Alpbacher Architekturgespräche

 

   

 

Alpbacher Architekturgespräche  im Rahmen des Europäischen Forums 2005 “ARCHITEKTUR-AUSBILDUNG” 19.08.05–20.08.05

         

Fragen wie “Wie kann man Architektur vermitteln?”, “Welche Aufgaben muss eine Architekturfakultät erfüllen?”, “Gibt es ein Europäisches Ausbildungssystem?” oder “Kann Kreativität gelernt werden?” beschäftigten zwei sonnige Augusttage lang einen kleinen, ca. 200 Teilnehmer umfassenden, aber feinen Kreis von (Architektur-)Lehrenden, Architekten aus der Praxis, Bauschaffenden und Studenten. Die Alpbacher Architekturgespräche 2005 widmeten sich gedanklich vor allem jenen jungen Europäern in der Architekturszene, die sich eben noch BILDEN, in der Ausbildung sind und die in Zukunft unsere Umwelt mitverändern werden. Diejenigen, über die eigentlich geredet wurde, nämlich die betroffenen Studenten, waren jedoch nicht sehr zahlreich anwesend, obwohl es die Möglichkeit eines Stipendiums für das Symposium gab.

 

Kamen am ersten Tag zunächst Bauherren und Arbeitgeber zu Wort, die aus ihrer Sicht die Erwartungen an UniversitätsabsolventInnen schilderten, so wurden am zweiten Tag unterschiedliche europäische Ausbildungsmodelle von Lehrenden präsentiert. Schade nur, dass die Zuhörerschaft des zweiten Tages nicht unbedingt die Vortragenden und Posiumsdisskussionsteilnehmer des ersten Tages waren. Die Trennung zwischen Praxis und Theorie fand somit auch ein wenig in Alpbach statt. Sascha Spoun von der Universität St. Gallen fordert, die Studierenden nicht nur als Kunden einer Universität, sondern als deren Bürger und Bürgerinnen zu betrachten. Am ersten Tag wurden die Fähigkeiten der Architekturabsolventin zwar bemängelt, jedoch war der allgemeine Konsens, dass man die nötigen Erfahrungen nur in der Praxis selbst sammeln könnte. Siegfried Loos, Sprecher der IG-Architektur, allerdings fragt nach, wo man denn eben als Junger bauen kann. Seinen Vortrag beginnt er mit dem Satz: “Lasst die jungen Bauen, bevor sie alt sind!”

Heidemarie Schrodt, Direktorin des Gymnasiums in der Rahlgasse Wien, bemerkt, dass die Bildungsinhalte diskutiert werden müssen und nicht das Woher und Wohin. Ein schweres Unterfangen in einer Gesellschaft, wo das Wissen und der Erwerb von Wissen hauptsächlich von ökonomischen Faktoren geprägt wird. Es geht letztendlich nur mehr um die Verwertbarkeit. Am zweiten Tag wurden dann unterschiedliche Ausbildungsmodelle von diversen europäischen Städten aufgezeigt. Die Umformulierung der Inschrift auf der Wiener Sezession “Der Zeit ihre Bildung, der Bildung ihre Freiheit” fordert Alberto Estevez für die Ausbildung. Er ist  Mitbegründer der jungen Architekturschule ESARQ in Barcelona.

Das Berlage Institut in Rotterdam hat einen interessanten Weg eingeschlagen. Bereits während der Ausbildung werden konkrete Projekte realisiert, die Uni wird zu einem dienstleistenden und gefragten Partner. Natürlich setzt eine solche Herangehensweise bereits einiges an Vorwissen voraus. Auch die Uni Cottbus setzt auf Praxisbezug. Nach dem Studium bekommen die frischen Diplomingenieure die Chance, weiter an der Uni unter Anleitung der Lehrenden Projekte zu realisieren. Sie werden bezahlt und müssen dennoch nicht ins kalte Wasser springen.

“Was aber zeichnet nun einen Architekten aus? Aaron Betsky, Direktor des Niederländischen Architektur Instituts in Rotterdam vergleicht den Architekten mit einem Regisseur, seine Aufgabe ist es die Welt zu strukturieren und eine zeitgenössische Umgebung zu schaffen. Mit seinen Projekten macht der Architekt bewusst.

Alfons Dworsky, Professor an der Universität Hannover, definiert Architektur als eine bestimmte Art des Sehens und fordert, dass genau dieses Sehen geschult werden muss. 

Wahrscheinlich sollte die Architekturausbildung sich an dem Zitat eines chinesischen Philosophen orientieren, was eindeutig aussagt, dass die Praxis in die Ausbildung miteinbezogen gehört und welches da lautet: “Zeig es mir, ich werde es vergessen; erklär es mir, ich werde es mir merken; lass es mich machen, und ich werde es können.”

Abgerundet wurde das Symposium durch einen Vortrag vom eigens aus Hamburg eingeflogenen Architekten Meinhard von Gerkan, GMP Architekten. Als Universitäts-Professor und einer, der mit zahlreichen Großprojekten mitten in der Praxis steht, zeigte er, welchen Herausforderungen er sich in China mit seinen vierzig Projekten zu stellen hat. Nach der Menge an Informationen und den vielen Worten waren die Bilder der Projekte durchaus entspannend und amüsant für das visuell geschulte Architektenauge.

 

Text: Katharina Tielsch

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