 2004
Fotos: Harri Mannsberger
Text: Katharina Tielsch

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