Räumliche Einfachheit und Klarheit

 

      

   

     

 

Kindergarten Egg, Vorarlberg

Planung: Dietrich/Untertrifaller

         

Das Büro Dietrich/Untertrifaller Architekten existiert seit 1994. Seit Bestehen dieses Architekturbüros wurden neben vielen anderen Bauaufgaben stetig Kindergärten entworfen und umgesetzt. Österreich, vorwiegend das Bundesland Vorarlberg (Lauterach, Schwarzach, Lustenau, Wolfurt, Egg und Wien) ist bis dato um sechs Kindergärten von Helmut Dietrich und Much Untertrifaller reicher. 

Jeder dieser Bauten zeichnet sich durch seine Klarheit aus, die sich im Raumkonzept, dem sparsamen Umgang mit Ressourcen und dem richtigen Einsatz von Materialien äußert. Ganz so wie wir es von Vorarlberger Bauten gewohnt sind, zielen die Architekten nicht auf Sensation und Experiment ab, sondern zollen Respekt vor dem Ort und vor den späteren Nutzern des Gebäudes. In Egg, im Herzen der größten Gemeinde des Bregenzerwaldes, findet sich neben den großen Schulbauten der jüngst erbaute Kindergarten des Architektenteams, der mit einem zusätzlichen Musikprobelokal in seiner Nutzung erweitert wurde. So wie auch die Volkschule und das Biomasseheizwerk ist der Kindergarten an einem weitläufigen Platz mitten im 3.461 Einwohner zählenden Ort situiert. Von außen ist eine klare Dreiteiligkeit des Gebäudes zu erkennen. Der annähernd quadratische Grundriss offenbart sich mit drei unterschiedlichen Höhen. Zur Straße hin gegen Süden ist das Gebäude eingeschoßig und weist eine großzügige, raumhohe Verglasung auf. Ein vorgesetzter, erhöhter Holzrahmen schafft einen überdeckten Verandabereich, der vor Überhitzung, Bewitterung und Sonneneinstrahlung schützt.

Bereits von außen sichtbar wird dem mittleren Bereich des Volumens eine untergeordnete Rolle zugewiesen, hierin befindet sich der Erschließungsgang. Im Norden ist das Gebäude zweigeschoßig. Auf einem Stahlbetonbau mit Sichtbetonfassade scheint ein leichter Holzkubus zu schweben. Die Fassaden sind mit Weißtannenschalung aus der Region verkleidet. Der Bewitterung ausgesetzt wird das unbehandelte Material bald die Patina der umliegenden Holzbauten annehmen und sich so in seiner Farbigkeit natürlich in die Umgebung einfügen. Man betritt das von der Straße nach hinten versetzte Gebäude über einen sich durch das Innere ziehenden Erschließungsweg entlang der Ostfassade. Die dadurch erzeugte atriumsartige Eingangssituation gewährleistet einen für die Kinder sicheren und geschützten Zugang. Das gesamte Erdgeschoß bietet genügend Platz für die beiden nach Süden orientierten Gruppenräume der Kinder und die an der Nordfassade platzierten Nebenräume, wie Bewegungs- und Ausweichraum, Erschließungstreppe für das Obergeschoß, sowie Büro der Kindergärtnerinnen. Als autonome Volumen mit eigenen Garderoben und Nassbereichen sind die beiden Gruppenräume ausformuliert. Geteilt werden die beiden Funktionszonen durch einen ostwest orientierten Mittelgang, der an der Stirnseite verglast ist. Diese optische Verlängerung leitet den Blick in den zugehörigen im Freien liegenden Spielplatz. Das Obergeschoß bietet Platz für das Foyer und den Proberaum des Egger Blasmusikorchesters und der Chorgemeinschaft Bregenzer Wald. Der unbehandelte sägeraue Weißtannenboden und die Sperrholzdecke und -wände weisen ein gutes Absorptionsverhalten auf. 

Die von einem Stahlrahmen getragenen sichtbaren glatten Holzplatten können mittels Seilzug geöffnet werden. So trifft der Schall auf die unter der Kertoplatte fix montierten Akustik-Schaumstoffplatten, die schallschluckend wirken. Gemeinsam mit den beweglichen Wandelementen kann der Raum an alle akustischen Bedingungen angepasst werden. Akustische Störungen der benachbarten Bauten sowie eine Aufheizung der Räumlichkeiten werden durch die Wahl einer fixen Verglasung des Nordfensterbandes sichergestellt. Kontrollierte Be- und Entlüftung stellen die Luftqualität im Innenraum sicher. Der Eindruck der Gruppenräume ist warm und heimelig - hier überwiegt das Material Holz. Eine Verkleidung aus Birkensperrholz kennzeichnet die Wände und Decken der Gruppenräume. Holzriemenböden und das Mobiliar aus Holz tragen zur hellen und freundlichen Raumatmosphäre bei. Kontrastierend wurden die Wände im Gang in grauem Sichtbeton ausgeführt. Der orangerote PU-Bodenbelag bringt Farbe in das Gebäude und scheint zu leuchten. Das Gebäude ist in Mischbauweise, als Stahlbetonbau und Holzbau errichtet. Aus Gründen der akustischen Trennung zum darüber liegenden Probelokal wurde die vom Erschließungsgang im Norden liegende Zone des Erdgeschoßes in Stahlbeton errichtet. Die Gruppenräume und das Obergeschoß sind aus Holzelementen gefertigt. 

Die klare Geometrie mit ihrer Durchlässigkeit und Leichtigkeit, die die Funktionen im Innenbereich bereits von außen ablesbar macht, verlangt keine weiteren dekorativen Elemente. Harmonisch fügt sich der Bau in die Ortschaft ein, und der Eindruck entsteht, dass den Architekten diese Entwurfsaufgabe eines kinderfreundlichen Baus "kinderleicht" gefallen ist.

 

Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 4/05.

 

Kindergarten 

Pfister 825, A-6863 Egg

Bauherr:    Gemeinde Egg 
Planung:

Dietrich/Untertrifaller (Helmut Dietrich, Much Untertrifaller jun.)

Mitarbeit Planung, Projektleitung: Helmut Dietrich, Doris Gruber 
Baumeisterarbeiten:

Erich Moosbrugger, Andelbuch

Statik-Planung Holz: 

Merz-Kaufmann, Dornbirn

Statik-Planung Beton: Plankl, Bregenz 
HSL-Planung: E-Plus, Egg 
Zimmermeister: Kaspar Greber, Bezau 
Bauphysik: Bernhard Weithas, Hard
Umbauter Raum: 3.640 m3
Nutzfläche: 1.022 m2
Planungsbeginn: 2002
Baubeginn: 2003
Fertigstellung: 2004
Fotos: Bruno Klomfar
Text: Katharina Tielsch

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