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115 www.architektur-online.com edv Bauthermografie-Praxis: Wärmedämmverbundsysteme prüfen Per Wärmebildkamera die Dämmung von über 50.000 Wohnungen optimieren Mit rund 51.000 Wohnungen bietet der Wohnungs- und Immobilienkonzern ABG in Frankfurt am Main Wohnraum für fast ein Viertel der Stadtbevölkerung. Zum Unternehmen gehören verschiedene Tochterunternehmen und Joint Ventures. Getreu dem Motto „Wir sind die Passivhausmacher“ möchte die ABG sowohl Innovation fördern als auch höchste Wohnqualität bieten. Für diese Ziele arbeitet Dipl.-Ing. Herbert Kratzel bei der ABG. Er ist einer von vier Kollegen, die sich um Gebäudemonitoring und -diagnostik kümmern. Zu seinen Hauptaufgaben gehören die Analyse der Qualität neu installierter Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), Untersuchungen zum Mindestwärmeschutz sowie Leckage-Untersuchungen. Zu den Analysewerkzeugen, die dabei zum Einsatz kommen, gehören BlowerDoor Tests, Sonden, Endoskope – und natürlich die Thermografie. – diese anspruchsvolle Aufgabe hat sich der Frankfurter Wohnungs- und Immobilienkonzern ABG zum Ziel gesetzt. Zugleich wurde ein europäisches Forschungsprojekt umgesetzt. Vergleichswerte schaffen Sicherheit Zu Kratzels Erstaunen gab es damals keinerlei Fachliteratur, die Grenzwerte von Fehlern eines WDVS thermografisch definierte. Dem ABG-Team blieb also nichts anderes übrig, als selbst Verfahren zu entwickeln, die zu reproduzierbaren Ergebnissen führen. Dafür kam der Diplomingenieur auf eine verblüffende Idee: „Wir haben einfach beispielhafte Fehler in eine Wärmedämmung eingebaut, z. B. eine komplett unverfüllte 5 mm breite Fuge, oder eine nur teilweise verschlossene Fuge. Und dann haben wir uns mit der Wärmebildkamera diesen Baumangel angesehen. Mit dieser Kalibriermessstrecke – bei bekannten, weil über Monate geloggten Innentemperaturen – hatten wir dann Vergleichswerte und konnten beim Auftreten ähnlicher Messergebnisse Fehler erkennen. Mit akribischer Systematik und thermografischen Scans, die unter den verschiedensten Bedingungen wiederholt wurden, schuf sich das Team Vergleichsmesswerte, die bis heute bei der Einschätzung von Auffälligkeiten und Wärmesignaturen von großem Wert sind. Dieses Konzept hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass Kratzel mittlerweile in fast jede Dämmung eine solche Kalibrierstrecke integrieren lässt: „Unsere Partner im Bereich Dämmung scheint es zu beflügeln, denn wir haben immer öfter wirklich gute Fassaden, an denen wir kaum etwas zu bemängeln haben“. Das Thermografie-Team der ABG prüft heute etwa 40 Gebäude mit neuen WDVS pro Jahr. Dabei finden sich als Nebenbefunde natürlich auch andere Auffälligkeiten, z. B. an Fenstern oder Gaubenanschlüssen oder am Dach-/Wandübergang. Europäisches Forschungsprojekt „RetroKit“ der ABG Frankfurt Holding im Stadtteil Bockenheim © FLIR Sanierung der Fassade mit Integration der Zu- und Abluftleitungen in die Außendämmung. © Ralf H. Pelkmann Text: Thomas Jung


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