|
Neue Mitte |
|
![]()
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Sicherheitszentrum Kaltenleutgeben/A Planung: HadlerbisHausdorf architekten, Ulrike Hausdorf und Günther Hadler
|
|
Die Marktgemeinde Kaltenleutgeben zählt rund 3.000 Einwohner und liegt mit ihren rund 900 Gebäuden in einem engen, von Hügeln begrenzten Tal im Nahbereich von Wien. Da sowohl Feuerwehr als auch Rettung in unterschiedlichen und unzweckmäßigen Gebäuden untergebracht waren, wurde 2001 ein Wettbewerb ausgeschrieben, um die beiden Rettungsorganisationen – samt Arztpraxis, Feuerwehrmuseum, Wohnungen und Geschäftslokal – an einer zentral gelegenen Stelle des Ortsverbandes am Hauptplatz in einem Neubau zusammenzufassen. Die Wettbewerbssieger (siehe auch architektur 5/2004) leben und arbeiten selbst in Kaltenleutgeben. Ihr Entwurf bestach durch eine offene, transparente Feuerwehrhalle, auf der ein Mehrzwecksaal mit geschwungener Form sitzt. Daran angeschlossen ein weiterer Gebäudeflügel, in dem neben dem Roten Kreuz auch Wohnungen und ein Café untergebracht sind. Neben aller Funktionalität und baulicher Ästhetik legten die Architekten besonderes Augenmerk auf die städtebauliche Situation am Hauptplatz und der klaren Formulierung einer Ortsmitte, die in der linear an der Hauptstraße aufgereihten Ortschaft bisher wenig ausgebildet war. Die lang gestreckte Fahrzeughalle der Feuerwehr und ein dreigeschoßig querstehender Bauteil bilden nun ein L-förmiges Ensemble, welches die nordöstliche Ecke des Hauptplatzes fasst und eine klare Form gibt. Durch die Verengung des Straßenquerschnittes wird eine Torsituation gebildet, die den Beginn der neu formulierten Ortsmitte deutlich markiert und gleichzeitig die monotone Wohnbebauung aus den 1970er-Jahren im Osten des Platzes visuell aus der Ortsmitte ausklammert. Ein freistehender Turm greift ein ortstypisches Element – die mit Türmen versehenen Villen aus der Blütezeit des Kaltwasserkurortes Kaltenleutgeben Ende des 19. Jahrhunderts – auf und bildet mit dem Rathaus und der so genannten “Professorenvilla” den Abschluss einer Reihung von vertikalen Akzenten am Hauptplatz. Durch die nach hinten gerückte Fahrzeughalle wird die markante Professorenvilla als Solitär freigestellt und fungiert nun als zentraler Baustein des attraktiven Hauptplatzes. Für die Ausbildung der Fassade wurden wenige Elemente – silberne Alucabont-Fassade, bündige DOMICO-Verglasung und zwei signalrote Kanzeln – vielfältig kombiniert. So legt sich um die oberen Geschoße des Querriegels eine Lochfassade mit kaschierten Fensterstöcken, die die Fassadengliederung des benachbarten Wohnbaus aufgreift und spielerisch in den Platz überleitet. Das Café im Erdgeschoß öffnet sich mit seiner geschwungenen Planarverglasung zum Platz. Die schräg gestellten verglasten Garagentore fungieren als Schaufenster für den Fuhrpark der Feuerwehr, darüber wölbt sich der Mehrzwecksaal als geschwungener, mit Sehschlitzen akzentuierter Körper nach vorne. Als Kanzel ausgebildet schiebt sich die Kommandozentrale der Feuerwehr in den Platz hinein, in gleicher Weise wird an der Ostseite der Gemeinschaftsraum des Roten Kreuzes nach außen gedreht und macht die inneren Vorgänge öffentlich sichtbar. Das Farb- und Materialkonzept – Signalrot als Leitfarbe – setzt sich auch im Innenraum fort. Foyer und anschließendes Stiegenhaus sind durch den rot epoxybeschichteten Bodenbelag klar gegliedert, der von den beiden Hauptwegen farbig durchkreuzt wird. Das Feuerwehrmuseum steht als durch geschwungene Stellwände gebildete Insel im Foyer, und die Stiegenunterseiten sowie die geschwungene Außenwand des Saales im 1. Obergeschoß werden durch schmale Leuchtstoffröhren akzentuiert, die den Weg vom Eingang bis zur über der Fahrzeughalle liegenden Terrasse begleiten. Der Saal selbst wird über Lichtkuppeln unterschiedlicher Größe sowie den schmalen Sehschlitz zum Platz hin belichtet. Die Verglasung zur Terrasse lässt sich durch Schiebetüren vollständig öffnen und ermöglicht eine räumliche Verbindung und gemeinsame Nutzung von Saal und Außenraum bei Veranstaltungen. In der Fahrzeughalle sticht optisch die rote eingestellte Garderobenbox heraus. Ein technisches wie optisches Glanzstück sind die in enger Zusammenarbeit der Architekten mit der ausführenden Firma speziell entwickelten Garagentore, die bündig in der Fassade liegen. Im Kellergeschoß darunter sind Stellplätze, Lagerräume und die Schlauchwaschanlage untergebracht. Der Turm, obligatorisches Kennzeichen und funktionales Element von Feuerwachen, besteht aus zwei Elementen, die sich gegenseitig aussteifend eine statische Einheit bilden: Zum Platz hin ragt eine Sichtbetonscheibe, deren vertikale Dreiteilung die Gliederung des Turmes der benachbarten Professorenvilla imitiert. Die in der Sichtbetonscheibe nachgebildeten “Fenster” dienen der Feuerwehr bei Übungen als Einsatzobjekte. Rückwärtig lehnt sich ein schlankes, mit opaken Polycarbonatplatten verkleidetes Stahlgerüst an: Die Platten kanten sich um die Ecken und wurden in ihrer Größe maximal ausgereizt, um die Anzahl der Stöße zu minimieren und eine flächige, geschlossene Hülle zu bilden. Den oberen Abschluss bildet die “Flamme”, eine bei Nacht beleuchtete, geschwungene Lochblechskulptur. Ein einheitliches Beschriftungskonzept wurde für innen und außen entwickelt und großflächig und weithin sichtbar auf dem Stahlbeton des Turms und auf den Fixverglasungen der beiden Kanzeln bis hin zu den Türen im Innenraum angebracht. Die ambitionierte Detailarbeit, die ausführliche Zusammenarbeit mit den Nutzern und den ausführenden Firmen ermöglichte es, den ursprünglichen Wettbewerbsentwurf ohne Änderungen in die Realität umzusetzen.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 8/04.
|
|
Sicherheitszentrum Kaltenleutgeben Hauptstraße 72, A-2391 Kaltenleutgeben |
|
| Bauherr: | Marktgemeinde Kaltenleutgeben |
| Planung: |
HadlerbisHausdorf architekten ZT GmbH |
| Statik: | Rudolf Spiel |
| Dach- u. Fassadensystem: | Domico |
| Acrylglas: | Zeiler |
| Tore: | Guttomat |
| Grundstücksfläche: | 1800 m2 |
| Umbauter Raum: |
9500 m3 |
| Bebaute Fläche: | 630 m2 |
| Planungsbeginn: | Februar 2001 (Wettbewerb) |
| Baubeginn: | 2003 |
| Fertigstellung: | Juni 2004 |
| Fotos: | Herta Hurnaus |
| Text: | Walter Laser |
Mehr
gibt es in der Printausgabe!
Nur ein Abonnement sichert Ihnen
einen regelmäßigen und sicheren Bezug!