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36 architektur FACHMAGAZIN architekturszene Einen außergewöhnlichen Blick auf Wien bietet dabei eine große Vielfalt an Stadtplänen aus der Hand unterschiedlicher Gestalter – gezeigt werden sowohl zeitgemäße Exponate als auch Modelle aus den vergangenen Jahrhunderten. Das Wien Museum achtet auf eine exemplarische Objektauswahl, wobei der Fokus auf einer Gegenüberstellung künstlerischer Positionen mit Beispielen aus Wissenschaft und Forschung liegt. Präsentiert werden im Rahmen dessen somit sowohl Stadtdarstellungen, die als Ausdruck von Widerstand zu verstehen sind, als auch Karten, deren Inhalt einen spielerischen Zugang zum Raum sowie eine alternative Nutzung desselben fördert. Text: Dolores Stuttner Bilder: Wien Museum Neue Aussichtspunkte auf die Stadt Wien – die Entdeckung der Vogelschau „Die Stadt mit anderen Augen zu sehen“ lautet das Motto der Ausstellung. Zu sehen bekommen Besucher somit nicht nur die ältesten, berühmtesten Panoramen und Pläne, sondern ebenfalls thematische Karten und künstlerische Darstellungen Wiens. „Wien von oben“ bietet den Gästen dadurch neue Aussichtspunkte auf die Hauptstadt Österreichs. Künstlerische und wissenschaftliche Entwürfe zeigen, wie sich die Stadt sowie die Darstellung derselben im Laufe der letzten 500 Jahre verändert haben, wobei Gesamtansichten hierbei als visuelles Medium eine zentrale Rolle einnehmen. Seit mehreren Jahrhunderten gibt es nämlich das Bestreben, die Stadt von oben zu betrachten. Im Laufe der Entwicklung der Kartografie gab es bereits zahlreiche Versuche, die urbane Raumstruktur aus der Vogelperspektive möglichst vollständig zu erfassen – verändert haben sich mit der Zeit alleine die Möglichkeiten zur Darstellung eines Siedlungsgefüges. Beleuchtet werden im Rahmen der Exhibition daher neben der Entwicklung der Stadtpläne über die letzten Jahrhunderte die sich veränderten Aussichtspunkte und Ansichten der Stadt Wien. Dabei findet der Totalitätsanspruch kartografischer Gesamtdarstellungen – gemeint ist hiermit das Bestreben, die Stadt als Ganzes abbilden zu wollen – eine besondere Beachtung. Zu den beliebtesten Methoden gehören diesbezüglich neben der Vogelschau das Panorama, Grundrisspläne sowie physische, dreidimensionale Modelle. Im internationalen Vergleich etablierte sich in Wien die Vogelschau mit dem 17. Jahrhundert jedoch sehr spät. Zur damaligen Zeit betrachteten Kartografen die Stadt von einer fiktiven Höhe aus und fertigten ihre Darstellungen häufig aus dem Gedächtnis an. Im 19. Jahrhundert konstruierten die Zeichner ihre Stadtpläne von realen Aussichtspunkten wie beispielsweise Hügel- und Turmspitzen aus. Der sogenannte „Blick von oben“ galt aufgrund des relativ hohen Aufwands für lange Zeit als Privileg. Heute hat jedoch das Internet gemeinsam mit der öffentlichen Verfügbarkeit kartografischer Daten die Erstellung individueller, interaktiver Pläne aus der Vogelschau vereinfacht. Die Stadt auf einen Blick Wenn es um die Wahrnehmung von öffentlichem Raum geht, haben Pläne und Karten sowohl in der Raumplanung als auch in der Architektur einen hohen Stellenwert. Kartografische Darstellungen werden zumeist dazu gebraucht, um eine Stadt gezielt zu erkunden. Allerdings können solche Pläne auch Wissen repräsentieren, welches erst im Zuge der Kartierung entsteht. Stadtpläne sind somit Instrument und Dokument zugleich und dienen etlichen Wissenschaften als Forschungsmedium. Dieser Thematik widmet sich die Ausstellung „Wien von oben. Die Stadt auf einen Blick“, die interessierten Besuchern von 23. März bis 17. September 2017 im Wien Museum eine Vielzahl an Exponaten präsentiert.


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