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Arena´s neues Technokleid |
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Veranstaltungszentrum Arena Wien Planung: Rataplan, Wien
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Wir haben es hier nicht mit einer herkömmlichen Umstrukturierung, Erweiterung oder Sanierung eines unter Denkmalschutz stehenden Industriekomplexes zu tun. Es handelt sich vielmehr um einen Träger der facettenreichen Wiener Subkulturbewegung – von Generationen genutzt und einem ständigen kulturellen Wandel unterzogen.
Im Sommer 1976 entstand die Arena-Bewegung anlässlich der Besetzung des ehemaligen Wiener Auslandsschlachthofes. Allerdings wurde am 22. September 1976 der 71.927 m2 umfassende Auslandschlachthof an die WIBAG – Wiener Betriebsansiedlungsgesellschaft – verkauft und zum Abbruch freigegeben: Strom und Wasser wurden Anfang Oktober 1976 abgedreht, und die Besetzung war ab diesem Zeitpunkt illegal. Caspar Einem, zunächst im Arena-Publikum, bemühte sich nach der Auflösung der Arena um Randgruppen, gründete Wohngemeinschaften, damit die gefährdeten Jugendlichen sich wieder in der Gesellschaft stabilisieren konnten.1977 übersiedelte der Verein “Forum Wien Arena” in den Inlandsschlachthof, der von der Gemeinde Wien als Ersatzobjekt zur Verfügung gestellt und somit vor dem Abriss bewahrt wurde. Das damalige Ersatzobjekt konnte sich in den letzten 30 Jahren als Kulturinstitution etablieren, und der ehemalige Schlachthof ist bis heute das Zuhause der Arena. Nach beinahe 30-jährigem nicht-kommerziellen Veranstaltungsbetrieb wurde eine Adaptierung des Jahrhundertwende-Industrieobjekts notwendig, da die Infrastruktur nicht länger einem gegenwärtigen Standard entsprach. Mit RATAPLAN hat der Verein Forum Wien Arena ein Architektenteam gefunden, das die Funktionen der Arena nicht nur auf Bausubstanzebene verstehen und analysieren konnte, sondern vor vielen Jahren aktiv am Arena-Geschehen teilnahm. Vorgaben wie das Bewahren der Identität der Arena, das Ansprechen verschiedener Kulturinteressierter und eine Nutzungserweiterung konnten von den Planern sensibel in den Zu- und Umbau integriert werden.
Grundsätzlich ist eine Adaptierung der Arena in vier Bauabschnitten konzipiert. Der erste Bauabschnitt wurde im Mai 1998 fertig gestellt und beinhaltete die Sanierung der Sanitäranlagen, das Absenken des Zuschauerbereiches und der Open-Air-Bühne sowie die Errichtung von Schallwänden, um den Schallpegel während der Konzertveranstaltungen zu senken. Um die Sicherheit der Besucher zu erhöhen, wurde außerdem ein neuer Notausgang zur Baumgasse geschaffen. Der zweite Bauabschnitt wurde im November 2004 beendet und beinhaltet Veränderungen, die einerseits die Materialität der vorhandenen Bausubstanz erweitern und andererseits durch räumliche Eingriffe eine vielfältigere Nutzung möglich machen. Der Eingangsbereich zur großen Halle präsentiert sich als zweigeschoßiges Foyer mit Garderobenbereich, der unter der teilweise auskragenden Tribüne liegt. Die Konzerthalle wurde insofern umstrukturiert als nun die Bühne an der dem Foyer gegenüberliegenden Seite liegt, und alle Zusatzfunktionen wie Bar, Garderobe und Sanitäranlagen die Längsseite der Halle flankieren. Außerdem gelangt man über eine schlichte Treppe auf die neue Terrasse, die einerseits Galerie für den Konzertraum in der großen Halle wird und andererseits bei Freiluftkonzerten als Zuschauertribüne genutzt werden kann. Der Standort des Filmprojektionsraumes wurde über die Terrasse verlegt, wodurch sie nun auch als Kinopublikumsbereich fungieren kann.
Fragt man sich, warum die Terrasse nur teilweise überdacht ist, so haben die Planer eine hübsche konzeptuelle Antwort parat: Der neben der Halle stehende Schornstein sollte auch von der Terrasse aus sichtbar bleiben, weswegen auf eine vollflächige Überdachung verzichtet wurde und stattdessen ein spangenförmiges Stahlbetonband den Außen- und Innenraum umschließt. Diese Spange nimmt ihren Anfang als Foyerdach, geht dann als Flugdach über der Terrasse weiter, wird zur Wandscheibe hinter dem Kamin und zum Balkon des Open-Air-Geländes und führt schließlich über die Freitreppe zum Aufzugsturm neben dem Stiegenhaus, das – als transparenter Glaskörper formuliert – die Erschließung von Künstlergarderoben, Catering-Bereich und Nebenräumen beider Bühnen zulässt. Die Durchfahrtshalle, hinter der Open-Air-Bühne und dem “grauen Haus” liegend, erhielt eine neue Tribüne, was eine Erweiterung von 420 m2 auf 505 m2 zur Folge hatte. Um die formale Sprache der Arena weiterzuführen, wurde die Tribüne elegant als Stahlbetonkonstruktion- mit einer Öffnung für durchfahrende Lkw- in den Raum gesetzt. Details und Materialwahl sind im gesamten Zubau industrienah – im Foyer wurde beispielsweise auf die Substituierung der vorhandenen Fenster verzichtet. Stattdessen sitzen neue Metallfenster direkt an der Innenwand – mittels Metalllaschen ist der Rahmen mit der Wand verdübelt – optisch wunderschön grob und kostengünstig überzeugend für die Bauherrin Stadt Wien.
So oft schon wurde die Arena totgesagt – so viele wünschten ihr ein baldiges Ende. Wir wünschen der Arena, dass sie noch viele Sonnenaufgänge in ihrem neuen Kleid begrüßen wird.
Den gesamten Artikel mit Plänen usw. finden Sie im Heft 8/04.
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Veranstaltungszentrum Arena Wien Baumgasse 80, 1034 Wien |
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| Bauherr: | MA 34, Bau- und Gebäudemanagement, Peter Kovacs |
| Planung: |
RATAPLAN, Rudolf Fritz, Susanne Höhndorf, Gerhard Huber, Martina Schöberl, Friedel Winkler |
| Mitarbeit: |
Otto Arnold, Waltraut Hoheneder, Benjamin Lehner, Julian Kerschbaumer, Martha Wolzt, Katharina Müller |
| Statik: | Ewald Pachler |
| Bauphysik: | Walter Prause |
| Planungsbeginn: | April 1999 (2. Bauabschnitt) |
| Baubeginn: | September 2003 |
| Fertigstellung: | November 2004 |
| Fotos: | Markus Tomaselli |
| Text: | Sandra Knöbl |
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