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Sparsamer Wohnkomfort |
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Das
PlusEnergie-Wohnprojekt in Weiz Planung: Erwin Kaltenegger/Passail |
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In
unserer März-Ausgabe des letzten Jahres haben wir bereits über den Architekt
Erwin Kaltenegger und die Anfänge seines „PlusEnergie“-Wohnprojektes im
steirischen Weiz berichtet. Nun ist der 1. Bauabschnitt der ökologischen
Reihenhausanlage bezugsfertig, und der Spatenstich für die 2. Etappe folgt nach
dem vollständigen Verkauf der Wohneinheiten voraussichtlich noch in diesem
Jahr. Die Idee hinter dem Bauvorhaben war es, eine Passivhaussiedlung zu schaffen, die mit dem Kaufpreis des herkömmlichen Sieldungsbaus mithält und somit das Klischee bricht, energiesparende Häuser müssten teuer sein. Der Planung der Reihenhausanlage ging der Bau eines Prototyps voran, der gemeinsam mit dem Holz- und Zimmereibetrieb Herbitschek entwickelt wurde und im Juli 2005 im Rahmen des Steirischen Holzbaupreises den Sonderpreis für nachhaltiges Bauen gewann. „Tanno meets Gemini“ ist die klingende Bezeichnung für dieses Doppelhaus, das Kaltenegger nun seit etwa einem Jahr selbst bewohnt. Erkenntnisse und Details aus der Fertighauslinie „Tanno“ der Firma Herbitschek und dem drehbaren Gemini-Haus von Kaltenegger wurden dabei optimiert und in einer neuen Form vereint. Die Ökologie hatte bei der Planung immer oberste Priorität, und so bieten nun nachwachsende Rohstoffe statt Beton und Styroporplatten Wohnqualität zu üblichen Preisen.
Das Grundstück für die Reihenhausanlage wurde von der Gemeinde unter der Prämisse vergeben, Wohnraum zu schaffen, der ohne die Freisetzung von Schadstoffen auskommt. Als Bauherr für das Projekt konnte die gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Elin GmbH gewonnen werden. Die gesamte geplante Reihenhausanlage besteht aus 22 Wohneinheiten mit zwei konventionellen Grundrisstypen, deren Ausrichtung auf den Lauf der Sonne abgestimmt ist. Den Titel „PlusEnergieWohnen“ gewinnt das Projekt eigentlich durch ein Detail, das derzeitig noch nicht zur Standardausstattung der Wohneinheiten gehört: die Fotovoltaikanlage. Auf eine Wohnfläche von etwa 90 m2 entfallen ca. 40 m2 Fotovoltaikelemente. Diese werden teilweise auf den Flachdächern positioniert sowie auf einer Stahlkonstruktion den kubischen Hausreihen vorgesetzt. Kaltenegger erreicht damit gleichzeitig den Effekt eines Schattenspenders und den eines Gestaltungselementes. Der produzierte Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Aufgrund strenger Begrenzungen für den abgegoltenen Einspeisetarif ist die Wirtschaftlichkeit der Anschaffung von den Anlagen derzeit noch von zusätzlichen Förderungen seitens des Landes abhängig.
Der
Wohnkomfort eines gut geplanten Passivhauses ist hingegen unumstritten. Neben
den Wand- und Deckenaufbauten spielt dabei vor allem die Komfortlüftung eine
tragende Rolle. Das System in Weiz wurde mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe und
Erdkollektoren, die sich unterhalb des Hauses befinden, ausgestattet und
versorgt damit neben der Raumluft auch das Brauchwasser mit Wärme. Der
Energieertrag aus Fotovoltaik und Wärmepumpe ist für jede Wohneinheit um 1.100
Kilowattstunden pro Jahr höher als die Strommenge, die das Haus selbst benötigt.
Einer der wesentlichsten Faktoren, der zu dem hohen Wohnkomfort eines
Passivhauses beiträgt, ist das gute Raumklima. Erreicht wird es durch die
geringe Differenz der Innenluft- und der Oberflächentemperatur der Wände. In
der Konstruktion unterscheiden sich die neuen Reihenhäuser von ihrem Vorreiter.
Für den Prototyp wurden sowohl Wände als auch Decken aus „One-Element-System“
verwendet. Da die Module dieser Systembauweise, bestehend aus einem neu
entwickelten OSB-Werkstoff, derzeit noch nicht marktreif sind, wurden für die
Weizer Reihenhausanlage die klassischen Holzriegel-Fertigteile der Firma
Herbitschek optimiert. Für die Deckenkonstruktion griff man auf die inzwischen
bewährten Massivdecken aus Kreuzlagenholz zurück, die ihre ungewohnt hohe
statische Belastbarkeit und Formstabilität durch kreuzweise übereinander
gestapelte Bretter erlangen. Als Dämmmaterial wurde Zellulose in das
Baukastensystem der Außenwände eingeblasen, die Dächer wurden mit Steinwolle
belegt. Der hohe Vorfertigungsgrad des Tragsystems konnte die Bauzeit und somit
auch die Herstellungskosten reduzieren. Innovativ ist auch die Dämmung der
Bodenplatte: Glasschaumschotter wird wie Schaumglas aus Recycling-Glas
hergestellt und unterhalb der Bodenplatte eingebracht. Bisher wurde das Material
als Unterbau für Straßen oder Garagen verwendet. Gute Dämmwerte, hohe
Druckfestigkeit und Dauerhaftigkeit machen Glasschaumschotter zu einem
attraktiven Baustoff. Da aus energetischen und finanziellen Gründen auf den Bau von Kellern verzichtet wurde, plante Kaltenegger vom Hausklima ausgegliederte Abstellcontainer, die er neben den Hauseingang an der Nordseite der Häuser situierte. Er unternahm nichts, um den Containercharakter der Abstellboxen zu verfälschen. Ob die zukünftigen Bewohner dieses Statement teilen oder sie mittels Rankgerüsten einhüllen, bleibt abzuwarten. Die interessante Mischung von vier unterschiedlichen Holzarten bei der Horizontalschalung des Prototyps wurde leider aus finanziellen Gründen nicht an den Fassaden der Reihenhausanlage übernommen. Das Spiel der andersartigen Verwitterung der Hölzer erweckt den einfachen, kubischen Baukörper des Doppelhauses zum Leben. Den mit Lärchenholz verschalten Reihenhäusern hingegen müssen erst die Bewohner und die Natur den nötigen Lebensgeist einhauchen.
Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern und Plänen finden Sie im Heft 7/05.
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PlusEnergieWohnen
Weiz A-8160 Weiz, Johannes-Hymel-Gasse |
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| Bauherr: |
Gemeinnützige
Siedlungsgesellschaft ELIN GmbH |
| Planung: |
Erwin
Kaltenegger, Passail |
| Mitarbeiter: | Martin Zottler, Brigitte Pfeifer |
| Planung u. Bauüberwachung f. d. Lüftungs- u. Sanitäranlagen: | Walter Bierbauer |
| Stahlkonstruktionen f. Fotovoltaik, Carportanlagen u. Eingangsüberdachungen: | Metallbau Melcher GmbH |
| Grundstücksfläche: | 4.056 m2 |
| Bebaute Fläche: |
741 m2 (1.
Bauabschnitt) |
| Umbauter Raum: |
3.924 m3 (1.
Bauabschnitt) |
| Planungsbeginn: |
2002 |
| Bauzeit: |
Herbst 2004 bis
September 2005 |
| Fotos: | Harald Eisenberger |
| Text: | Nicole Büchl |
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