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Clever
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Erwiesenermassen
fallen über 70% der Kaufentscheidungen unbewusst. „Die Verführung zum
Einkauf“ kann daher von der Werbung stark gesteuert werden. Aber auch
Shopgestalter setzen zunehmend auf psychologisch durchdachte Konzepte. Der
Garant für einen höheren Umsatz? Ein Gespräch mit dem schwedischen
Innenarchitekten Martin Thörnblom. |
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architektur:
Welche Rolle spielt die Architekturpsychologie aus Ihrer Sicht heute für die
Innenarchitektur? Martin
Thörnblom: Da der Wettbewerbsdruck bei den Shops immer größer wird, muss man
heutzutage schon sehr genau wissen, für welche Zielgruppe man welche Projekte
in welchem Rahmen präsentiert. Schließlich will ich als Gestalter nicht meine
persönlichen Bedürfnisse, sondern die des Konsumenten erkennen, wecken und
bedienen. Insofern kommt man heute ohne psychologische Überlegungen in der
Shopgestaltung nicht weit. Die
Werbewirtschaft ist ständig den neuesten Produkttrends auf der Spur, die ja
auch das Kaufverhalten generell beeinflussen. Wie reagieren Sie darauf? Wenn
ein Shop langfristig funktionieren soll, muss man dem Zeitgeist immer einen
Schritt voraus sein. Das bedeutet extrem zukunftsorientierte beziehungsweise
auch visionäre Planung. Die Frage ist, was will der Konsument heute, morgen und
vor allem in fünf Jahren? Natürlich hängt das aber auch vom Shop ab. Für
eine Boutique kalkulieren Sie eine andere „Ablaufzeit“ als für ein
Tischkulturgeschäft. Aber oft bestimmen auch rechtliche Veränderungen das
Konsumverhalten. Und diese rechtzeitig zu erkennen, ist wieder eine eigene
Kunst. Können
Sie uns ein Beispiel nennen? Bei den Apotheken wird sicher bald etwas Entscheidendes passieren. In Österreich unterliegen sie noch einer Reglementierung, in anderen Ländern funktionieren sie jedoch längst wie eine Drogerie. Das bedeutet für diesen Markt eine Verstärkung des Wettbewerbes und vor allem auch eine Veränderung des Konsumverhaltens. Wir haben daher beispielsweise die Allerheiligen Apotheke in Wien ganz im Sinne eines mündigen Kunden nach neuen Richtlinien gestaltet. In diesem Konzept vollzieht sich die Wandlung von der klassischen Apotheke hin zum modernen Shop.
Mit
welchen konkreten Mitteln der Shoparchitektur? Das
Geschäft hat nun insgesamt einen starken Selbstbedienungscharakter mit so
genannten Freiwahl- und Sichtwahlsegmenten. Im Selbstbedienungsbereich können
Sie sich selbstständig über bestimmte Waren und Produkte, deren Wirkungen und
Nebenwirkungen informieren. Bei den Sichtwahlprodukten steht der Apotheker als
Fachmann für die Beratung zur Verfügung. In den toten Ecken des Geschäftslokales
haben wir interaktive Informationsbereiche eingerichtet, wo der Kunde mit
vielseitigen Beiträgen sehr zielgruppenspezifisch erreicht wird. Produkte, die
solchermaßen beworben werden, erzielen übrigens einen deutlich höheren
Umsatz. Wir sind hier einer zu erwartenden Entwicklung einen Schritt
vorausgegangen und haben mit innovativer Shoparchitektur ein neues Einkaufs- und
Informationsverhalten angeregt. Auch das ist mit psychologisch durchdachter
Gestaltung möglich. Sie
beeinflussen also mit gestalterischen Mitteln bewusst den Verkaufsprozess? Ja
und das ist ein unglaublicher Mehrwert für den Shopbetreiber, wenn ich mit
Gestaltung bestimmte Szenarien oder Situationen erzeugen kann. Auch das
Unternehmen Augarten ist ein gutes Beispiel für ein gesteuertes Shoperlebnis:
Augarten ist eine Manufaktur und verkauft als Weltmarke durchwegs exklusive
Produkte. Die Frage war, wie kann man mit neuer Shoparchitektur die Exklusivität
der Waren besser vermitteln und gleichzeitig den Kunden zum verstärkten Kaufen
anregen? Die Lösung lag in einer Reduktion und einer neuen Präsentationstechnik
der Waren. Wie
sieht das in der Praxis aus? Die
besonders teuren Stücke haben wir in sichtbare Tresore gestellt. Der Großteil
der Waren wurde aber in Verkaufspulten, die mit speziellen Ausziehfächern
ausgestattet wurden, versteckt. Verlangt der Kunde nun beispielsweise nach der
Obstschale eines bestimmten Services, so wird ihm zunächst nur diese, während
des Verkaufsgespräches jedoch das komplette Service präsentiert. Am Ende ist
der Tisch fertig gedeckt. Dem Kunden wird auf Wunsch Kaffee oder Tee serviert.
Das intensiviert das Szenario und erhöht die Kaufbereitschaft des Kunden. Ist
nun eine solchermaßen psychologisch durchdachte Shopgestaltung ein Garant für
mehr Umsatz? Natürlich
wirkt sich funktionierende Architektur auch in den Umsatzzahlen aus. Wenn die Kunden
sich wohl fühlen, kaufen sie mehr. Der coolste Laden nützt eben nichts, wenn
das Konzept insgesamt nicht passt. Schaut
man auf die großen Marken, so gilt anscheinend die Regel
„Je exklusiver, desto besser!“
Das
kommt auf das Produkt an. Sicher brauchen exklusive Produkte einen exklusiven
Rahmen. Wenn der Kleiderproduzent Prada sich Koolhaas als Gestalter nach New
York und Los Angeles holt, dann stylt man die Marke mit einer Marke. Aber: Ein
Shop muss auch rentabel sein. – Wie viele Shops können davon leben, am Tag 5
Shirts zu verkaufen? Was ich damit sagen will, ist, dass Sie in der Regel mit
guter Shopgestaltung alleine auch nicht alles bewirken können. Denn insgesamt
funktioniert ein Gestaltungskonzept nur in der Einheit von Marketing, guter
Verkaufspsychologie und professioneller Warenpräsentation. Zum anderen gibt der
Kunde auch nur so viel aus, wie er in der Brieftasche hat. Und hier enden die Möglichkeiten
der gestalterischen Kaufmotivation. Da wäre dann die Wirtschaft gefragt. Denn:
Wenn alles spart, hilft das beste Design nichts! Wie
sehen Sie den modernen Konsumenten? Der
moderne Kunde will sich mit dem Design und den Waren identifizieren können, er
ist kritisch und neugierig – das merkt man vor allem bei den Shoperöffnungen.
Aber leider lässt sich auch eine von der Globalisierung geprägte
Einheitskultur feststellen. Die großen Einkaufscenter zeichnen sich oft durch
Austauschbarkeit aus. Und das Resultat ist die Einheitlichkeit des Kunden. –
Der typische weibliche Teenager von heute ist vom Rucksack bis zu den
Turnschuhen uniform gestylt. Ich sehe meine Aufgabe daher auch darin, mit
kreativen und psychologisch durchdachten Gestaltungskonzepten diesem Trend ein
wenig entgegenzuwirken. Wir
danken für das Gespräch!
Den gesamten Artikel mit weiteren Bildern finden Sie im Heft 8/05.
Fotos:Andreas Penkler Text: Gudrun Gregori |
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