Für die gelben Engel

 

    

   

 

ÖAMTC Dienstleistungszentrum in Wels

Planung: PAUAT-Architekten, Wels

 

Im Mai dieses Jahres feierte der ÖAMTC Oberösterreich seinen 100. Geburtstag. Im April 2004 präsentiert sich das Unternehmen nun endlich auch mit einem Gebäude, mit dem sich nicht nur die Mitarbeiter gerne, sondern auch die Stadt Wels neu identifizieren kann.

 

Heinz Christian Plöderl und Wolf Grossruck, auch unter dem Namen PAUAT-Architekten nicht nur in Oberösterreich bekannt, haben mit dem neuen Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum für den ÖAMTC im Gewerbegebiet Wels-Pernau eine Corporate Identity geschaffen.Die gebaute Infrastruktur des ÖAMTC übte sich bis dato eher in architektonischer Bescheidenheit. Präsent waren in den Köpfen der Österreicher und Österreicherinnen jedoch stets die “guten Engel” in ihren gelben Einsatzfahrzeugen, die sofort zur Stelle sind, wenn man sie braucht. Höchste Zeit also, dass man diesen Helfern auch eine ganz der Firmenidentität entsprechende “kompetente, leistungsstarke und offene” Arbeitsstätte zur Verfügung stellt und so mit dem ÖAMTC auch ein Gebäude verbindet.

 

Einen geladenen Wettbewerb konnte PAUAT einstimmig für sich entscheiden. Nach nur sieben Monaten Bauzeit wurde auf einem verwechselbaren Niemandsland an der Osteinfahrt von Wels ein unverwechselbares architektonisches Zeichen gesetzt, das dem Profil der Organisation entspricht und somit innen wie außen identitätsstiftend wirkt. Eine klar definierte lang gestreckte Großform des Gebäudes nutzt das vorhandene Potenzial des Grundstücks und strukturiert in Lage und Zuordnung die Außenräume. Die vorhandene Topografie des Ortes mit ihrem drei Meter hohen parallel zur B1 verlaufenden Geländesprung wird im Bauwerk aufgegriffen und mit Hilfe einer Faltung modelliert. Der Fluss von Licht und Raum wird nicht durchbrochen, selbst nicht in den introvertierten Bereichen. Ein durchgehendes Raumkontinuum wurde geschaffen. Bodenplatte, Wände und Dach sind aus einem Guss, und die Erscheinung wirkt wie eine gefaltete an das Terrain angeschmiegte gelbe Fläche, welche den Raum umschließt. Die Hüllflächen, horizontal und vertikal, sind luzid oder opak ausgeführt. Die vier Schauseiten sind unterschiedlich ausformuliert. Die Fassade der Straßenseite wirkt mit seiner flächenbündigen Verglasung geschlossen und gibt mit großen Buchstaben den Firmennamen wieder, die restlichen drei Fassaden weisen große Glasflächen auf. So wird im Innenraum die Umgebung erlebbar gemacht und den Außenstehenden Einblick in den Arbeitsalltag gewährt. Straßenseitig scheint das Gebäude über dem Erdboden zu schweben. Die Vordächer der Längsseiten, die 4 m weit auskragen, verstärken den Schwebe- und Balancecharakter noch zusätzlich.

 

Die Raumfolge des Kundenzentrums ist sehr offen gestaltet und weicht von der üblichen Gebäudetypologie Bürokopf-Prüfhalle ab. Das Schulungszentrum und der Kundenraum befinden sich im Nordteill des Gebäudes und sind übereinander gestapelt. Nach Süden erstreckt sich die große Prüfhalle. Sämtliche Elemente und Details sind mit einfachen industriellen Materialien und Standardelementen durchgestaltet. Die Detaillösungen und -ausführung sind präzise und wurden bereits bei kleineren Objekten, meist Passivhausbauten, der vergangenen Jahre eingesetzt und nun für den Industriebau weiterentwickelt. Zum ersten Mal bei einem Großprojekt eingesetzt, erzielen sie eine höchst erfreuliche Wirkung im Gesamterscheinungsbild. Ein energieeffizientes Gesamtkonzept ergänzt das bereits mit städtebaulichen, funktionellen und architektonischen Qualitäten ausgestattete Projekt nun auch noch um die Umweltverträglichkeit. Für Komfort sorgt eine raffiniert ausgeklügelte Nachtkühlung. Die U-Werte des Daches, der Wände und der Fenster weisen für einen Industriebau extrem gute Werte auf.

 

Für die 20.000 Mitglieder und 19 hauptberuflichen Mitarbeiter des ÖAMTC im Raum Wels erscheint das neue Gebäude nicht nur als größtes modernstes Kompetenzzentrum. Sicherlich ist es für die Angestellten ein gutes Gefühl in diesem funktionierenden und ästhetisch ansprechenden Gebäude tätig zu sein. Das Klientel mag es mit Wonne und Freude erfüllen, solch eine zu Ende gedachte und ohne Detailschwächen realisierte Architektur betreten zu dürfen. Die Wünsche der Bauherrschaft wurde hier in überzeugender Weise erfüllt und ökonomisch begründet sowie architektonisch glaubwürdig umgesetzt.

 

Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 8/04.

 

ÖAMTC-Dienstleistungszentrum

A-4600 Wels

Bauherr:  Oberösterreichischer Automobil und Touring Club
Planung:

PAUAT-Architekten
Heinz Christian Plöderl, Wolf Grossruck

Mitarbeit: Martin Trinkl
Statik: Klaus Bieregger
Konsulenten:  Energie Technik Ing. Mario Malli Planungs-GmbH
Grundstücksfläche: 6.138 m2
Nettonutzfläche:  1.725 m2
Bebaute Fläche: 1.325 m2
Wettbewerb: April 2003
Baubeginn: Oktober 2003
Fertigstellung:       April 2004
Fotos: Walter Luttenberger, W. Breitwieser
Text: Katharina Tielsch

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