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37 www.architektur-online.com architekturszene Werbemittel Stadtplan Landkarten und Stadtpläne gelten gemeinhin als objektiv und wertneutral. Jede planliche Darstellung des Raumes ist aber auch subjektiv, da diese den Interessen ihrer Auftraggeber folgt und gleichzeitig die Handschrift ihres Gestalters trägt. Kennzeichnend für viele Darstellungen der vergangenen Jahrhunderte ist häufig deren Detailreichtum. Sehr oft diente eine sehr umfangreich ausgeführte Kartierung allerdings nicht nur der vollständigen Erfassung der Stadt, sondern in erster Linie zum Unterstreichen des Machtanspruches – Wien sollte in Plandarstellungen bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts vordergründig als die schöne Residenzstadt des Kaisers wahrgenommen werden. Ebensolche Anforderungen einer beschönigten Abbildung drängen die Kartografie stets in einen Zwiespalt zwischen Wirklichkeitstreue und Idealisierung. Diese Uneinigkeit stellt eine Herausforderung dar, der sich Planer auch heute noch stellen müssen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf moderne Technologien, die beim Entwurf von Plänen vielfältige Wege bieten, eine Darstellung gemäß den Vorlieben unterschiedlicher Zielgruppen anzupassen. Während hier früher vor allem zweidimensionale Abbildungen zum Einsatz kamen, gewinnen heutzutage immer öfter dreidimensionale Darstellungen an Bedeutung. Mit dieser Art von Plan ist es möglich, grafische Informationen mit nicht-grafischem Informationsgehalt in Beziehung zu setzen. Computermodelle sind zudem leichter zu manipulieren, was in der beliebig wandelbaren Detailgenauigkeit begründet ist – vor allem letztgenannter Punkt musste in physischen Modellen bislang sehr teuer bezahlt werden. Kartografie trifft auf Technologie Stadtpläne enthalten generell nur solche Informationen, die ihrem Zweck gemäß kommuniziert werden sollen. Vor allem historische Karten waren selten vollständig und stellten dadurch nur Fragmente der jeweiligen Stadt dar. In den letzten Jahrzehnten hat sich dies geändert – dank moderner visueller Erfassungs- und Kartierungssysteme können Stadtpläne bei Bedarf eine sehr detailgenaue Abbildung des jeweiligen Ortes bereitstellen. Während klassische Stadtpläne in erster Linie der Orientierung im Raum dienen, werden moderne kartografische Darstellungen auch bei Visualisierungen von Projekten und damit der Umsetzung von baulichen Maßnahmen im Raum eingesetzt. Oft helfen die Visualisierungen dabei, Überzeugungsarbeit für das jeweilige Projekt zu leisten – sowohl vor, als auch während der Umsetzung eines Entwurfs stellen Pläne dadurch das Herzstück eines jeden städtebaulichen Konzepts dar. In Architekturbüros ersetzen virtuell erstellte Pläne heutzutage nahezu vollständig physische Karten. Computermodelle haben nämlich den Vorteil, dass sie einerseits für die Navigation herangezogen werden können und gleichzeitig den mehrdimensionalen Charakter der Architektur demonstrieren. Zu verdanken ist diese Entwicklung dem sogenannten „Rechnergestützten architektonischen Entwerfen“ oder „Computer Aided Architectural Design (CAAD)“. Als Beginn dieser Disziplin wird die Einführung des Sketchpad-Programms von Ivan Sutherland im Jahr 1963 angesehen. In der heutigen Zeit können diese Programme dank moderner Technologien ein realistisches Abbild geplanter baulicher Maßnahmen im Raum liefern. Auf dem Computer gezeichnete Karten besitzen eine Informationstiefe, die weit über die Aussagekraft eines konventionell hergestellten Entwurfs hinausgeht. Sinnvoll ist dieser Aspekt vor allem dann, wenn bei späterer Verwendung der Pläne mehr als die grafische Darstellung gefragt ist. „Wien von oben“ verdeutlicht dies mit einem Exponat, das es Besuchern erlaubt, sich in einem virtuellen Modell der Stadt Wien fortzubewegen. Der Benutzer kann dabei selbst bestimmen, zu welchen Bereichen er genauere Informationen erhalten will. Wie die Ausstellung im Wien Museum und Beispiele aus der Praxis zeigen, sind Stadtpläne stets eine Mischung aus Sinnbild und Abbild. Selbst sehr exakte Pläne, die mit den computergestützten Instrumenten der heutigen Zeit erstellt wurden, bilden das reale Territorium nie vollständig ab – die Darstellungen sind häufig selektiv und interessensgeleitet. Jeder Stadtplan ist daher auch eine zeittypische Repräsentation des Ortsbilds, der Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Strömungen gewährt.


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