Minimalistisches Schmuckstück

 

   

          

 

Haus K., Kärnten

Planung: Reinhard Suntinger, Kärnten/A

         

Rangersdorf, ein Minidorf im kärntnerischen Mölltal, ist umgeben von Bergen, deren Spitzen sich durchschnittlich in luftigen 2.300 Höhenmetern erstrecken. Diese reale 3D-Wandtapete machte sich Architekt Reinhard Suntinger bei seinem „Haus K.“ zunutze. Auf einem 1.000 m2 großen Grundstück, umgeben von traditionellen Satteldachhäusern, findet man seit der Fertigstellung im Dezember 2004 ein fragiles Stahl-Holz-Konstrukt. Wie eine modernistische Schmuckschatulle sitzt der kubisch verschachtelte Baukörper auf der satten grünen Wiese. Trotz der unprätentiösen Geometrie wartet das Haus mit spannenden Sichtbezügen und mehr als nur einer Erschließungsmöglichkeit auf. Bei Betreten des Grundstücks fällt eine sich mit dem Grundstück verschneidende Rampe auf: Diese mit Lärchenholzlatten ausgelegte Stahlbetonrampe/Wanne führt in das Kellergeschoß, das die entspannende Raumprogrammierung Weinkeller und Sauna, neben pragmatischen Funktionen wie Sanitärbereich und Stauraum, beinhaltet. Über eine Treppe gelangt man in den Wohn- und Küchenbereich im Erdgeschoß, welcher wiederum auch direkt durch den Windfang erschlossen werden kann. Diese Ebene ist wohl das Schmuckstück des Baukörpers und erinnert an einen grandiosen, Zigarre rauchenden Architektur-Grand-Seigneur vergangener Tage.

 

Das Raumgefühl wird von Licht, edlem egalisiertem Quarz und wohl proportionierten Räumen dominiert. In Teilbereiche gegliedert wird dieser ebenerdige Bereich intern durch zwei Treppen. Die grundsätzliche Zonierung übernimmt allerdings die Komposition des Hauses. Der Kubus, in dem sich der besprochene Wohnraum befindet, wird von einer Spange umgeben, in der sich an der Nordseite Windfang, Sanitärbereich, Abstellraum und Garderobe befinden. Im gegen Süden orientierten Teil, dort wo sich Spange und Kubus treffen, ist Raum für einen Essbereich. Die Möbel der Bereiche Wohnen und Küche können sich lose zwischen den beiden Treppen arrangieren. Der Wohnbereich erhält aufgrund seiner Orientierung an den Himmelsrichtungen alle möglichen Lichtstimmungen, und großzügige Verglasung sorgt auch für die Durchlässigkeit dieser. Diese Leichtigkeit verlangt natürlich nach einem beruhigenden Gegenüber, weswegen im Erdgeschoß und Kellerbereich die Wahl des Bodenbelages auf schweren Natursteinboden fiel. 

 

Als Referenz an die örtlichen Traditionen sind die am und im Hause verwendeten Materialien zu verstehen. Grundsätzlich ist die bauliche Struktur im Ort ganz der Landwirtschaft gewidmet. Auch der Bauherr stammt aus einer Bauernfamilie, und trotz seiner beruflichen Tätigkeit in Wien stellt sein Haus für ihn eine wichtige Verknüpfung zu seiner Heimat dar. Das Schöne ist, dass der besagte Bauherr nicht einen Wiener Architekten mit in die Heimat nahm, sondern einen befreundeten, ortsansässigen Architekten mit der Planung seines Hauses beauftragte. Man könnte sagen, dass es nicht sonderlich schwer ist, in einer von Bergen und Idylle geprägten Landschaft zu bauen. Bedenkt man die weit verbreitete ländliche Meinung, wie ein richtiges Haus auszusehen habe, dann dürfte dieses Haus doch einen schweren Stand inmitten seiner traditionellen Häuserkolleginnen und Kollegen haben. Das Dach, das ist nämlich ganz flach. Nichtsdestotrotz, es mag zwar nicht den Anschein haben, aber der Planer reagierte sehr wohl auf die alt eingesessene Bautradition. Allerdings weniger offensichtlich, und mit subtiler Entwurfshand. In der Maßstäblichkeit passt sich das neue Stück Architektur an die Umgebung an, und ebenso im konstruktiven Sinne. Ein Holz-Riegel-Bau bildet die Primärkonstruktion und entspricht der baulichen Umgebung. Auch die Gebäudehülle ist grundsätzlich hölzern, allerdings variierend zwischen Lattung und Platten. Dass die Wahl zum Holz keine vorgetäuschte Liebe ist, zeigt sich eindrücklich im Innenbereich. Von steriler weißer Wandgestaltung gleich weit entfernt wie vom Ornament zeigt sich der gesamte Innenbereich im Erd- und Obergeschoß in geölten Fassadensperrholzplatten (Okume Aquagarant). 

 

Dieses Haus wirkt berührend schön, die Umgebung trägt natürlich positiv zu diesem Eindruck bei. Der Architekt allerdings konzipierte das Haus nicht nur als Hülle für geborgenen Innenraum, sondern komponierte Innen- und Außenraum im Einklang. Die unterschiedlichen Möglichkeiten, das Haus zu betreten, zeugen davon genauso wie der Terrassenbereich im Obergeschoß. Selbst der nicht unbedingt Lebensqualität fördernde Parkplatz wurde bewusst entworfen und trägt zur gesamten Stimmigkeit des Hauses bei.

 

Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern und Plänen finden Sie im Heft 7/05.

 

Haus K.

Rangersdorf/Kärnten

Planung:

Reinhard Suntinger

Statik: Holzbau Themessel, 9541 Einöde
Grundstücksfläche:  1.000 m2
Bebaute Fläche: 322,54 m2
Umbauter Raum: 962,69 m3
Planungsbeginn: Jänner 2004
Bauzeit: 8 Monate
Fertigstellung: Dezember 2004
Fotos: Wolfgang Retter
Text: Sandra Knöbl

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