|
Die Zelebrierung des Schuhs |
|
![]()
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Schuhgeschäft KRISTA calzature in der Passage Linz Planung: Otto Gahleitner, Johannes Stieger |
|
|
Die
Umbauarbeiten des 1963 eröffneten, modernen Großkaufhauses Passage in Linz
begannen im Jahr 2000 und dauerten exakt acht Monate. Das Kaufhaus wurde von 10.500 auf rund 19.500 Quadratmeter
Gesamtverkaufsfläche vergrößert, indem das bestehende Gebäude aufgestockt
und das Nachbarobjekt integriert wurde. Heute wird das umgestaltete Shopping
Center „Passage“ von den Linzern nur als „das Passage“ bezeichnet.
Hinter einer gläsernen Fassade, die wie eine riesige Auslage wirkt, finden sich
auf sieben Etagen neben einer Bank, durch die man für die Tour durch das Haus
das nötige Kleingeld erhält, Lebensmittelgeschäfte und Gastronomiebetriebe
sowie alles, was der Mensch von heute zum Leben sonst noch so benötigt: Mode,
Kosmetik, Friseure, Bücher, Blumen, Schmuck, Tabak und Technik. Im Erdgeschoß
des zentral gelegenen Einkaufszentrums, direkt an der überdachten
Hauptladenstraße, die einen städtebaulich wichtigen Durchgang von der Landstraße
zur Harrachstraße und Bethlehemstraße bildet, stößt man auf das kleine, edle
italienische Schuhgeschäft „KRISTA calzature“.
Unter
den meist auffällig überladenen und im wohlbekannten anonymen Design
gestalteten mehr oder weniger großen Geschäftsflächen sticht dieses
Schuhgeschäfts angenehm hervor. Der Bauherr formulierte seine Vorstellungen
klar in einem Satz: „Das Produkt soll subtil hervorgehoben und nicht
marktschreierisch angepriesen werden.“ Die vorgegebene Grundfläche des Geschäftslokals
ist mit ihren rund 130 m2 eher bescheiden und wirkt mit ihrer unregelmäßigen
sechsseitigen Geometrie wie eine verlorene Restfläche. Der bereits vorhandene
helle Parkettboden sollte aus budgetären Gründen belassen werden. Eine kleine
Bauaufgabe mit einer schwierigen Ausgangssituation sollte zu einem Ergebnis führen,
das die Käufer mit einer klaren, verständlichen Formensprache in das Geschäft
lockt!
Der Linzer Otto Gahleitner wurde mit der Innenraumgestaltung beauftragt, und zusammen mit Johannes Steger, vom jungen Architektenteam „deephaus architects“ aus Wien, wurde diese Bauaufgabe in kürzester Zeit auf einfache und gerade deswegen sehenswerte Weise umgesetzt. Das Büro deephaus architects in der Wiener Schlossgasse 14 wurde unter dem Aspekt der „interdisziplinären Netzwerkbildung“ gegründet und so ist es nicht verwunderlich, dass die sieben Architekten und Architekturschaffenden öfters mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammenarbeiten. Seit 2001 agiert das Büro unter diesem Namen und widmet sich vielseitigen Aufgaben und Projekten. Innerhalb von wenigen sommerlichen Wochen wurden von den beiden Hauptverantwortlichen unter enormen Zeitdruck drei unterschiedliche Konzeptvarianten erstellt, von denen schließlich die vom Bauherrn präferierte Lösung bis hin zur Ausführungsplanung zu Papier gebracht wurde. Der Entwurf sieht eine in der Mittelachse situierte Anordnung der Möblierung vor. Diese Achse spürt man vor allen Dingen von außen, wenn man am Schaufenster vorbeischlendert. Ein sich von der weißen Ausstattung abhebender Streifen zwingt geradezu in das Geschäftslokal zu blicken, um im hinteren Bereich die symmetrische Zweiteilung des Raumes zu entdecken. Markiert wird die Achse durch die Platzierung von drei Möblierungsinseln aus smaragdgrünen Ledersitzen und begrenzenden Regalklammern. Diese Anordnung der Möbel übt eine regelrechte Sogwirkung aus. Das farbliche Pendant in der Vertikale findet sich in einer in der hinteren abschließenden Wand positionierten, zum Abstellraum führenden Tür.
Gerne hätten die Architekten diesen smaragdgrünen Streifen auch noch bis zum Schaufenster vorgezogen, was allerdings so bis heute nicht verwirklicht wurde. Die freistehenden C-förmigen Pulte sind aus weiß lackierten MDF-Platten gefertigt und bieten Stauraum für die Schuhkartons. Auf kiesbedeckten Präsentationsflächen werden die Schuhe, die ja die Protagonisten dieses Geschäfts sind, zur Schau gestellt. Die Gestaltung der seitlichen Wände und der Rückwand halten sich in dezentem Weiß farblich zurück. Im Raster übereinander angeordnete rechteckige Öffnungen in den Leichtbauwänden aus Gipskarton, die in Form und Größe an römische Grabnischen oder auch „loculi“ erinnern, bilden ein Regalsystem zur Zelebrierung der wöchentlich wechselnden Schuhkollektionen. Jede Nische ist separat beleuchtet, sodass auch jeder Schuh eigens ins Rampenlicht gerückt wird. Punktförmige, in der Decke integrierte Lichtquellen sowie auf einer Schiene montierte Strahler erzeugen eine differenzierte, spannende Lichtsituation. Die Kassa befindet sich nicht, wie zumeist üblich, bei der Ausgangstür. Zentral gelegen kann von hier der gesamte Geschäftsraum überblickt werden.
Mit dem vorhandenen Bodenbelag mussten die Architekten bis dato leben. Doch manchmal kann man sich über einen Wasserschaden auch freuen. Demnächst wird der beschädigte helle Parkettboden durch einen dunklen ersetzt werden, was sich sicherlich zusätzlich positiv auf das ästhetische Erscheinungsbild der gelungenen Innenarchitektur des Geschäftes auswirken wird.
Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern und Plänen finden Sie im Heft 8/05.
|
|
Krista Calzature Passage Linz |
|
| Bauherr: | Helmut Michael Kindlinger |
| Planung: |
Otto
Gahleitner, Johannes Stieger, |
| Grundstücksfläche: |
129,88 m2 |
| Umbauter Raum: |
455 m3 |
| Planungsbeginn: |
Juli 2004 |
| Bauzeit: |
6 Wochen |
| Fertigstellung: |
9. 9. 2004 |
| Fotos: |
Archiv Architekten |
| Text: | Katharina Tielsch |
Mehr
gibt es in der Printausgabe!
Nur ein Abonnement sichert Ihnen
einen regelmäßigen und sicheren Bezug!