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Offenes Kulturhaus |
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Das Email-Werk, Offenes Kulturhaus in Seekirchen Planung: 2plus-architekten |
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Viele Gebäude ereilt das gleiche Schicksal: Sie wurden für einen bestimmten Zweck und Nutzen erbaut und dementsprechend genutzt. Irgendwann stehen sie leer, weil sie für eben diesen Nutzen nicht mehr gebraucht werden, und dann beginnt der langwierige Prozess, eine neue Bestimmung zu finden und zu finanzieren. So werden aus Wohnungen Büros, aus Industriebauten Wohnungen oder aus ehemaligen Fabriken Kulturbauten – geschickt adaptiert erweisen sich solche umgenutzten Räumlichkeiten zumeist als äußerst gelungen, ist doch die Geschichte des Hauses allemal spürbar.
Im Ortszentrum von Seekirchen am Wallersee im Salzburger Flachgau, nur 16 km von der Stadt Salzburg entfernt, wurde erst kürzlich, am 21. Mai, ein neues Veranstaltungszentrum in alten, umgebauten Gemäuern eröffnet und lockt seither nicht nur die ortsansässigen Schaulustigen an. Vis-à-vis des Gasthauses Bräu in dem 9.200 Einwohner zählenden Ort Seekirchen befand sich bis vor kurzem ein Gebäude im ländlichen Stil, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Ursprünglich als Lagerhaus, ab 1942 als Emaillierungswerk der Windhager Zentralheizungs AG, wo mit mehr als 800 Grad Celsius Metalloberflächen veredelt wurden, und nach 1972 wiederum als Lager genutzt, dient es heute nach mehr als 40 Jahren abermals als Schmelztiegel – allerdings für zeitgenössische Kunst und Kultur. Das Erscheinungsbild des Hauses ist heute keinesfalls mehr ländlich. Innen und außen der Nutzung entsprechend adaptiert dient es dem Kulturverein Seekirchen, der sich kunstBOX nennt, als Probe- und Spielstätte für das umfassende Programm. Die Vorbereitungsphase für den Bau war lange und hat mit einer Unterschriftenaktion im Jahr 2001 begonnen. Das vor zwei Jahren gegründete Architekturbüro “2plus-architekten” wurde schließlich mit der Planung des Umbaus beauftragt. 660.000 Euro und kein Cent mehr standen als Baukosten für die Haustechnik, Bühnentechnik, Einrichtungen und sämtliche Honorare zur Verfügung. Die Kosten wurden von der EU, dem Land Salzburg und der Stadt Seekirchen getragen. Nach neun Monaten Bauzeit ist das Gebäude nun endlich seiner neuen Bestimmung und damit der Öffentlichkeit übergeben. Heute hebt sich das Gebäude optisch mit seinem neuen, zeitgenössischen Erscheinungsbild als Farbtupfer von der Umgebung ab. Aus dem dunklen Anthrazit der Mauern strahlt eine dunkelorange und dem Seekirchener Kunstverein den Namen spendende Box, viel Glas erhellt den Zugang zum Foyer und die von Montag bis Samstag geöffnete “foyer-bar”. Die ehemaligen Fenster wurden teils zugemauert und glatt verputzt, sie heben sich von dem rauen Außenputz der Fassade ab und erinnern dennoch an einst. Das Haus beherbergt einen flexibel einsetzbaren Veranstaltungsraum mit 234 m2 samt einer variablen Bühne und ist mit einem Büroraum, einem kleinen Barbereich sowie einem weiteren Raum für kleinere Veranstaltungen ausgestattet. Die Platzkapazität bei reihenmäßiger, untereinander verbundener roter Theaterbestuhlung umfasst im Erdgeschoß 120 Besucher, und weitere 30 Gäste können auf der Galerie Platz nehmen. Wahlweise gibt es auch andere individuelle Bestuhlungs-Lösungen für die unterschiedlichsten Anlässe. Neben Abendveranstaltungen, wie Konzerte, Vorträge, Theater, Präsentationen usw. ist dieser Raum auch für tagsüber stattfindende Seminare, Kurse etc. nutzbar. Das Haus selbst verfügt über eine moderne technische Infrastruktur in Bühnen-, Licht- und Tontechnik, Lagerräume, einen Proberaum und ausreichende Sanitäreinrichtungen. Das Herz des Hauses bildet das Büro, das als orangene Box ausgeführt wurde. Ebenerdig und im ersten Stock wird ein gastronomischer Betrieb eingerichtet. Die gesamte Kubatur des Bestandes wurde ausgenutzt und minimal ergänzt. Nach kompletter Entkernung des dreigeschoßigen Gebäudes wurde die letzte Geschoßdecke unter Verwendung eines neuen Tragsystems für den bestehenden Dachstuhl gehoben, um eine maximale Raumhöhe für den Veranstaltungssaal zu erzielen. Die Dachhaut blieb weitgehend erhalten. Man betritt das Gebäude über eine Außentreppe oder eine behindertengerechten Rampe, beide aus verzinktem Stahl ausgeführt, im Erdgeschoß. Die Vertikalerschließung im Inneren erfolgt über unterschiedliche Treppenanlagen oder einen Aufzug mit vier Haltestellen (KG-DG). Eine Fluchtstiege bei der Bar sowie ein Ausgang bei der Bühne für die Anlieferung stellen weitere Außenverbindungen dar. Der dunkelantrazithfarbene Veranstaltungsraum nimmt den Großteil des Raumes ein. Eine gut besuchte Bar ist direkt vom Foyer zu begehen, sie wirkt durch die große Verglasung hell und freundlich. Der Theaterproberaum sowie die Toilettenanlagen sind von einem zentralen Vorraum im Kellergeschoß zu erschließen. Das Obergeschoß beherbergt einen Aufenthaltsraum, die Künstlergardarobe, die mit einer Wendelstiege direkt mit der Bühne verbunden ist, Dusche und WC für die Künstler, die Bürobox des Kulturvereines, den Aufgang in das Dachgeschoß und die leicht verdreht und damit asymmetrisch im Veranstaltungssaal platzierte Galerie. Der Knotenpunkt dient einerseits als Erweiterung der Bar, andererseits kann er für kleine Veranstaltungen wie Lesungen genutzt werden. Im Dachgeschoß befindet sich ein Dachlagerraum für Bühnenelemente und Bestuhlung, der Technikraum für die Heizung mit Schleuse und ein Stiegenabgang. Der ehemalige Liftschacht des Gebäudes wurde als Technikzentrale adaptiert. Deckenuntersichten und Böden zeigen sich in Sichtbeton, Letztere teils auch in Industrieparkett. Die Stiegengeländer und Schachtverkleidungen im Innenbereich sind in Glas ausgeführt. Konstruktiv kommt Holz und Rohstahl in unbehandelter Ausführung zum Einsatz. Farbakzente werden einerseits in der außen wie innen orange ausgeführten Bürobox und andererseits durch den mit hinterleuchteten transluzenten roten Glastafeln verkleideten Lift- und Installationsschacht gesetzt. Spezielle Leuchten im Barbereich wurden eigens entworfen. Es ist zu wünschen, dass der Trägerverein “KunstBox” mit seinem Programm Akzente abseits des Treibens in der Stadt Salzburg setzen wird, Innovatives zulässt und der Kreativität der Künstler keine Grenzen setzt. Die Räumlichkeiten hierfür sind jedenfalls geschaffen!
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 5/05.
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Das Email-Werk – Kulturhaus Seekirchen, Obermarkt |
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| Bauherr: | Kulturverein Seekirchen KunstBOX, Seekirchen |
| Planung: |
2plus-architekten,
Seekirchen |
| Mitarbeiter: | Dagmar Braitenthaller |
| Statik: |
Helmut Asen, Seekirchen |
| Nettonutzfläche: | 588,38 m2 |
| Umbauter Raum: | 3.321,05 m3 |
| Grundstücksgröße: | 591,00 m2 |
| Baubeginn: | Oktober 2004 |
| Fertigstellung: | Mai 2005 |
| Fotos: | Leo Fellinger, Archiv Architekten |
| Text: | Katharina Tielsch |
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