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40 architektur FACHMAGAZIN Bauen (wie) in Entwicklungsländern Bambusbrücke Mit nur 10.000 Euro haben „Architecture Sans Frontières Indonesia“ in Solo, Java, eine Brücke erbaut. Aus Bambus natürlich! Sie überspannt einen Kanal vor einer alten Festung mit einer Weite von 18 Meter, die Gehbreite der Fußgängerbrücke variiert zwischen 1,8 und 2,3 Meter. Ausgebildete Zimmerleute aus Yogyakarta haben das Projekt in nur drei Monaten erledigt – es ist die erste Brücke aus Bambus in Indonesien und die Bevölkerung der Stadt Solo hat sich bereit erklärt, für den Schutz und die Pflege der Konstruktion zu sorgen. Bambus soll hier als vielversprechendes Baumaterial der Zukunft gezeigt werden. Ein schnelles Projekt Auf den Galapagos Inseln errichtete das „The Scarcity and Creativity Studio“ (SCS) innerhalb von zwei Wochen einen schattenspendenden Unterstand mit öffentlichen Duschen am Strand von Playa Man. Eigentlich hätte ein ganz anderes Projekt realisiert werden sollen, aber dieses wurde kurzzeitig abgesagt. Und da die Finanzierung des ursprünglichen Vorhabens bereits organisiert und auch das Baumaterial bereits gekauft und bezahlt war, beschlossen die Architekten, diese Verbesserung der Strandumgebung zu realisieren. Bambus wächst vor Ort und kann nach bereits vier Jahren als Baumaterial benutzt werden. Und obwohl es auf den Galapagos Inseln als das Material der armen Leute betrachtet wird, war das SCS-Team überrascht, wie viele Menschen in den Bambus ihre Hoffnung in ein nachhaltiges, starkes Baumaterial legten. TOIGETATION Eines der Jahrhundertziele der UNO ist die Versorgung aller Menschen mit Trinkwasser, WCs und Waschgelegenheiten. Das Erreichen dieser Ziele wird als Menschenrecht betrachtet. In Vietnam haben 88 % der Schulen keine ausreichend sauberen Toiletten für die Kinder. Ein Viertel haben überhaupt keine WCs. Gesponsert von UNICEF Vietnam haben die H&P Architects das Projekt Toigetation (eine Wortkreation aus Toilet + Washing + Vegetation) ins Leben gerufen. Die zwei Bauprojekte in der Son Lap School mit ihren 485 Schülern beruhen auf drei Kriterien: eine schnelle Konstruktion, geringe Kosten und eine breite, allgemeine Zugänglichkeit. Bei beiden bedecken Pflanzen und Kräuter die Außenwände, spenden Schatten, geben Sichtschutz, regeln auch die Ventilation und geben Nahrung. Verwendete Materialien waren Bambus, Ziegel und gebrauchte Kanalrohre. Beide sind komplett natürlich belüftet und belichtet, zusätzlich verwendete man Solarpaneele zur Energieerzeugung und spart Brauch- und Fließwasser. Die Menschen sollen durch dieses Projekt angeleitet werden, in Eigenregie weitere Toigetation-Projekte zu errichten. Mit nur 3.000 USD lassen sich so Waschanlagen und WCs in Gebieten, die abseits jeder Infrastruktur liegen, realisieren. © SCS © Doan Thanh Ha


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