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Raiffeisenbank Fehring |
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Bankgebäude Fehring/A Planung: N17.Architektur, Graz |
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Dass Innovation nicht immer aus der Metropole kommen muss, zeigt die neu gestaltete Raiffeisenbank im steirischen Fehring. Offenheit bei unbedingter Diskretion galt es im neuen Vertriebskonzept unter einen Hut zu bringen. Eine gelungene architektonische Lösung. Die Geschichte von Raiffeisen ist seit über 100 Jahren eng mit der Geschichte des ländlichen Raumes in Österreich verbunden. Dabei nimmt sie eine nicht zu unterschätzende Rolle in der räumlichen Entwicklung ein. Markante Getreidesilos, die Lagerhäuser, aber vor allem die Raiffeisenbanken haben das Erscheinungsbild unserer Dörfer über die Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt. Längst haben sich die einstigen agrarwirtschaftlichen Genossenschaften in einen modernen Konzern gewandelt, der dezentral organisiert ist – das heißt, jede Filiale verfügt über eigene Entscheidungsgewalt was ihre Verkaufstrategien anbelangt. Dementsprechend hat die Raika-Geschäftstelle im südsteirischen Städtchen Fehring ein zukunftsweisendes Vertriebskonzept zur Unternehmensphilosophie erhoben: das Einzonenkonzept. Dieses lebende Konzept setzt verstärkt auf Kundenberatung und aktiven Verkauf, operiert mitarbeiterorientiert und entwickelt sich mit den ständig neuen Anforderungen des Marktes stetig weiter. Ein zu klein gewordenes und veraltetes Gebäude einerseits sowie der geplante Neubau eines mitgenutzten benachbarten Gebäudes andererseits veranlassten die Verantwortlichen 2003, einen geladenen Architekturwettbewerb auszuschreiben, um der neuen Idee die optimale gestalterische Form zu verleihen. Unter den 9 eingereichten Projekten entschied sich die Jury für das Projekt des Grazer ArchitektInnen-Teams N17.
Das Siegerprojekt nimmt die Geschichte des Ortes Fehring auf, die bis ins tiefe Mittelalter zurückreicht und wo sich heute wie damals die alten Rebstöcke in der sanften Hügellandschaft der Weinregion ranken. Heute lebt der Ort von seiner zentralen Lage in der Mitte des steirischen Thermenlandes. Es ist genau diese geschichtliche Spannweite, die im 2004 realisierten Entwurf überzeugend thematisiert wurde. Die Bank befindet sich unmittelbar am historischen Kern von Fehring, einer Wehranlage, welche die spätgotische Wehrkirche umringt. Das umzugestaltende Gebäude wurde Anfang der 1970er-Jahre – während ungestüme Modernisierungwellen auch das übrige Land heimsuchten – anstelle eines historischen Taborgebäudes erbaut. Die unumgänglichen Gaupen und auffällige, tonnenförmige Fassadenschirme sowie rustikale Fensterläden formten das äußere Erscheinungsbild über die letzten 30 Jahre. Ein grundlegender städtebaulicher Gedanke der ArchitektInnen war es daher, durch den Rückbau der dominanten Fassadenelemente des Bestandsobjektes das historische Gefüge der mittelalterlichen Anlage wieder sichtbar zu machen. Eine durchgehende vorgehängte Glasfront ersetzt die vormalige schwere Steinfassade in der Erdgeschoßzone und gibt erste Einblicke auf das Innenleben frei; die Gaupen wurden zur Gänze entfernt und mit in der Dachfläche integrierten Glasflächen ausgetauscht. Einzig den Schriftzug und das altbekannte würfelförmige Logo behielt man bei. Gänzlich transparent präsentiert sich auch zur Taborstraße hin der schmale Zubau in seiner klaren Formensprache, die durch die kupferfärbige Lamellengliederung unterstrichen wird. Der Neubau befindet sich da, wo einst ein historischer Eckturm situiert war. Diesem historischen Bruch zollt ein durchgehender schräger Glasstreifen am Ende des Gebäudes Respekt, der von der unteren Vorderkante zur Höhe des Dachfirstes führt. Konsequenterweise zieht sich die Verglasung in diesem Bereich durch Decken und Wände bis zum hinteren Teil des Gebäudes hindurch und entledigt sich so schnell des Verdachts einer bloßen Geste. Vielmehr wird eine spürbare Zäsur geschaffen, die ungeahnte Ausblicke freigibt.
Dem Haupteingang der Bank an der Schmalseite des umgebauten Gebäudeteils ist ein kleiner neu gestalteter Platz vorgelagert, der auf subtile Art räumliche und funktionale Differenzierung schafft. Ein von den Architekten gestalteter Fahrradständer, der gleichzeitig als Sitzbank funktioniert, und eine zurückhaltende Bepflanzung laden zum Verweilen ein. Im Eingangsbereich zieht sich das vorgehängte Glasband der Straßenseite um die Ecke, wobei ein leichtes Vordach, eine Seitenwand und eine elegante weiße Bodenplatte den Zugang umrahmt. Betritt man den Innenraum, schlägt dem Kunden sofort ein frischer Wind entgegen; im radikal entkernten Gebäude eröffnet sich eine weitläufige Halle, das Herzstück jeder Bank. Allerdings mit dem maßgeblichen Unterschied zu herkömmlichen Bankstellen, dass diese Halle nicht zu enden scheint. Allzu oft scheinen die Selbstbedienungszonen der jüngeren Zeit notbehelfsmäßig in viel zu kleine Foyers gepfercht, anders in Fehring; Die zeitgemäße Automatisierung ist hier zum Prinzip erhoben; Großzügig reihen sich sieben Automaten um den Eintretenden. Die Bank in Fehring ist eine kleine Bank in einem kleinen Ort, was naturgegeben dazu führt, dass man einander kennt. Und wo Leute sind, da wird geredet. Nur ist gerade im dörflichen Kontext eine Bank nicht der geeignete Ort für Pläuschchen. Daher war es eine wichtige Anforderung des Bauherrenkollektivs an die räumliche Gestaltung, klare Zonen zu schaffen, die eine diskrete Erledigung der Geldgeschäfte zulassen, ohne dabei das Einzonenkonzept zu durchbrechen. Daher rührt auch die kurvenförmige Anordnung der Automaten, die in der Mitte eine Art Piazza schaffen. Diese „Piazza“ schafft auch die optimale Bühne für den Auftritt der MitarbeiterInnen, die im Rotationsprinzip auf gleicher Augenhöhe in direkten Kontakt mit den Kunden treten. Der Schalter ist mobil geworden – die MitarbeiterInnen springen aus der Mitte von Insel zu Insel. Zur Linken, gleich hinter der Reihe der Automaten, die in Holz und Glas neu eingekleidet wurden, stehen hinter zwei hellbeigen geschwungenen Paravents Tische für intensivere Kundenbetreuung zur Verfügung, die allerdings nur im Bedarfsfall genutzt werden.
Der hintere Teil der Halle lässt sich außerhalb der Geschäftszeiten mittels einer Glasschiebewand vom Selbstbedienungsfoyer abtrennen, sodass dieses 24 Stunden – sogar ohne jegliche Kartenberechtigung – zugänglich ist. Parallel zur Treppe, entlang der Straßenfront ordnen sich ein Bearbeitungsraum, die Hauptkasse und drei Beratungsbüros an. Unterschiedliche Materialwahl der Wände wie eine helle Holzverkleidung, ein knallbunter roter Farbanstrich sowie Glastrennwände signalisieren dem Kunden die unterschiedlichen Grade der Durchlässigkeit, ohne Beschilderung notwendig zu machen. Der Wartebereich in der Mitte wird durch eine Betonwand abgeschlossen, wo ein Wasserbecken und Bambusbepflanzung eine beruhigende Atmosphäre schaffen und Sitzgelegenheiten eher ans heimische Wohnzimmer erinnern als an leidige Geldgeschäfte. Dieser informelle Charakter wird zusätzlich durch die angrenzende Teeküche mit Sitzgelegenheit verstärkt. Hier treffen sich Mitarbeiter und Kunden auf einen Schluck Kaffee, man kennt sich und fühlt sich gut aufgehoben und äußerst umsorgt. Nicht nur das Mobiliar in der Küche entspringt der Architektenhand, Barmöbel mit mobilen Elementen, Bürotische im Dreiecksformat, Türstöcke und Blätter, in gebleichter Eiche und Wenge furniert, verleihen dem ganzen Haus eine individuelle Note, die es trotzdem schafft, eine einheitliche aber vor allem freundliche Atmosphäre zu kreieren. Das obere Geschoß ist über eine leichte mittige Stahltreppe zu erreichen. Auch hier dominieren Transparenz, Glaswände und helle Freundlichkeit. Besonders beeindruckend zeigt sich die Empfangszone; wie ein Raumschiff kurz nach dem Abheben scheint der Schreibtisch des Sekretariats am Ende des Raumes zu schweben. Durch mehrere Beleuchtungselemente gekonnt in Szene gesetzt zieht er den Kunden wie das Licht am Ende des Tunnels an.
Neben all den baulichen Neuinterpretationen wartet das Bankinstitut mit einer weiteren Innovation auf: Über das seitliche Stiegenhaus erreicht man vom Pfarrhof das 3. Obergeschoß, wo im alten Dachboden ein multifunktioneller Saal installiert wurde, der für Veranstaltungen verschiedenster Art kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Von hier aus ist auch die Terrasse des Neubaus zugänglich. Hier lässt der Rundumblick Altes und Neues miteinander verschmelzen, und einmal mehr prägt Raiffeisen sein Umfeld aktiv mit.
Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern und Plänen finden Sie im Heft 8/05.
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Raiffeisenbank
Fehring Taborstraße 1, A-8350 Fehring |
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| Bauherr: | Raiffeisenbank Fehring – St. Anna am Aigen |
| Planung: |
N17.Architektur,
Graz |
| Mitarbeiter: |
Christoph Jocher, Axel
Steidl |
| Statik: | Manfred Petschnigg |
| Systemmöbelausstattung: |
Ing. A. Streitner GmbH |
| Grundstücksfläche: | 498 m2 |
| Bebaute Fläche: |
413 m2 |
| Umbauter Raum: | 4.110 m3 |
| Bauzeit: | 12 Monate |
| Fertigstellung: | August 2004 |
| Fotos: |
Zita Oberwalder |
| Text: | Christina Linortner |
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