Sauna in der Therme Oberlaa

 

  

   

 

Sauna in der Therme Oberlaa

Planung: LOVE architecture and urbanism/Graz

         

Die Kurtherme in Wien-Oberlaa liegt südlich vom Laaerberg in Wien-Favoriten, sie ist die zweitgrößte Therme Österreichs und die einzige in einem großstädtischen Umfeld. Die ältesten Teile der Therme stammen aus dem Jahr 1969, seither wurde immer wieder umgebaut und dazugebaut. Im Untergeschoß befindet sich eine Sauna-Anlage, mit deren Umgestaltung die Grazer Architekengruppe “LOVE” beauftragt wurde.

Die Verantwortlichen seitens der Bauherrenschaft waren das Umbauen schon so gewohnt, dass sie den Planungen von LOVE zuerst gar keine besondere Bedeutung beimaßen, erzählt Projektleiter Thomas Pucher. So kam es, dass LOVE weitgehend freie Hand hatte und das Endergebnis eine große Überraschung für die Auftraggeber darstellte. Zwar wurden die ungewöhnlichen Ideen von LOVE schon während des Entwurfsprozesses mit Staunen zur Kenntnis genommen, was sie aber in der Praxis bedeuten wurde erst im Laufe der Fertigstellung sichtbar. Auch die Handwerker glaubten, die Arbeiten an der Sauna bereits von früheren Umbauten zu kennen und waren nicht darauf eingestellt, dass nun plötzlich andere Ansprüche zu erfüllen waren. Eine kleine Nervenprobe für alle Beteiligten, doch alles ging gut. Sogar die bisherige Klientel der Sauna, die mit der alten Sauna “mitgewachsen” ist und der Altersklasse 60+ angehört, findet die Neugestaltung durchwegs toll. Da die Sauna kaum Nachwuchs hatte, waren die Kunden immer weniger geworden. LOVE schaffte es, nicht nur ein gewitztes Ambiente zu schaffen, das voller netter Ideen ist, sondern mit einem raffinierten Stil-Mix sowohl das ältere als auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Zudem ist es gelungen, den Charme der 1960er- und 1970er-Jahre neu aufleben zu lassen, obwohl von diesem Charme vor dem Umbau rein gar nichts zu bemerken war.

Die Planung von LOVE ist einerseits klar konzipiert, andererseits aber flexibel und kleinteilig genug, um sich mit dem Bestand spielerisch arrangieren zu können. Alles wirkt leicht und luftig, ungezwungen und heiter. Ziel der Planung war es vor allem, der Sauna eine neue Stimmung zu verleihen, die geeignet ist, ein jüngeres Publikum anzuziehen. Die Haus-, Sauna- und Wassertechnik wurde fast zur Gänze belassen, die Umgestaltung beschränkte sich auf eine neue Organisation der Räumlichkeiten und auf die Gestaltung der Oberflächen. Das neue Ambiente ist nicht für die Ewigkeit bestimmt, sondern eine temporäre Einrichtung für die nächsten Jahre. Das Konzept besteht im Wesentlichen aus fünf Maßnahmen: Erstens wurde der Grundriss “aufgeräumt”, indem die Duschen, die sich in zentraler Lage befanden, abgerissen wurden und in die Randbereiche verlegt wurden. Auf diese Weise wurde Platz geschaffen für zusammenhängende Ruhe- und Aufenthaltsräume. Alle unnötigen Wände wurden entfernt, und wo früher unübersichtliche Verhältnisse mit verwinkelten Gängen herrschten, erstreckt sich nun ein abwechslungsreicher Großraum mit vielfältigen Blickbeziehungen.

Zweitens wurden teilweise die Unterdecke entfernt, um mehr Höhe zu gewinnen, und die darüber liegenden Leitungen freigelegt. Es stellte sich heraus, dass ein Teil der Leitungen gar keine Funktion mehr hatte und daher abgerissen werden konnte. Die verbleibenden Leitungen wurden mit Schriftzügen versehen, die die Betrachter zu erholsamen Assoziationen anregen.

Drittens wurde bis zur Höhe der früheren Unterdecke eine umlaufende Wandverkleidung aus cremeweißem Corian angebracht, in die teilweise schlitzförmige Öffnungen eingeschnitten sind, die als Ablagen für Handtücher dienen. Die Ausnehmungen sind innen lachsfarben und brokatgemustert. Viertens wurde der Fußboden erneuert. Er besteht jetzt aus hellen Mosaikfliesen mit einem ungewöhnlichen Schlangenledermuster. Das Muster erscheint unregelmäßig, ist aber ein Serienprodukt. Im Bereich der Duschen wurden die Fliesen auch über die Wände hochgezogen. Fünftens wurde eine Vielzahl von erheiternden “Features” installiert, die einen “Oh, was ist denn das ?”-Effekt auslösen. Was sind denn das für Möbel und Leuchten und Bilder und Einbauten? Sehr originelle auf jeden Fall. Die Möbel und Leuchten wurden im Handel eingekauft. Darunter Luster, Kandelaber und goldene Bilderrahmen. Die Liegen und Einbauten wurden von LOVE designed, z. B. ein foliertes geknicktes Bild, in dem man sitzen kann, und ein Doppelsitzer-Kneipp-Becken mit integrierter Blumenvase. In den Toiletten prangen abwaschbare Dekor-Tapeten. Es gibt ein Aquarium, ein Fransenregal, farbige Glasflächen bei den Waschboxen und unterschiedlich gestaltete Ruheräume. Der Ruheraum für die Damen ist in Weiß gehalten und mit einem Wallevorhang dekoriert. Im Ruheraum für die Herren dominieren Cognacfarbe und Orange. Über den Kneipp-Becken ist ein Wolkenhimmel aufgespannt. Die Innenhöfe, die zum Teil über drei Geschoße reichen und aus Gebäuderückseiten gebildet werden, wurden über die ganze Höhe mit Screens verkleidet, die eine heiße Wüste darstellen. Die Beleuchtung in den Innenräumen ist eher gedämpft und betont den Fußboden mit einer umlaufenden Lichtröhre in Sockelleistenhöhe. In Teilbereichen ist der Fußboden schwarz und aus einem Kunststoff, der wie Rattan aussieht. Die Farbe spielt eine wichtige Rolle. Blau und Weiß signalisieren Frische. Grün und mit Braun verwandte Töne wirken beruhigend. Keine Spur ist mehr da von der früheren Atmosphäre, die man sich am besten gar nicht vorstellt. Es ist ein Charakteristikum des LOVE-Teams, dass seine Entwürfe sehr unprätentiös und kontrastreich wirken. Obwohl die Materialien teilweise sehr hochwertig und ungewöhnlich sind, lösen sie keine Berührungs- oder Schwellenängste aus, da sie mit preisgünstigen Lösungen gemixt werden. Das ist vielleicht mit ein Grund, warum die Sauna in Oberlaa so gut angenommen wird, auch von Menschen, die mit Architektur an sich nichts am Hut haben. Die Architektur von LOVE spricht direkt das Gefühl an, sie vermittelt einmalige Stimmungen und einen großen Reichtum an Erlebnissen, die Freude machen. 

In dieser Sauna gibt es immer wieder was zu entdecken, sie ist wie eine Art Wunderland. Thomas Pucher bekennt, dass er seine Planungen am ehesten mit Philippe Starck verwandt sieht. Ein wesentlicher künstlerischer Input kam von der Mitarbeiterin Heidrun Steinhauser.

Derzeit wird ein Totalumbau der gesamten Thermenanlage geplant, sie soll zur Wellness-Oase werden. Das LOVE-Team wurde bis jetzt nicht involviert, was unverständlich ist. Freie Hand zu haben ist ein großes Glück für jeden Planer, aber die Gestaltung von Bauvorhaben sollte nicht dem Zufall überlassen werden, sondern auf echter Wertschätzung beruhen. Die Auftraggeber haben auf jeden Fall Mut bewiesen und ein sehr schönes Projekt ermöglicht.

 

Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 4/05.

 

Sauna Oberlaa

Kurbadstraße 10, A-1107 Wien

Bauherr:    Therme Oberlaa BetriebsgesmbH
Planung und ÖBAU:

LOVE architecture and urbanism ZT GmbH
Jenewein, Kilian, Kleinhapl, Pucher, Schönherr

Mitarbeiter: Wilhelm Eder, Gerald Brencic, Heidrun Steinhauser
Glastrennwände:

HALI

Tischlerei, Innenausbau: 

Inform

Textilausstattung: Dingsleder
Fliesenleger: Kovacs & Balatka
Planungsbeginn: Dezember 2004
Bauzeit: 2 Monate
Fertigstellung: April 2005
Fotos: Rupert Steiner
Text: Irmgard Brottrager

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