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39 www.architektur-online.com Bauen (wie) in Entwicklungsländern Das Projekt war Teil der Longquan International Biennale, bei der mit Bambus gebaut werden sollte. Zwölf Architekten waren eingeladen, bleibende Strukturen zu errichten. Das Studio Heringer sollte zwei Jugendherbergen und ein Gästehaus bauen. Die Struktur der Herbergen ist in ihrem Kern aus Steinen und gestampfter Erde/Lehm. Hier befinden sich die Stiegen und die Nasszellen. Außen angehängt sind Schlafeinheiten. Letztere sind wie chinesische Lampions konstruiert, die in der Nacht leuchten. Als Außenhaut des Gesamten findet man eine expressive Struktur aus geflochtenem Bambus. Das Energiesystem beruht hier auf unmittelbaren, „archaischen“ Energiequellen wie Sonne und Feuer. Beschattung und Pflanzen minimieren die zu klimatisierenden Bereiche. Statt Geld und Energie zu verwenden, um das gesamte Volumen der Herberge zu klimatisieren, wird nur der Kern thermisch kontrolliert, der die Waschräume und die Schlafkokons beherbergt. Sie sind regensicher und haben Heiz- und Kühlmöglichkeiten auf einem technisch sehr niedrigen Niveau. Ein Ofen erwärmt – unterstützt von Solarzellen – das Warmwasser für die Duschen, gleichzeitig entsteht so durch das Feuer eine kommunikative Atmosphäre in den Gemeinschaftsräumen. Heringer meint, dass unser Denken generell Nachhaltigkeit mit der Verknappung der Ressourcen in Verbindung bringt. Aber der Grundgedanke der Natur beruht nicht auf Limitierung. Die Baumaterialien, wie Bambus und Lehm, gibt es im Überfluss und es macht sowohl in ökonomischer wie auch in ökologischer Hinsicht durchaus Sinn, sich ihrer zu bedienen. So sieht sie ihre Bauten als ein Statement, dass Nachhaltigkeit Lebensqualität bedeutet und aus den immensen natürlichen Ressourcen entstehen kann und sollte. Natürlich sind die Techniken des Bambusflechtens und der gestampften Erde zeit- und arbeitsintensiv. Sie sind eine Herausforderung für die örtlichen Arbeitskräfte und lassen aber gleichzeitig den größten Teil des Profits in der Gemeinschaft.


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