Wohnhaus Flor

 

      

Zwei-Parteien-Haus in St. Veit an der Glan

Planung: spado architects 

    

Wie bringt man zwei Generationen in ein Haus? Ohne dass sich Jung und Alt ständig auf der Pelle hängen? Am besten, indem jeder sein eigenes Dach über dem Kopf bekommt. So haben es zumindest spado architects gemacht: Das Wohnhaus Flor steht an einem Hang oberhalb von St. Veit an der Glan und besteht aus einem Bestandsgebäude und einer versetzt dazu liegenden Aufstockung. Die junge Generation wohnt unten, die alte oben. Andreas Sauritschnig, Inhaber einer Metallbaufirma, bat Harald Weber und Helmut Rainer-Marinello sein Einfamilienhaus, ein Gebäude aus den 1960er-Jahren, zu modernisieren und um eine unabhängige Wohneinheit für seine Schwiegereltern zu erweitern. Der Um- und Anbau des Wohnhauses Flor, benannt nach dem Familiennamen seiner Frau, sollte in zwei Bauabschnitten passieren: zuerst die Erweiterung und dann die Modernisierung.

Die beiden jungen Architekten hatten für die Firma Metallbau Sauritschnig bereits eine Produktionshalle mit Flugdach und eine Aufstockung des Firmengebäudes realisiert. Das Erstlingswerk von spado architects, wie die beiden sich seit 1999 nennen, aber steht auf dem Gelände der Firma Funder in St. Veit an der Glan. Dort wo von Coop Himmelb(l)au das “Funder-Werk 3” mit den “tanzenden Kaminen” und von Günther Domenig das Fundernovum, ein multifunktionaler Veranstaltungsort, steht, hat auch spado gebaut: Einem Betriebsgebäude haben sie hier zur angrenzenden Bahntrasse hin eine markante Fassade aus Streckmetall vorgesetzt.

Das war 1999, fünf Jahre später ist nun das Haus Flor fertig geworden. Die Lage des Grundstückes ist beeindruckend: Es liegt an der Zenswegerstraße, die vom Stadtzentrum den Berg hinauf führt. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die Altstadt und die umgebende Landschaft. Während der Bestand etwas unterhalb und zurückversetzt von der Straße liegt, rückt der Neubau nah an diese heran. Die Aufstockung ist eine reine Stahlkonstruktion, die auf dem Bestandsgebäude und auf einer bestehenden Steinmauer aufliegt und unterhalb Raum für Parkplatz und Lagerraum schafft. Die Tragstruktur mit dazwischen gehängten Holzfertigteilelementen faltet sich zu der im Norden liegenden Straße hin vom Boden über die Wand in die Decke. Die drei anderen Seiten des Gebäudes dagegen sind offen und transparent: Vertikale Glasscheiben, die lediglich im Bereich von Öffnungsflügeln mit Profilen verstärkt werden, trennen das Innere vom Äußeren. In diesem ersten Bauabschnitt stehen den Bewohnern, in diesem Fall den Eltern der Bauherrschaft, achtzig Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung.

Das Bestandsgebäude wurde im zweiten Bauabschnitt modernisiert: Es wurde von allen Einbauten, die im Laufe der Zeit hinzugekommen waren, befreit und nach Osten hin erweitert. Eine Box, die zur Straße hin geschlossen und nach Süden hin verglast ist, schließt unmittelbar an den Altbau an. Diese Wohnraumvergrößerung sei aber im Gegensatz zur Aufstockung in Massivbauweise ausgeführt, erzählen die Architekten: “Das macht, glaube ich, auch die Stimmung von dem Gebäude aus. Man fühlt sich geborgen, weil die Räume von der Straße abgeschirmt und nach vorne hin offen sind.” Sogar dem Keller haben die Architekten neue Qualitäten verliehen: Der bis dahin dunkle und niedrige Raum wurde von spado großzügig zum Garten hin geöffnet. Über ein paar Stufen und eine kleine Terrasse erreicht man vom Garten aus den im Untergeschoß untergebrachten Fitnessraum.

Von außen ist Alt und Neu nach wie vor ablesbar: Der Bestand ist weiß verputzt, alles andere mit grauen MAX-Platten beziehungsweise in Richtung Süden mit schwarz emaillierten Glasplatten verkleidet. Die Gebäudeverkleidung überzeugt durch eine harmonische Materialauswahl und seine Detailgenauigkeit (die MAX-Exterior-Platten wurden nicht geschraubt sondern geklebt). Der Bauherr, der ja Fassadenbauer ist, ließ diese Arbeiten von seiner Firma ausführen. Nur das Glasdach über der Veranda stimmt mit der Eleganz des restlichen Gebäudes nicht ganz überein. Die Verspannung wirkt etwas grob. Dafür sorgt aber das darüber angebrachte Sonnensegel, das die Bewohner bei Bedarf ausfahren können, für eine schöne Stimmung. “Das Tuch sorgt für einen angenehmen Kontrast zu den sonst eher kühlen Materialien wie Glas und Metall”, meinen auch die Architekten.

Gerne hätte spado auf einen außen liegenden Sonnenschutz verzichtet. In den Glasfassaden Richtung Westen konnten sie diesen in den Isolierglasscheiben unterbringen, sodass er hochgezogen kaum zu sehen ist. Doch in den Fassaden Richtung Süden wollten sie auf keinen Fall darauf verzichten: “Das ist unsere Verantwortung dem Nutzer gegenüber. Bei Glasfassaden ohne außen liegenden Sonnenschutz geht man im Sommer einfach ein”. Das miteinander Wohnen von zwei Generationen wird beim Haus Flor einfach gemacht: Nicht nur die Eingänge zu den beiden Wohnungen liegen auf unterschiedlichen Niveaus, auch die Terrassen der beiden Einheiten bieten voneinander unabhängige und ungestörte Freibereiche. Die der oberen Wohnung liegt nicht nur höher, sondern auch so weit von der Gebäudekante des Bestandsgebäudes zurück, dass es keinen direkten Blickkontakt zwischen oben und unten gibt. Und doch können beide – die Hanglage macht es möglich – den gleichen Ausblick auf St. Veit und die umgebende Landschaft genießen.

           

Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 3/05.

 

Wohnhaus Flor-Sauritschnig

Zenswegerstr., A-9300 St. Veit/Glan

Bauherr:    Andreas Sauritschnig, Christin Flor
Planung:

spado architects, Helmut Rainer-Marinello, Harald Weber

Mitarbeit:

Martina Nageler, Hannes Schienegger, Bettina Unterweger, Walter Waldl, Mario Buxbaumer

Innenlayout, Beleuchtung 
Materialien und Möblierung:

office+home

Grundstücksfläche: 1.428,5 m2
Bebaute Fläche: 430,5 m2
Umbauter Raum: 1. Baustufe: 432 m3, 2. Baustufe: 1.584 m3
Planungsbeginn: 2002
Bauzeit: 18 Monate (2 Baustufen)
Fertigstellung: Oktober 2004
Text: Anne Isopp

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