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Die Erfindung der Natur |
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Technologie und Innovationszentrum Grieskirchen Planung: Claire Braun; Christoph Gärtner; Dietmar Neururer
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Die Errichtung von Technologiezentren als wirtschaftlicher Entwicklungsmotor ist in Österreich derzeit ein weit verbreitetes Phänomen. Mittels professioneller Infrastruktur sowie umfassenden Informations- und Kontaktnetzwerken angelockt, soll jungen Unternehmen die Möglichkeit gegeben werden Teil von Forschungs- und Entwicklungsdrehscheiben zu werden und die regionale Wirtschaftsentwicklung zu stimulieren. Als Standort für das Technologie und Innovationszentrum (TIZ) Grieskirchen wurde das Industriegebiet am Rande Grieskirchens ausgewählt. Unter Beteiligung des Landes OÖ, eines regionalen Wirtschaftsverbandes und des ortsansässigen Landmaschinenherstellers Pöttinger wurde im Frühjahr 2002 ein geladener Wettbewerb für den Entwurf des Büro- und Betriebsgebäudes ausgeschrieben. Aus sieben eingereichten Vorentwürfen wurde das Projekt der Architektengemeinschaft von Claire Braun und Gärtner+Neururer ausgewählt.
Das Gebäude teilt sich funktional sowie äußerlich in einen der Straße zugewandten Bürotrakt und eine dahinter liegende Werkhalle. Über eine Rampe betritt der Besucher den verglasten Bürokubus, dessen Eingang über einen baukörperhoher Einschnitt definiert ist. Der Tageslichteinfall und die Einblicke durch den Deckenausschnitt der minimalistischen Foyerzone machen schnell klar, dass sich eine wesentliche architektonische Qualität des Gebäudes dem Besucher erst im Obergeschoß erschließt. Dort angekommen wird der Gedanke des “offenen” Atriums sofort erkennbar. Alle Büros sind von einem großzügigen Innenhof erschließbar, der von einem gläsernen Hubdach geschützt wird. Sein Gegenstück findet das Glasdach im steinernen Fußboden des Atriums von dem das eindringende Sonnenlicht reflektiert wird.
Unterschiedlichsten Unternehmen soll hier nebeneinander Raum gegeben werden, sich weiter zu entwickeln und zu wachsen. Der überdachte Innenhof soll hierbei als Zone des Ideenaustausches und der Kommunikation fungieren. Milchglastüren, Oberlichten und dazwischen liegende, farblich abgestufte Gipskartonelemente wurden eingesetzt, um die halbgeöffnete Situation architektonisch zu lösen. Die farbliche Ausgestaltung mittels warmer und kalter Farben wurde von den Architekten als stimulierendes Element für den Benutzer eingebracht. Nur das dunkle Stahlgeländer der umlaufenden Galerie durchschneidet das offene Volumen des Innenhofes. Für die Büroräume selbst galt Flexibilität als einer der maßgebenden Faktoren, um die Vielseitigkeit an Unternehmen mit unterschiedlichen Raumanforderungen zufrieden zu stellen. Mittels großzügiger Fenster, farbiger Glasfelder, parapethoher Einbaumöbel und dem warmen Farbton des Industrieparketts wurden hier attraktive und anregende Arbeitszonen geschaffen.
Stundenweise anmietbare Besprechungsräume und die Multifunktionalität des Atriums als Treffpunkt, Café und Veranstaltungsbereich bieten zusätzlichen Raum für die Unternehmen. Pläne für die Erweiterung des Gebäudekomplexes wurden ebenfalls bereits angedacht und berücksichtigt. Passend zu den Themenschwerpunkten Elektrotechnik, Steuerungstechnik und Informationstechnologie wurde die Werkhalle mit technischen Prüfständen ausgestattet und dient nun ebenfalls als zusätzliche Dienstleistung, die von den Mietern in Anspruch genommen werden kann. Eine wesentliche Idee, die dem gestalterischen Konzept zu Grunde liegt, ist das Herstellen einer Symbiose von Natur und Technik. Aus dem hierzu abgehaltenen künstlerischen Wettbewerb ging der Leitsatz des oberösterreichischen Künstlers Robert Schuster hervor, der sich wörtlich durch das gesamte Gebäude zieht, und lautet: “Technik und Wissen – Entstehen aus dem Verstehen der Natur.” Die Worte “Technik und Wissen”, welche die Grundlage jedes innovativen Unternehmens bilden, finden sich als 2 m hohe Buchstaben, die entlang der Bundesstraße angebracht sind, wieder. Sie wirken gleichzeitig als Blickfang sowie als raumbildendes Element zwischen Parkplatz und Bundesstraße. Weitere Spruchteile sind im Fußboden der Eingangsrampe integriert und begleiten den Besucher in das Gebäude. Dort finden sich Teile des TIZ-Mottos auf den Setzstufen und im Geländer des Gitterroststeges wieder. Den Abschluss bildet das Wort “NATUR” als Neonschrift unterhalb des Glasdaches.
Mit dem Hintergedanken des Bündnisses zwischen Natur und Technik wurde auch die siebbedruckte, vorgehängte Schallschutzglasfassade des Bürotraktes von dem im Salzkammergut lebenden Künstler Michael Zitzler gestaltet. Auch dieses optische Detail war Thema eines künstlerischen Wettbewerbes. Leicht versetzte Fensteraussparungen unterbrechen die nachgeahmte Blattstruktur des Hüllkleides. Bei Dunkelheit wird dieses optische Spiel durch grüne Leuchtstoffröhren verstärkt. Um die Schalldämpfung der 2-schaligen Fassade kostengünstig zu optimieren, wurde an der tragenden Wand eine offenporige weiche Wärmedämmung angebracht. Die grünliche Färbung dieser Platten läuft von der Hauptfassade in den Baukörpereinschnitt der Eingangsachse hinein und findet sich in den farbigen Wandelementen im Inneren wieder.
Claire Braun und Gärtner+Neururer entschieden sich dafür die Baukörper des Bürotraktes und der Werkhalle gestalterisch klar zu trennen und ließen sich dabei vielleicht die Chance entgehen eine fließende Gesamtkomposition zu schaffen. Die Fassade der Halle reduzierten sie auf das Notwendigste und zentrieren somit das Interesse auf den Straßentrakt. Die Unterschiede in der Funktion der Gebäudetrakte sind in der Gestaltung und der Wahl der Oberflächenmaterialien deutlich ablesbar, ähnlich wie es das Team Gärnter+Neururer auch schon bei dem an der A1 gelegenen Betriebsgebäude von “funworld” lösten.
Zu Jahresbeginn wurde nun den Räumlichkeiten Leben eingehaucht, und das TIZ Grieskirchen muss seinen Platz in den Reihen der österreichischen Technologiezentren behaupten. Die architektonischen Voraussetzungen für eine gute Entwicklung sind jedenfalls gegeben. Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 8/04.
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TIZ-Landl Industriestr. 28, A-4710 Grieskirchen |
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| Bauherr: | TIZ-Landl-Grieskirchen GmbH |
| Planung: |
Projektgemeinschaft: Claire Braun / GÄRTNER+NEURURER ZT GMBH, Vöcklabruck |
| Mitarbeit: | Johann
Glanzer (Projektleiter) Franz Mosleitner (Bauleiter) |
| Statik: | Ingenieurbüro Schindelar-Nowy-Zorn |
| Konsulent: | TAS-Bauphysik |
| Kunst am Bau: |
Michael
Zitzler (Grafik Glasfassade) |
| Haustechnik: | Pöttinger (Elektro, Beleuchtung, EDV, Sanität) |
| Glas: | Glas Friepess |
| Fenster: | Lederbauer |
| Schlosser: | Gebetsroider |
| Umbauter Raum: |
37.200 m3 |
| Bebaute Fläche: | 3.000 m2 |
| Planungsbeginn: | September 2002 |
| Bauzeit: | 10 Monate |
| Fertigstellung: | Dezember 2003 |
| Fotos: | Andrew Phelps |
| Text: | Nicole Büchl |
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