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Architektur als Bühne für Mensch und Maschine |
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Reprozwölf, Wien Planung: archiguards
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Das Straßenbild der Fockygasse im 12. Wiener Gemeindebezirk wird nun seit über einem Jahr von dem ungewöhnlichen Erscheinungsbild eines Hauses bereichert, dessen Entstehungsgeschichte mit relativ pragmatischen Überlegungen begann. Der Reprotechnikbetrieb des Ehepaars Spannbauer, der auf drei Standorte verteilt arbeitete, sollte erweitert, erneuert und zusammengefasst werden. Ein geeignetes Grundstück dafür lag in Gehweite des ursprünglichen Betriebes und war durch ein altes Industriegebäude besetzt.
Zur Ideenfindung wurde neben anderen das junge Architektur-Team archiguards eingeladen, welches mit seinem Entwurf überzeugen konnte und schließlich mit der Planung des Neubaus beauftragt wurde. Sich dem Bauherrn dieses Industrie-Projektes auf die gleiche Art und Weise zu widmen wie bei einem Einfamilienhaus – einem der Haupteinsatzgebiete der archiguards – war für die Architekten der Schlüssel für ein aktives Verhältnis zur Bauherrenschaft. Bei ihrer Planung stellten sie für sich den Anspruch, eine Bühne für das alltägliche Handeln der Bauherren und ihrer Mitarbeiter zu schaffen. Und zwar nicht mittels purer Inszenierung von Erlebnissen, sondern durch eine Interpretation der Persönlichkeiten der Akteure. Eine der ungewöhnlicheren Aufgabenstellungen im Entwurfsprozess war der sparsame Umgang mit Tageslicht, das die Beurteilung der Farbechtheit auf dem Bildschirm bei falschem Einsatz erschwert. Gemeinsam mit der ausdrücklichen Vorgabe, keine großflächige Glasfassade einzusetzen, entstand ein Konzept, das zwischen den Betrachter und die hochtechnische Maschinerie eine Filterzone legt, deren Transparenz je nach Lichteinfall und Tageszeit wechselt. Es scheint, als ob inmitten einer Häuserflucht von schlichten Gründerzeithäusern durch die Verkleidung zweier Feuermauern mit Naturstein eine Baulücke geschaffen worden wäre, in die das Gebäude eingesetzt wurde. Auf Straßenniveau gibt das Erdgeschoß öffentlichen Raum frei. Damit wird die Schnittstelle aller notwendigen Zu- und Ausgänge entknotet und eine klare Eingangssituation ermöglicht. Das schwebende Schild aus Stein schützt das Innenleben der Geschoße vor Straßenlärm und Sonnenlicht. Hinter der Scheibe verbirgt sich das offene System eines modernen Werkhofes. Da in der Reprotechnik Änderungen in Produktions- und Arbeitsabläufen aufgrund der technischen Entwicklung vorprogrammiert sind, war die flexible Grundrissorganisation der Büroflächen ein wesentlicher Faktor. Die Architekten lösten dies mittels eines offenen “Regalsystems”, das – bestehend aus drei Ebenen – auf dem dunkelgrauen Korpus der Druckerei sitzt und oben durch den dynamischen Glaskörper des Dachgeschoßbüros fortgeführt wird. Verbunden werden diese horizontalen Ebenen über einen vertikalen Raum, der sich direkt hinter das steinerne Schutzschild als Puffer zu den eigentlichen Arbeitsräumen schiebt. Die gesamte Erschließung wird über diesen Vertikalraum abgewickelt. Diese Kommunikationszone ist nur durch eine Glaswand von den Arbeitsbereichen getrennt. Beginnend von dem streng geometrisch gestalteten Foyer im Erdgeschoß kann so das gesamte Haus in einer Schleife durchwandert werden, ohne die Arbeitsabläufe zu stören. Die Büroflächen selbst sind durchwegs in matten, dunklen Farben gehalten um jegliche Reflexionen zu vermeiden. Alle notwendigen Installationen wurden in den Boden oder die hofseitige Außenwand gelegt, die Sichtbetondecken konnten somit frei von Lüftungskanälen und Kabeltassen gehalten werden. An der Hofwand wurden die Installationen in tischlermäßige Konstruktionen verpackt, die parallel dazu als Stauraum dienen. Die tiefen, mattschwarz verkleideten Fensterleibungen, die sich daraus ergeben, ermöglichen den Mitarbeitern wiederum den größtmöglichen Ausblick und Kontakt zu ihrer Umwelt, bei minimaler Reflexion auf ihrem Bildschirm. Das Dachgeschoß mit seinen Büroflächen wurde als eigene Einheit geplant, um eine getrennte Vermietung zu ermöglichen. Aufgrund von unterschiedlich zulässigen Gebäudehöhen auf dem Grundstück konnte ein Teil des zurückversetzten Dachkörpers zweigeschoßig ausgeführt werden. Optisch markante Höhenlinien der Nachbarhäuser fließen in die Gebäudekanten des Bürogebäudes hinein und unterstützen den ruhigen Eindruck des straßenseitigen Bildes. Der weiße Sonnenschutzflügel bildet dabei den oberen Abschluss der aufgesprungenen Gebäudeschachtel. Das Muster der glatten Lochfassade im Hof ist von schmalen Vertikalstreifen aus transparenter Wärmedämmung durchsetzt. Das anonyme Schema wird von der freistehenden Fluchtstiege durchquert, die vom Dachgeschoß bis auf das begrünte Flachdach der Druckerei läuft. Der kristalline Holzkörper, der hier auf dem Flachdach liegt, durchstößt die rückwärtige Fassade und provoziert durch den unerwarteten Materialwechsel den absoluten Überraschungseffekt. In diesem Korpus befindet sich der Konferenz- und Veranstaltungsraum, der von den Bauherren auch gerne zum Tangotanzen gebraucht wird. Die rustikale Atmosphäre der kreuzverleimten Massivholztafeln steht in krassem Gegensatz zu harten Materialien wie Beton, Stahl und Glas. Gemeinsam mit dem Statiker Oskar Graf wurde ein ausgeklügeltes statisches System konzipiert, durch das die geforderte Flexibilität der Geschoßflächen erreicht wird. Die unterzugfreien Deckenplatten aus Stahlbeton spannen sich von der massiven Hofscheibe zu einem offenen System aus Vertikal-, A- und V-Stützen. Über diese Zone hinaus ragen Kragarme, an denen das Schutzschild hängt. Sie ermöglichen die freie Anordnung von Schlitzen und Deckenöffnungen und die Entstehung von Durchblicken und Lichtspielen in der vertikalen Kommunikationszone. Der industrielle Charakter des Sichtbetons, die klassische Eleganz des Kalksteins, die kühle Modernität der gläsernen Oberflächen und die Signalwirkung der farbigen Wände wurden von den Planern bewusst eingesetzt, um in den jeweiligen Bereichen differente Atmosphäre zu erzeugen.
Letztendlich zum Leben gebracht wurde das Gebäude von seinen Benutzern, die auf der für sie zugeschnittenen Bühne agieren und so gemeinsam mit der Architektur die (gebaute) Philosophie des Unternehmens repräsentieren.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 5/05.
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Bürohaus Reprozwölf Fockygasse 29–31, A-1120 Wien |
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| Bauherr: | Reprozwölf Spannbauer GmbH & Co. KG |
| Planung: |
archigards projects® |
| Mitarbeiter: | Martha Wolzt, Terlikiewicz S. |
| Statik/ÖBA: |
Oskar J. Graf, ZT-Ingenieurbüro |
| Beleuchtung: | Siteco |
| Sonderglaskonstruktionen: | fuchs glas-technik.at gmbh |
| Neuerrichtung der Aufzugsanlage: | Haushahn Aufzüge GmbH |
| Grundstücksfläche: | 876 m2 |
| Bebaute Fläche: | 765 m2 |
| Umbauter Raum: | 12.070 m3 |
| Planungsbeginn: | Dez. 2001 |
| Bauzeit: | 14 Monate |
| Fertigstellung: | Mai 2004 |
| Fotos: | Gerald Zugmann / Archiv Architekten |
| Text: | Nicole Büchl |
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