An den Hang geschmiegtes Wohnen am Weinberg

 

   

          

 

Haus Spaun, Stein/Förthof, NÖ

Planung: Pichler & Traupmann

         

Hinter Melk öffnet sich die – in vinophiler wie in landwirtschaftlicher und kultureller Hinsicht bemerkenswerte – Wachau, eines der schönst gelegenen Weinanbaugebiete Österreichs*. Weinbau assoziiert man mit einem milden Klima und mehr oder weniger sanften Hügeln und Hängen, keinesfalls jedoch mit Bebauung. Auf den ersten Blick mag das weiße Einfamilienhaus, das den Namen seiner Bauherren trägt und sich an den terrassierten, steilen Südhang schmiegt, ein wenig deplatziert wirken, vermutet man doch solch Bebauung eher an klippenreichen, mondänen Meeresküsten. Das weithin sichtbare Gebäude hoch über dem Ufer der Donau zieht die Blicke auf sich, wohl wegen seiner strahlend weißen Farbe und auch, da sich die gefaltete Hüllfläche perfekt an den Hang schmiegt und die Topografie in geometrischer Übersetzung aufnimmt. Versetzte Wandscheiben, die von großzügigen Fensterbändern unterbrochen werden, nehmen das Wachau-typische Landschaftsmerkmal der Steinmauern auf. Horizontale Deckenscheiben, die in unterschiedlichen Winkeln zueinander stehen, greifen auf die Terrassierung des Landbaus zurück. Doch Decken und Wände gehen ineinander über, den Grundsätzen der Architekten folgend, in rektangulärer, abgekanteter und flachkubischer Weise – eben als Faltung. Das Erscheinungsbild spiegelt wider, was auch im Inneren passiert – Räume fließen ineinander, Ebenen öffnen sich zueinander, Innen und Außen verschmelzen. So ergibt sich ein spannender Grundriss, der unterschiedliche Blickbeziehungen zulässt und einerseits offen mit der Weite des Landes kommuniziert, andererseits sehr intime, abgeschottete Bereiche schafft.

 

Das Grundstück befindet sich nicht im Bauland. Bereits von einer Straße erschlossen und mit einem alten Presshaus, Wohnbebauung im Nachkriegszustand und einem Stallgebäude belegt, wies es jedoch bereits die nötige Terrassierung und Grundmauern auf, um als Bauplatz zu fungieren. Da laut Niederösterreichischem Raumordnungsgesetz zur Erhaltung und Pflege der Landschaft erhaltenswerter Baubestand saniert werden darf, interpretierte man eben diesen Passus dieser Regelung und riss den Altbestand großzügig ab, um durch Neubau zu sanieren. So konnte die Funktion weitgehend erhalten bleiben. Der tief in den Weinberg eingegrabene Weinkeller dient nach wie vor der optimalen Lagerung des Weins. Es ist der begeisterten Aufnahme und Unterstützung des Stadtbaudirektors Wolfgang Krejs zu verdanken, dass der Bau in dieser Form so rasch und unkonventionell zustande gekommen ist. Oberhalb setzt sich das Gelände in großer Steilheit mit bis zu 40 Grad Neigung fort. Der lockere, sandige Boden mag für den Geschmack des Weines vortrefflich sein, als Baugrund stellt er eine Herausforderung dar. Entgegen der Anweisungen für Hangbebauung aus dem Lehrbuch, nämlich Fundierung mit Ankerungen und Spritzbeton, entschied man sich für die risikoreichere Variante der Pölzung mit Rundhölzern und Baugrubenabdeckung mittels Planen gegen das Regenwasser. Die teils von den Architekten auferlegten Vorgaben stützenfreie Einfahrt, nicht belastbare Bestandsmauern und komplexe Gebäudegeometrie mit freien Grundrissen führte für den Hochbau zu einer Lastabtragung an nur wenigen Punkten und zum Einsatz von vorgespanntem Spannbeton, der eigentlich nur im Brückenbau verwendet wird. Intensive Gespräche und schriftlich formulierte Vorgaben mit und von den Bauherren gingen der Konzepterstellung voraus, und so wundert es nicht, dass die Architekten Pichler und Traupmann gleich mit ihrem ersten Entwurf alle Wünsche und Vorstellungen der Bauherren zur Zufriedenheit in Zeichnung und Modell umsetzten.

 

Aussagen von Seiten der Architekten wie “Der Bauherr war sehr stark in das Baugeschehen involviert, was zu einer sehr angenehmen Abwicklung der Baustelle führte” hört man eher selten, ist es doch eigentlich die Aufgabe des Architekten, jegliche Schwierigkeiten, die auf der Baustelle auftreten, abzufangen und vom Bauherrn fernzuhalten. Aber erfreulicherweise gibt es eben interessierte und tatkräftige Bauherren auch. Schon die Ankunft im Carport ist spektakulär, scheinen doch die drei Ebenen des Hauses über diesem frei tragend zu schweben. Eine Treppe geleitet zu den Wohn- und Terrassenebenen, einer für die Eltern, einer Gemeinschaftsebene mit Küche, Esszimmer und Wohnraum und einer Ebene für die Kinder. Dem Elternschlafbereich ist unmittelbar ein Pool in Form einer 16,66 m langen Sportschwimmbahn vorgelagert. Wenige natürliche Materialien im einfachen Einsatz prägen den Innen- und Außenraum. Hauptsächlich bestimmt der weiße Putz das Erscheinungsbild. An der Stelle der ehemaligen Rückwand des Presshauses fanden die abgebrochenen Steine als Natursteinvormauerungen ihren Einsatz. Alle Außenbezüge wurden im Entstehungsprozess entwickelt, und so stellen die Fenster und Türen keine eingeschnittenen Löcher in den Wänden dar, sondern selbstverständliche Öffnungen in der Geometrie des Bauwerks. Großzügige, talseitige Glasflächen leiten Licht und Wärme tief ins Innere und geben den Blick weit über die Donau bis zum Stift Göttweig frei. Holzböden innen und außen, wobei im Inneren Merbauböden verlegt wurden und im Poolbereich außen Lärchen- bzw. im Poolbereich Bangkirai-Hölzer vorzufinden sind, bilden den Bodenbelag. Im Eingangs- und Nassbereich griff man auf Stein in Form von schwarzem Schiefer zurück.

 

Trotz der freien Form ist durch höchste Dämmwerte von Decken, Wänden und Gläsern, über großzügige Verglasungen aber auch über Kollektoren, über speicherwirksamer Masse im Inneren, Sonnenschutz im Außenbereich sowie einer kontrollierten Wohnraumbelüftungsanlage ein Niedrigenergiehaus entstanden. Dem vierjährigen Sohn und seinen Eltern stehen nun über 200 m2 Nutzfläche zur Verfügung, neben Xavers Zimmer hat man mit einem weiteren Kinderzimmer sowie einem Gästezimmer auch an die Familienerweiterung gedacht.

 

Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 6/05.

 

Haus Spaun

Altenburgerweg 5, Krems/Stein

Bauherren: Heide-Gritt Hochmiller-Spaun
Sebastian Spaun
Planung und Projektleitung:

Pichler & Traupmann, Wien

Örtliche Bauleitung: Peter Langer, Mautern
Mitarbeiter: I. Reisigl-Pichler, B. Aull, C. Dominkovits
Statik: 

PORR Projektierungsbüro für Industrie-, Hoch- und Tiefbauten GmbH Co. NFG. KG

Stahlbetonausführung, Vorspannung: Jägerbau Pöggstall Bauges.m.b.H.
Pool: Isotherm Pastnerit
Glas-, Gartengeländer und Handläufe:  MCE Chemserv
Grundstücksföläche:  2.191 m2
Bebaute Fläche: 201 m2
Nutzfläche: 214 m2
Umbauter Raum: 1.315 m3
Planungsbeginn: November 2001
Baubeginn: Mai 2003
Fertigstellung: September 2004
Fotos: Archiv Architekten
Text: Katharina Tielsch

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