Ein Platz an der Sonne

 

   

          

 

Wohnanlage Welserstr. in Salzburg

Planung: one room

         

Ein kleines Mädchen mit langen Zöpfen schaut fragend nach oben: „Wie heißt du?“, fragt sie und läuft dann gleich weiter. Ein etwas älteres Kind sitzt auf der Wiese und grüßt höflich. Ein Gefühl des Willkommenseins umgibt einen in der Julius-Welser-Straße in Salzburg Alt-Maxglan. Ist es der laue Sommerabend, der alles so freundlich aussehen lässt? Ist es die warme Farbgebung – das Eidottergelb der Häuser? Schwierig zu sagen. Entworfen wurde die Siedlung von den Salzburger Architekten Georg Huber und Karl Meinhart, die seit 1997 unter dem Namen one room firmieren. Beide können auf jeden Fall hier von einer hohen Wohnzufriedenheit berichten, „bis auf die normale Streitigkeiten, dass die Kinder zu laut sind und so.“

 

Die Wohnbaugesellschaft Neue Heimat Österreich und der Privatunternehmer Myslik haben sich 2001 zusammengetan, um auf dem ehemaligen Areal einer Baustofffirma Wohnungen zu errichten. Das Grundstück wurde in der Mitte geteilt. Es sollte eine einheitliche Wohnsiedlung mit einer gemeinsamen Tiefgarage entstehen. One room konnte sich mit seinem Entwurf in dem daraufhin ausgeschriebenen Wettbewerb durchsetzen: Die Architekten verteilen sechs längliche Baukörper in zwei Reihen über das Grundstück – alle nord-süd-orientiert – und fügen an den jeweils entgegengesetzten Enden noch zwei turmförmige Gebäude hinzu. In der Mitte verläuft der autofreie Verbindungsweg, an dem die Zugänge zu den Treppenhäusern liegen. Die auf den ersten Blick streng wirkende Grundordnung wird durch das gegeneinander Verschieben der Baukörper und die unterschiedlichen Gebäudelängen durchbrochen. „Wir wollten unbedingt weg von der Stangenbauweise“, so Architekt Georg Huber. Vor allem auf der Mittelachse wird die Qualität dieses städtebaulichen Entwurfes deutlich: Die Häuser springen von beiden Seiten in den Weg hinein oder von diesem zurück. Es bilden sich immer wieder neue Raumkonfigurationen. Das ganze Quartier – Huber spricht gerne in diesem Zusammenhang von einem solchen – ist geprägt von einer städtebaulichen Offenheit. Nicht ganz unwesentlich tragen die Eingangsbereiche dazu bei: Diese sind bis zu 5,5 Meter zurückversetzt; die darüber auskragenden Baukörper bilden einen überdachten Vorbereich. Immer wieder neue Einblicke in den folgenden Hof bieten sich den Spaziergängern an. Dunkle Ecken oder Sackgassen sind Fremdworte für diesen Ort.

 

Dass der Entwurf nur entfernt mit einer Stangenbauweise zu tun hat, macht auch ein Blick auf die Höhenstaffelung deutlich: Die Baukörper entwickeln sich von einer Zwei- über eine Dreigeschoßigkeit und zur Mitte mit Hilfe von Penthäusern sogar noch um eine weitere Etage nach oben. Es entstehen sanfte Übergänge zu der angrenzenden, niedrigen Einfamilienhausbebauung, und die vorgeschriebene Dichte von 0,8 kann ohne weiteres eingehalten werden. Durch die gestaffelte Bauweise dürfen sie diese sogar ein wenig überschreiten. Der Verkaufserfolg sprach für das architektonische Konzept: Ursprünglich sollte die Siedlung in vier Bauabschnitten realisiert werden. Der Verkauf lief aber so gut, dass die Wohnanlage doch in einem Stück errichtet wurde.

 

Herausfordernd für die Architekten war während der Planungsphase die zweite Grundstückshälfte: „Mit der Firma Myslik war es schwierig“, erinnert sich Architekt Huber. „Es gab permanente Änderungen.“ One room zog sich schlussendlich aus der Ausführungsplanung für diesen Teil der Siedlung zurück. So ist die Siedlung zu einem guten Beispiel dafür geworden, was eine gut durchdachte Ausführungsplanung bewirken kann. Auf der Grundstückshälfte der Neuen Heimat konnten die Architekten das Projekt bis zum Schluss begleiten – mit dieser Seite sind sie auch sehr zufrieden. Die Fotografien bilden überwiegend diese Seite ab. Die Firma Myslik nahm auf ihrer Hälfte einige Änderungen vor: Die überdachten Vorbereiche vor den Eingängen wurden dem Treppenhaus zugeschlagen, indem die Verglasung weiter nach außen gesetzt wurde. Bei dem Turm wurde das Stiegenhaus gleich ganz ausgelagert und als gläserner Kubus außen drangesetzt. Und die Wohnungsgrundrisse entsprechen auch nicht mehr den Vorgaben der Architekten. Das ist das gute Recht der Bauherren. Auch die Architekten sehen es gelassen: „Es ist aber auch wieder gut, weil man sehen kann, wie sich so ein grundsätzlicher Ansatz eben verändern kann.“ 

 

Für die 67 Wohnungen haben die Architekten eine Misch-Erschließung entwickelt. Es gibt ein zentrales Treppenhaus und in jedem Geschoß Laubengänge. Alle erdgeschoßigen Wohnungen verfügen über einen eigenen Garten. Die Balkongeländer sind aus feinem Lochblech. „Wenn die allzu transparent sind, tun die Leute immer was dahinter“, so Huber. Dieses Material bietet den nötigen Sichtschutz und wirkt vom Nahen betrachtet transparent. Am Ende der länglichen Gebäude (im zweigeschoßigen Bereich) gibt es Eckreihenhäuser, die über einen eigenen Zugang, Keller und Garten verfügen. Formal sind sie Teil des Wohnblockes, funktional aber vereinen sie alle Eigenschaften eines Reihenhauses in sich. Für die Außenraumgestaltung hat das Salzburger Team mit einem farbigen Asphalt gearbeitet. Die rote Farbe steht kontrastreich zu den Grasflächen, den dottergelben, länglichen Baukörpern und den grünen Türmen. Über der Abfahrt zur Tiefgarage liegt eine schräg betonierte Fläche, die von den Kindern gerne zum Skaten benutzt wird – nicht immer mit Zustimmung der Erwachsenen. 2004 erhielten sie für diese Wohnsiedlung den Landesenergiepreis für Geschoßwohnbauten. Die Stahlbetonkonstruktion ist mit 20 cm Vollwärmeschutz verkleidet, es gibt teilweise Sonnenkollektoren und eine zentrale Wärmeversorgung. „Hohe Energiestandards – das ist ein Thema, das uns interessiert.“ Huber und sein Kollege Meinhart haben bereits beim Bau eines Kindergartens Erfahrungen mit Passivenergie sammeln können. 

 

Dass es one room gelungen ist, keine Stangenware zu produzieren, zeigt auch ein Blick über den Gartenzaun: Auf einem nahen Grundstück entstehen zurzeit zwei neue Wohnriegel, die sich nur in ihrer Farbgebung – der eine Blau, der andere Grün – voneinander unterscheiden. Spätestens da weiß man den Ansatz der Architekten, „weg von der Stangenware zu kommen“, zu schätzen. Sie selber hatten sich auch an dem Wettbewerb beteiligt. Der Jury war ihr Entwurf aber zu verspielt.

 

Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern und Plänen finden Sie im Heft 7/05.

 

Wohnanlage Welserstraße

Salzburg West, Maxglan

Bauherr: Heimat Österreich, Myslik
Planung:

one room, architektur/workshop, Georg Huber, Karl Meinhart

Mitarbeiter:

Katrin Grimm, Brigitte Huber-Theissl, Barbara Linsberger, Martina Schaberl, Walter Schuster

Aufzüge: Kone AG
Grundstücksfläche:  9.300 m2
Bebaute Fläche: 2.521,3 m2
Baubeginn: 2002
Fertigstellung: Frühjahr 2004
Fotos: Andrew Phelps
Text: Anne Isopp

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