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41 www.architektur-online.com Bauen (wie) in Entwicklungsländern Technik, Tradition und Design Das italienische Büro Luca Poian hat für das „Camboo Festival“ – das internationale Bambus Festival in Kambodscha, Phnom Penh – einen Pavillon entworfen. Er ist fast ausschließlich aus Bambus, integriert in seiner Konstruktion die in der Tradition tief verwurzelten, örtlichen Konstruktionsmethoden des Handwerkes und der Kultur und experimentiert mit den technischen und mechanischen Möglichkeiten des Materials. Das Resultat ist eine faszinierende Mischung aus Technik und Design, die keine einzige zufällige Komponente enthält. Die Form beruht auf der sogenannten Enneper-Minimalfläche, eine mathematische Kurve der 9. Ordnung. Die Struktur berührt nur an vier Punkten den Boden und ist selbsttragend, obwohl sie den Anschein hat – aufgrund der Spannung der Bambusstäbe – jeden Moment auseinander platzen zu müssen. Bambuskunst Ebenfalls eine Verbindung von Hightech und traditionellem Handwerk stellt die Installation „Reconstruction of the Universe“ des chinesischen Künstlers Sun Xun während der Miami Art Week dar. Sie wurde von der MA3 Agency produziert. Eine Demonstration von Architektur aus einem billigen, aber nachhaltigen Material in einem hochtechnisierten, westlichen Land. Ein Dach in einer Sinuskurvenform aus 1.300 Bambusstäben reckt sich über einer – leicht vom Erdboden angehobenen und zum Ozean orientierten – Plattform in die Höhe. Sie bildet einen Schutz über dem Ausstellungsbereich. In der Nacht ist die Bambusstruktur beleuchtet und bietet einen Leuchtturmeffekt für die Strandzone. Transparente Hülle Im April 2016 fand in Saigon, Vietnam, eine Architekturausstellung in einem temporären Pavillon statt, der nur aus Bambus und Poonah-Papier (Reispapier) bestand. Das a21studio war für diese luftige und attraktive Konstruktion verantwortlich. Als Resultat einer Zusammenarbeit mit Architekturstudenten war die Form der Architektur von den Kokons der Insekten inspiriert. Der Grundriss maß 9 x 18 Meter, auf denen sieben lokale Firmen ausgestellt waren. 800 Bambusstäbe und 1.200 Blatt Reispapier waren notwendig, um die Hülle zu fertigen. Das Papier war in der Art von Pappmaché-Arbeiten auf die Tragstruktur aufgeklebt und bedeckte die Innen- und Außenseite. Diese Klebetechnik wird von Generation zu Generation von Künstlern weitergegeben und hat bis in die heutige Zeit überlebt. © Audemars Piguet, Benoit Pailley © Trieu Chien © Luca Poian Forms


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