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Raum mit Aussicht |
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Wohnhaus am kleinen Schafberg, Wien Planung:Herbert
Binder |
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Wie mag ein Haus konzipiert sein, dessen Schöpfer mit Adolf Krischanitz die Schulbank drückte, anschließend Architektur studierte, vor vielen Jahren für ein österreichisches Architekturmagazin redaktionell tätig war, mittlerweile für die Stadtentwicklung Wiens zuständig ist und sich privat auch gerne mal mit Wolf D. Prix auf einen kleinen Architektur-Diskurs trifft? Senatsrat Herbert Binder, für die Magistratsabteilung 21B in seiner Position als Dienststellenleiter seit 1993 tätig, erwarb schon 1990 ein Grundstück in Wien 17 mit grandiosem Ausblick auf sein professionelles Tätigkeitsfeld, die Stadt Wien. Dass dem gebürtigen Linzer seine Wahlheimat am Herzen liegt, zeigt sich an seinem 2004 fertig gestelltem Zweitwohnsitz, den er selbst "Raum mit Aussicht" taufte und den er nach eigenen Worten nicht plante sondern entwickelte. Am Weg zum Haus werden unterschiedlichste Bebauungstypologien und Stadtbilder erlebt. Vom verkehrstechnisch hoch frequentierten Gürtelbereich aus, der Straßenbahnlinie 43 folgend, wird eine minimale Richtungsänderung vorgenommen, und plötzlich befindet man sich in einem Erholungsort nahen Ambiente, dem Hernalser "kleinen Schafberg". Eine kleine Gartentür wird geöffnet, und der Blick fällt auf den steilen Garten, an dessen Spitze ein Holz-Glas-Kubus beinahe fliegend thront. Die Erschließung des Hauses mit außergewöhnlich viel Aussicht geschieht entweder über den Garten und erfordert die Erklimmung des bis zu 40 Grad steilen Hanges, oder etwas bequemer über die höher liegende Zufahrt. Von dort aus erlebt man die unterschiedlichen Zonierungen des Hauses am eindringlichsten. Betreten wird das an der Hangkante positionierte Haus über die nordseitig angebrachte rote Hauseingangstür. Der Raum mit Aussicht ist ein Volumen, das durch einen absolut offenen Grundriss und mit einem beinahe unverschämt imposanten Panorama aufwartet. Unmittelbar im Eingangsbereich finden sich die mit Birkenholz verkleideten Sanitärboxen und die Garderobe. Der Raum selbst wird lediglich von funktionalen Zonierungen unterteilt. Wohnen, Kochen, Lesen, Schlafen, Unterhalten, Arbeiten, Ausruhen, Tanzen und alle anderen erdenklichen Formen des gewohnten Lebens finden auf 105 m2 Platz. Einzig das Schlafen und das Kochen erhielten definierte Bereiche: Die Kochzeile befindet sich an der Seite der Nasszellen, und trotz ihrer Schlichtheit ermöglicht sie zweierlei. Einerseits wurde auf Oberkästchen verzichtet und dadurch ein zweiflügeliges Fenster im Arbeitsbereich ermöglicht, das mit natürlicher Belichtung und Aussicht in den Garten lockt. Zum anderen ermöglicht das im Raum Stehen der Kücheneinheit dem Kochenden ein Teilhaben an den Geschehnissen. Der intimere Schlafbereich wiederum befindet sich in einer dem Sanitärbereich gegenübersitzenden Nische. Der zum Raum offene Bereich wird aber nicht durch Paravents, Vorhänge oder dergleichen abgetrennt. Ein mittels Rollen variables Möbelstück fungiert als niedriger Raumteiler und Stauraum. Dass ein Raumkonzept wie dieses mit einem minimalistischen (Architekten-)Lebenskonzept einhergeht ist klar. Wer in einem Raum wie diesem wohnen möchte, muss in das Spielen mit dem Raum als solchen verliebt sein. Wo exakt gearbeitet oder Mahlzeiten verzehrt werden, kann je nach Stimmung durch die funktional schlichte Möblierung verändert werden. Lediglich der Kaminofen ist nicht zu verrücken, auch wenn zu einem früheren Planungszeitpunkt daran gedacht wurde. Nachgedacht wurde bei der Entwicklung des Hauses auch an dessen langfristige Nutzung. Derart offenes Wohnen ist nicht jedermanns Sache, und so wurde die Rasterung in einer Art und Weise vorgenommen, die ein Einziehen von Zwischenwänden oder Schiebetüren zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht. Außerdem stehen neben dem Hauptwohnraum zwei weitere Ebenen zur Verfügung. Über eine neben der Garderobe sitzende Wendeltreppe gelangt man in das im Hangbereich verankerte Untergeschoß, von dem lediglich die Südseite aus dem Steilstück heraustritt. Im Augenblick definiert sich diese Ebene als Einliegerwohnung und wurde spartanisch mit OSB-Platten verkleidet. Die 80 m2 umfassende Ebene übernimmt zudem eine wichtige statische Rolle. Als WU-Beton-Wanne stützenfrei ausformuliert dient sie als Basis für das Obergeschoß, das somit als leichtere Fachwerkkonstruktion ausgeführt werden konnte. Noch eine Ebene tiefer, über eine außen liegende Treppe zu erreichen, befindet sich ein 35 m2 großer Keller. Als Gegensatz zum vollkommen in der Erde verschwindenden Keller und dem als Basis fungierendem Untergeschoß zeigt sich das leichte durchlüftete Kaltflachdach. Bis zu 1,30 m kragt dieses aus, trotz der schlanken Primärkonstruktion Dimensionierung aus 10 cm dünnen KLH-Platten. Gut gewählt wurden nicht nur die Dachkonstruktion sondern auch die Wandaufbauten. Der 14,2 x 8,4 x 3,5 Meter große Holz-Glas-Kubus des Obergeschoßes setzt sich aus einem Fachwerk zusammen, mit OSB- und DHF- Platten ausgesteift und mit Zellulosedämmstoff gedämmt. Im Rauminneren wurde zur Beplankung eine in ihrer Holzmaserung zurückhaltende und durchaus elegant schimmernde Birkenbretterschalung gewählt, während die äußere Beplankung mit widerstandsfähigen, unbehandelten Gebirgs-Lärchenbrettern vorgenommen wurde. Die Entscheidung, etwa 2/3 der Fassade im Obergeschoß verglast auszuführen, führt zu einem Raumgefühl, das auf Balkone gerne verzichten lässt. Die raumhohe Verglasung ist nicht fix sondern schiebbar ausgeführt, und somit lässt sich der Raum mit Aussicht zu einem Raum in der Aussicht umfunktionieren. Obwohl dieses intelligente Wohnhaus den Nutzern schon sehr viel Durchblick, Luft und Ausblick gewährt, stehen weitere befestigte Freiräume zur Verfügung. Der Haus-Westseite wurde eine großzügige Holzterrasse vorgelagert, mit einer noch nackten Pergola überdacht, jedoch mit dem Ziel, schmackhaften Wein darauf wachsen zu lassen.
Bleibt den Stadtnutzern jetzt nur noch zu hoffen, dass der Architekt dieses Hauses die bauliche Entwicklung der Stadt im Sinne seiner eigenen Lebensvorstellungen fördert, um sowohl dem Wiener Sozialbau als auch öffentlichen Bereichen ebensoviel sensible Nutzungsformen, Individualität und durchmischte Aussichten zukommen zu lassen.
Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern und Plänen finden Sie im Heft 7/05.
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Raum mit Aussicht Czartoryskigasse 179A, 1170 Wien |
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| Bauherren: | Christa und Herbert Binder |
| Planung: |
Herbert Binder |
| Bauaufsicht: | Ursula Holzinger |
| Tragwerkplanung: | Richard Woschitz |
| Zimmermann-, Baumeister-, Stahlbau-, Spengler- und Abdichtungsarbeiten: | Klonner Bau GmbH |
| Stahlbeton-, und Kanalarbeiten: | Hannes Pfneiszl |
| Tischlerarbeiten: | Gerhard Graschopf |
| Nutzflächen: |
105 m2 (OG) 80 m2 (UG) 35 m2 (KG) |
| Bebaute Fläche: | 120 m2 + 30 m2 Nebengebäude |
| Bauzeit: | Nov. 2002 bis Dez. 2004 |
| Fotos: | Corina und Herbert Binder |
| Text: | Sandra Knöbl |
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