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Freiheit im Wohnen |
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Wohnhausanlage Leopold 40, Leopoldsdorf/A Planung:Hadler bis Hausdorf Architekten ZT GmbH |
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Der großartige Roland Rainer sprach schon vor Jahrzehnten den Wunsch nach Wohnanlagen mit individueller Fassadengestaltungsmöglichkeit aus. Seiner Meinung nach war es eine unerträgliche Zumutung, den Menschen als Individuum in anonymen Ziegel- oder Betonbunkern verschwinden zu lassen, ohne subjektive Arten des Wohnens – an der Fassade ersichtlich – zu ermöglichen.
Das Architektenduo Hadler bis Hausdorf scheint Roland Rainers Auffassung zu teilen und stellte im August 2004 die partiell veränderbare Wohnhausanlage Leopold 40 fertig. Das durch Direktvergabe entwickelte Wohnobjekt besteht aus zwei Wohnblöcken, deren Fassaden eine lebendige Formensprache beherrschen. Am ersten Blick etwas eigenwillig erscheinen die unterschiedlich konvex und konkav geformten Balkongeländer auf den ansonst ruhigen Baukörpern. Bei genauerem Studieren derer erschließt sich allerdings die Logik des Entwurfes: Im Dachbereich mit Rheinzink verpackt lockert der Baukörper Richtung Straßenniveau immer mehr auf und wird von geschwungenen Balkonen durchsetzt, während sich auf Level Null die statisch notwendigen V-Stützen berechtigterweise breit machen. Die eingangs erwähnten Balkone waren zu Planungsbeginn 2002 als wellenförmiges Balkonband gedacht. Diese organische Form leitet sich allerdings nicht aus einer Feng-Shui-Vorliebe der Architekten ab, sondern von dem angrenzenden Badebiotop, dessen sanfte, gekräuselte Oberfläche man mit der Balkonform zu interpretieren wünschte. Das Balkonband wurde zu einem späteren Planungszeitpunkt in Balkone geändert, und zwar in einer Form, die den anfangs erwähnten Roland Rainer wieder ins Spiel bringt: Die 40 Wohneinheiten der Anlage sind Maisonetten mit jeweils zwei Balkonen. Der tiefer Liegende wurde schubladenartig aus der Gebäudehülle gezogen und aus Sichtbeton ausgeführt, während der darüber liegende Balkon aus in der Wand verschraubtem Gitterrost besteht.
Dieses System wurde entwickelt, um den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, ihre kleinen Freiräume in Wintergärten umzuwandeln – deswegen befinden sich über den Balkonen auch L-förmige Stahl-Formrohre. Etwas Individualität erwartet den Nutzer auch in den Innenräumen, so wurde der Wellenschwung beispielsweise in den Eckwohnungen weitergespielt. Besonders fein ist es aber in den limettengrünen Dachboxen (zugehörend zu den oberen Maisonetten) zu wohnen. Hinter diesen zeitgenössisch interpretiert erscheinenden Dachgaupen befinden sich Wohnraum und Küche, mit großartigem Ausblick auf den nahen Golfplatz. An den Licht und Sonne verwöhnten Wohn-Ess-Raum knüpft ein autarker Bereich an, einerseits befindet sich hier eine Nasszelle, andererseits auch zwei Zimmer. Diese beiden Räume können individuell genutzt werden, von planerischer Seite wurde hier an mögliche Kinderzimmer oder aber an eine Homeworker-station gedacht. Über eine Stiege am westlichen Balkon erreicht man die Dachterrasse, von wo der Blick bis zum Schneeberg und Leithagebirge reicht. Unter der Terrasse befindet sich die Schlafebene mit Bad und WC, während der Raum direkt unter der Stiege als externe Abstellkammer konzipiert wurde. Abstellmöglichkeiten finden sich in allen drei Baukörpern auch für Autos, denn unter jedem Block befinden sich Tiefgaragen, von denen aus man wahlweise über Treppen oder Lift die Gebäude erschließt. Einen farbpsychologischen Trick wandten die Planer in den Erschließungsgängen an, denn hier wurde mit Zitronengelb im Wandbereich gearbeitet, um Lichteinfälle zu intensivieren, was bei der hiesigen Wetterlage nicht zum Nachteil der menschlichen Gemütslage sein kann.
Neben sensiblen wie auch effizienten Raumkonfigurationen besticht die Wohnhausanlage aber auch durch ihr städtebauliches Konzept. Die Marktgemeinde Leopoldsdorf, südlich von Wien an der B16 liegend, profitiert vom Trend der Großstadtflucht und den großen Baulücken direkt im Ortsverband, die durch die Schließung der traditionsreichen Ziegelwerke entstanden sind. Diese Situation, große Bauflächen und die bei der Lehmgewinnung entstandenen Ziegelteiche, bieten natürlich ideale Voraussetzungen für die Stadtflucht “ans Wasser”, ohne dabei auch gleich das berufliche Umfeld verlassen zu müssen.
Die Architekten Hadler bis Hausdorf spielten mit der vorhandenen Idylle und generierten eine Anlage, die durch geringen Flächenverbrauch landschaftsschonend angelegt ist. Die zwei Baukörper wurden in Spannung zueinander in die Landschaft gesetzt, wobei diese beiden Objekte erst der Anfang einer insgesamt 13 Blöcke umfassenden Anlage sind. Mit dieser Wohnhausanlage schafften Günther Hadler und Ulrike Hausdorf etwas, das ihnen bisher schon öfter gelungen ist: Architektur, die je nach Bauaufgabe speziell gelöst, geformt und interpretiert wird, weswegen die bisher entstandenen Objekte formal unterschiedlichst einzuordnen sind. Oder eben auch nicht einzuordnen sind.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 6/05.
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Wohnhausanlage Leopold 40 Maria Lanzendorfer Straße 6–8, 2333 Leopoldsdorf |
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| Planung: |
Hadler bis Hausdorf Architekten ZT GmbH |
| Statik: | Büro Brand, Maria Enzersdorf |
| Schlosserarbeiten: |
Metallbau Vorreiter GmbH |
| Spenglerarbeiten: | Spenglerei Ing. Roman Hammerschmiedt |
| Grundstücksfläche: | 3.383 m2 |
| Bebaute Fläche: | 1.047 m2 |
| Umbauter Raum: | 13.900 m3 |
| Planungsbeginn: | 2000 |
| Bauzeit: | Februar 2003 bis August 2004 |
| Fotos: | Hertha Hurnaus |
| Text: | Sandra Knöbl |
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