Klein aber fein

 

       

 

Veranstaltungspavillon Frauental

Planung: Katrin Fürnschuss, Stefan Ohler

         

Die Weststeiermark wird oft und gerne als ein Teil Österreichs bezeichnet, der sich einerseits durch bedrückend schöne Landschaft als auch durch herzliche wie auch eigenwillige Bevölkerung auszeichnet, und selbstredend wird man hier überregional durch Kernölprodukte und den Schilcher vertreten. Diese Produkte waren auch der Anlass die “steirische Ölspur” ins Leben zu rufen – eine Lobby, ganz der Verbreitung weststeirischer Gaumenfreuden verschrieben.

Frauental, 2004 zum schönsten Blumenmarkt der Steiermark gewählt, ist seit 2003 in der “steirischen Ölspur” aufgenommen, was den Gemeindevorstand der Marktgemeinde dazu veranlasste, einen Veranstaltungspavillon zu bauen. Die Gemeinde sah einen Bauplatz neben dem Gemeindehaus im “Robert Fuchs Park” vor und wünschte sich dort einen durch seine Materialität harmonisch in das natürliche Umfeld eingebetteten Baukörper. Der seit August 2004 fertig gestellte Veranstaltungspavillon basiert konzeptionell auf variabler Nutzungsmöglichkeit, Flexibilität und Multifunktionalität. Der auf den ersten Blick als homogener Solitär wirkende Baukörper besteht aus zwei Teilen: Der Kubus, in seiner Funktion ein überdachter Außenraum und der beinahe zylindrische Pavillon. Kern des Pavillons ist der schließbare Raum: durch ein Glastor transparent, wegen seines runden Grundrisses dennoch heimelig. In geschlossenem Zustand bietet der Pavillon Platz für Lesungen, Vorträge, Besprechungen und Ausstellungen. Bei gutem Wetter und in geöffnetem Zustand soll eine erweiterte Nutzung durch beispielsweise Konzertveranstaltungen und standesamtliche Trauungen stattfinden.

So schlicht und unkompliziert der Pavillon in seiner bestehenden Form erscheinen mag, mussten wie so oft bei eleganter Architektur die Planer auch hier spezielle Lösungen für gewisse Details finden, um das Gebäude in seiner nunmehrigen Form erscheinen zu lassen. Das Schiebetor des Pavillons, in seiner Erscheinung 3,30 m hoch und imposante 10 m breit, fragte nach einer konstruktiven Lösung zum Schließen des Baukörpers. Alleine das große Problem war – wie so oft in dieser manchmal unleidlichen Baubranche – der streng definierte Kostenrahmen. Somit war klar: Dieser Pavillon wird nicht von einer handelsüblichen Torkonstruktion verschlossen werden.

Wie man allerdings schon vor geraumer Zeit an “holländischen de luxe Projekten” à la OMA und MVRDV sehen konnte: Man darf bislang nicht den klassischen Bauwerkstoffen angehörende Gegenstände gut und gerne entfremden, um Details zeitgenössisch und lösungsorientiert zu beantworten. Die beiden Jungarchitekten haben bei ihrem Pavillon wohl holländisch gedacht, und siehe da, die Lösung war parat: 60 cm breite Nurglaselemente, oben und unten geführt, lassen sich entlang der gekrümmten Wand in das Innere des Pavillons schieben. Die Schiebekonstruktion besteht aus einem der Wand angepasstem Rundrohr, auf welchem Rollenpaare mit Aufhängungen geführt werden, die normalerweise in Schlachthöfen zum Transport von Fleischprodukten verwendet werden. Weniger dramatisch ging es bei der restlichen Detaillierung und Ausführung einher: Die Tragstruktur des Pavillons besteht aus einem biegesteifen Stahlrahmen, an den sich die gekrümmte Holz-Riegel-Wand anlehnt. Ein auf diese Konstruktion aufgesetzter Leimholzring dient der Kreuzlagenholz-Plattendecke als Auflager. Die oben genannte Holz-Riegel-Wand wurde außerdem mit OSB-Platten beplankt, auf welche Winddichtung, Konterlattung und schlussendlich Holzverschalung aus sibirischer Lärche angebracht wurden. Die Innenverkleidung ist wie die Hülle Zimmermanns mäßig hergestellt – die außen begonnene senkrechte Holzverkleidung setzt sich im Innenraum fort.

Der Anfangs erwähnte Kubus, in dem der Kernraum steckt, stellt grundsätzlich sowohl den überdachten Außenraum als auch Pufferzone zwischen Park und Veranstaltungsort dar. Dieser Hybrid zwischen Innen- und Außenraum ist als Stahlgerippe formuliert und Träger für Lamellen aus sibirischer Lärche, welche am Dach mit Drahtglasgewebe abgedeckt sind.

Das Schöne an diesem Pavillon ist seine vielseitige Betrachtungsweise. Da war ursprünglich der Wunsch der Gemeinde ein Pavillon in Kürbisform als Hommage an die steirische Kürbiswelt und die genannte steirische Ölspur. Dann kamen Katrin Fürnschuß und Stefan Ohler, damals noch Studenten, und konnten die Gemeinde mit einem abstrahierten Kürbispavillon überzeugen. Und heute, ein paar Monate nach der Eröffnung des Pavillons: Die Gemeinde ist begeistert, freut sich ob ihres Icons, das für Offenheit und Neues steht, und die Planer sind mittlerweile in London lebende und arbeitende Architekten. Architektur kann ja so schön sein...

 

Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 4/05.

 

Veranstaltungspavillon Frauental

Schulgasse 1, A-8523 Frauental

Bauherr:    Marktgemeinde Frauental
Planung und ÖBAU:

Katrin Fürnschuß, Stefan Ohler

Beleuchtung: Siteco
Zimmermeisterarbeiten & Holzkonstruktion:

Holzbau Fürnschuß GmbH

ÖBA: 

Josef Fuchs

Bebaute Fläche: 133 m2
Planungsbeginn:  2003
Bauzeit: 5 Monate
Fertigstellung: August 2004
Fotos: Archiv Architekten
Text: Sandra Knöbl

Mehr gibt es in der Printausgabe! 
Nur ein Abonnement sichert Ihnen einen regelmäßigen und sicheren Bezug!