Fein gebastelt

 

   

          

 

Ateliergebäude c+f, Lochen/A

Planung:ebner:grömer, Altheim/A

         

Gewisse (Architektur-)Theorien, eine davon stammt von dem Kunsthistoriker Nikolaus Pevsner, sagen aus, dass Architektur materialisierte Musik sei. Diese Feststellung fand viele Befürworter, mindestens eben so viele Gegner. Ist Architektur eine höhere Kunst als Musik? – Wenn Architektur gefrorene Musik ist, muss es doch so sein.

 

Das Architektenduo ebner:grömer überlässt diese Fragen Theoretikern und baute stattdessen ein Atelier für einen Musiker und eine Künstlerin. Eine Spezialität dieses formal an holländische Architekturpragmatiker erinnernde Objekt ist seine Minimalität, die sich in vielen Facetten zeigt. Zu Planungsbeginn im Juli 2003 wurde von den Bauherren ein Haus gewünscht, das mit minimalem Kostenaufwand zu bauen ist, jedoch maximales, funktionales Raumerlebnis bieten solle. Die Professionen der Bauherren sind in erster Linie nicht unbedingt unter ein Dach zu bringen: Der praktizierende Musiker verlangt kostspielige Akustiklösungen, während die Rohstoffe, mit denen eine malende Künstlerin arbeitet, wiederum Gerüche erzeugen, in denen man nicht unbedingt musizieren möchte.

Die architektonische Antwort auf diese unterschiedlichen Wünsche und Parameter ist ein homogener Baukörper, dessen interne Zonierung durch Höhenunterschiede passiert. Um das außergewöhnliche Atelier zu erreichen, spaziert man durch den gut durchmischten Obstbaumgarten, erblickt das auf Gabelstützen aufgeständerte Objekt, und über ein Stiegenfachwerk stößt man gewissermaßen kopfüber (eine Klappe ersetzt die Eingangstüre) in den Innenraum. Hier angelangt herrscht eine angenehme transluzente Lichtstimmung, die bewusst durch Lichtschlitze plus Sonnenschutzlamellen im Dachbereich erzielt wurde. Diese sanfte natürliche Belichtung war unbedingt notwendig, da Musikinstrumente durch direkte Sonnenbestrahlung verstimmt werden – und andererseits Schatten das Arbeitsleben der Künstlerin beim Malen erschweren würden.

 

Die Gliederung der Arbeitsräume ist eine simple, aber effektive: Der Musikraum schwebt auf einer Höhe von drei Metern über dem Garten, und über eine als Zuschauerbereich wie auch als Wohnzone fungierende Rampe gelangt man in das auf 2,8 Meter liegende Maler-Atelier. Geteilt werden die beiden Atelier-Bereiche durch ein multifunktionales Möbel, das neben Nasszelle auch Stauraum für Musikinstrumente und Malerbedarf aufweist. Weiters befinden sich in diesem 2 Meter hohen Möbel die technische Infrastruktur als auch Schiebetüren. So spröde sich das Atelier durch seine Gipskarton- und OSB-Beplankung im Innenraum gibt, so sanft und anschmiegsam erscheint es außen. Eine glasfaserverstärkte PVC-Membrane spannt sich um den gesamte Baukörper und macht diesen somit zum bespielbaren Kunstobjekt. Durch Gebäudeöffnungen und deren Lichtdurchlässigkeit entstehen sowohl unterschiedliche Farbstimmungen als auch Schattenspiele der Geschehnisse im Innenbereich. Als zusätzliches Projektionselement dient eine schräge, raumhohe Verglasung im Musik-Atelier, die neben ihrer Funktion als Belichtungsquelle ebenso als Projektionsfläche für Videokunst dient. Den visuell ansprechenden Kunstgedanken beiseite lassend stellt sich die Frage, ob denn dieses Gebäude wirklich nachhaltig ist, und wie kostengünstig war es wohl. Diese Fragen bejahend kann man folgende Informationen weitergeben: Die primäre Konstruktion stellt ein dreidimensionales Stahl-Raumfachwerk, mit aussteifenden Holzträgerkonstruktionen ausgefacht und vollflächig mit 24 cm Steinwolle eingedämmt. Um die PVC-Membrane kostengünstig ohne Schweißnähte herzustellen, teilten die Planer alle Wandflächen in einzelne Dreiecke auf. Die Flächenteilung wiederum wurde mit der Delaunay Triangulation   ermittelt, einem in der industriellen Bildverarbeitung und Computergrafiken gebräuchlichem Verfahren.

 

Entlang dieser Dreiecksseiten pressen Aluformrohre die Membrane gegen die Unterkonstruktion. Um sämtliche Flächen unabhängig voneinander spann- und austauschbar zu machen, sitzt jeweils im Dreiecksschwerpunkt ein ca. 30 cm hoher, eigens entwickelter Membranspanner. So kompliziert die Formfindung klingen mag, so einfach war dann letzten Endes die Ausführung der ausgeklügelten Systeme: Dieses kleine musikalisch-architektonische Meisterstück konnte, abgesehen von der Stahl-Primärkonstruktion, vorwiegend in Selbstbauweise, ohne Mithilfe von Fachkräften, von nur zwei Personen in drei Monaten errichtet werden.

 

Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern und Plänen finden Sie im Heft 6/05.

 

Ateliergebäude c+f

Lochen Nr. 35, A-5221 Lochen, OÖ

Bauherr: Christina Breitfuss, Fritz Kronthaler
Planung:

ebner:grömer, Altheim

Statik: Josef Schindelar, Grieskirchen
Grundstücksfläche:  876 m2
Bebaute Fläche: 88,40 m2
Umbauter Raum: 332 m3
Planungsbeginn: Juli 2003
Bauzeit: 3 Monate
Fertigstellung: Dezember 2004
Fotos: Archiv Architekten
Text: Sandra Knöbl

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