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Wohnen im städtischen Grün |
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Martinstrasse 56, 1180 Wien Planung: Architekt Kronreif & Partner ZT GmbH/Wien |
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Die Atmosphäre einer Stadt wird grundlegend durch ihre Wohnbauten geprägt. In Wien geschieht diese Prägung vorrangig durch die Substanz jener Wohnbauten, die aus dem Massenwohnbau der Gründerzeit stammt. Etwa ein Drittel des Wohnungsbestandes in Wien stammt noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Neben umfangreichen Stadterweiterungsprojekten begannen zu Beginn der 1980er-Jahre Schlagworte wie “Stadterneuerung vor Stadterweiterung” in der Politik Fuß zu fassen. Inzwischen ist die “sanfte, bewohnerorientierte Stadterneuerung” und ihre Förderungsmöglichkeiten, die vor allem privaten Hauseigentümern bei der Modernisierung ihrer Althäuser helfen soll, aus Wien nicht mehr wegzudenken. Ein ebensolches Beispiel eines kleinen Wohnhauses befand sich im 18. Wiener Gemeindebezirk. Abgesehen von einem Tankstellen- und Garagenbetreiber, dessen Betrieb sich über das gesamte Erdgeschoß der Liegenschaft erstreckte und dadurch die Attraktivität für die Bewohner beeinträchtige, gab es keine architektonischen Besonderheiten an dem Haus in der Martinstraße. Ausgangspunkt des Projektes war der Wunsch der Alleineigentümerin, die bestehenden Substandardwohnungen zu verbessern. Aus diesem Grund wandte sie sich an die Architekten Kronreif & Partner, die ihr als erfahrene Planer in der Sanierung empfohlen wurden. Da der zweigeschoßige Straßentrakt die der Bauklasse entsprechende Kubatur nicht ausfüllte und die Wirtschaftlichkeit der Liegenschaft optimiert werden sollte, war eine der wesentlichen Bestandteile des Entwurfs die Aufstockung des Gebäudes um eineinhalb Geschoße. Um diese Sanierung finanzieren zu können und gleichzeitig sozial vertretbare Mietzinse zu ermöglichen, wurde das Projekt im November 2002 beim “wohnfonds_wien” (vormals WBSF) eingereicht. Nachdem das Land Wien eine Förderung zugesichert hatte, konnte im Jänner 2003 der Baubeginn erfolgen. Neben einer tief greifenden Sanierung der Bausubstanz, der Standardanhebung der vier bestandsfreien Wohnungen sowie den Zubau von drei neuen Wohneinheiten im Dachbereich des Altbaus sah das Projekt auch Maßnahmen wie die Sanierung vom Brandschutz der Tankstelle sowie die Anhebung der Wohnqualität durch die Flachdachbegrünung der Hofüberbauung vor. Um in dem sanierten Althaus den Komfort eines Neubaus genießen zu können, wurde im Erdgeschoß ein bereits leer stehendes Lokal aufgelassen und so die Schaffung eines von der Tankstelleneinfahrt getrennten Hauseinganges, eines Kinderwagen- und Fahrradabstellraumes sowie der Einbau eines Müllraumes ermöglicht. Der Zugang zu dem hofseitig angebauten Aufzug wurde stufenfrei und somit behindertengerecht ausgeführt. Ein Anliegen, das der älteren Hauseigentümerin, die nun eine Wohnung im ersten Geschoß bewohnt, wichtig war. Im Althaus gab es vor der Sanierung vier Substandardwohnungen. Ihr ursprünglicher Umriss wurde im Rahmen des Umbaus nicht verändert, die Raumabfolge jedoch grundlegend umstrukturiert. Die Wohnräume wurden auf die Hofseite des Gebäudes gelegt und konnten so sinngemäß mit den neu geschaffenen Freiräumen verbunden werden. Der Nachteil dabei liegt in der Orientierung der Schlafräume Richtung Straße. Dieser Aspekt der Sanierung, mit gewissen baulichen Gegebenheiten umzugehen, wurde im Zubau des Hauses so gut wie möglich wettgemacht. Beide neu errichtete Maisonettewohnungen erhielten eine “gerechte” Raumaufteilung nach beiden Seiten. Die Wohnungsgrößen im Zubau unterlagen der förderungsrechtlichen Bestimmung, 90 m2 im Durchschnitt nicht zu überschreiten. Aus dieser Vorgabe, die den Hintergrund besitzt, in erneuerungsdringlichen Stadtgebieten Wohnungen mit angemessenen Mietzinsen zu schaffen, entstanden zwei größere Maisonetten und eine Einzimmerwohnung im dritten Obergeschoß. Die Grundrisse der Kleinwohnungen unterliegen einem offenen und klaren Konzept. Auf die im sozialen Wohnbau häufig auftretende Verkomplizierung und Verwinkelung auf Kosten der Wohnräume, durch die Trennung von Bad und WC oder den Einbau von Badewannen, wurde hier verzichtet. Um im dritten Obergeschoß die volle Geschoßfläche für Wohnzwecke nutzen zu können und gleichzeitig einen architektonischen Akzent zu setzen, wurde das Stiegenhaus ab dem zweiten Obergeschoß an die Hoffassade “gehängt”. Bei seinem Anblick erinnert es an einen überdimensionalen Wintergarten und lässt hoffen, dass auch seine Nutzung ein wenig von diesem Charakter erhält. Der größte Gewinn für das Gebäude und seine Bewohner entstand jedoch durch die Dachbegrünung der Hofüberbauung. Die Fachwerkträger der Flachdachkonstruktion von Garage und Tankstelle mussten zu diesem Zweck verstärkt werden. Die zweistufige Flachdachsituation wurde ausgenützt, um im ersten Stock wohnungszugeordnete Gärten zu schaffen, die restliche Freifläche von rund 200 m2 wurde für die Benützung aller Hausbewohner gestaltet. Neben einer weitläufigen Rasenfläche wurden mittels drei Sitzterrassen aus Holz “private” Bereiche eingerichtet, die durch umlaufende Sträucher geschützt werden. Um das Gewicht des Zubaus gering zu halten und die Bauzeit zu verkürzen, wurde die Aufstockung in zweigeschoßiger Holz-Elementbauweise ausgeführt. Durch den hohen Vorfertigungsgrad konnte damit in nur vier Tagen die Montage inklusive Dachabdichtung abgeschlossen werden. Durch die Verkleidung mit beschichteten Fassadenplatten setzt sich der Zubau in Farbe und Oberfläche deutlich vom Altbestand ab. Die schlichte Straßenfassade des Althauses wurde durchgreifend saniert und ihre Gliederung auch im Zubau übernommen. Das alte Hauptgesims zieht hier eine Trennlinie zwischen Alt und Neu. Hofseitig schlugen die Architekten mit dem bereits erwähnten Zubau des Stiegenhauses einen deutlich anderen Weg ein. Alle Fensteröffnungen wurden zu französischen Fenstern umfunktioniert. “Das Neue” durchbricht mittels seiner farbigen Fassadenverkleidung die weiße Putzfassade des alten Gebäudes. Von der Hofseite aus gesehen wird der Charakter des Gebäudes von den Baukörpern Aufzugsschacht und roter Stiegenhauskubus bestimmt. Obwohl für eine durchgängig großzügige Gestaltung leider die Mittel zu knapp waren, ist das Projekt dennoch ein großer Gewinn für den Wohnbau im innerstädtischen Bereich von Wien.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 3/05.
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Wohnen im städtischen Grün Martinstrasse 56, 1180 Wien |
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| Bauherr: | Edith Uferbach |
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Kronreif & Partner ZT GmbH |
| Projektleitung: | Günther Trimmel |
| Projektassistenz: |
Anita Vrabec |
| Statik: |
Klaus Petraschka |
| Fassadenplatten: | Isomax |
| Aluminium- und Stahlkonstruktionen: | Kusolitsch GmbH |
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Dachgeschoß-Aufstockung, Ausbau als Holzleimbau mit Fertigteil- Dachelementen und Fassaden- verkleidung: |
Graf-Holztechnik GmbH |
| Wohnnutzfläche: | 540 m2 |
| Betriebsnutzfläche: | 480 m2 |
| Planungsbeginn: | April 2003 |
| Baubeginn: | Jänner 2004 |
| Fertigstellung: | Oktober 2004 |
| Fotos: | Branko Orasche, Archiv Architekten |
| Text: | Nicole Büchl |
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