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architektur FACHMAGAZIN 46 Bildung für alle Ein besonderer Vorteil des Altbaus ist, dass die große Masse der oft mehr als einen Meter dicken Ziegelmauern hervorragende schallisolierende Eigenschaften besitzen. Die Fensterwände zum Hof hin konnten unverändert bleiben und damit den architektonischen Gesamteindruck bewahren. Einen weiteren funktionell bedingten Minimaleingriff bedeuten die abnehmbaren Blechpaneele in den Gangdecken entlang der Mittelmauer. Sie ermöglichen die erforderliche Zugänglichkeit und Nachrüstbarkeit der Installationen und trennen wie eine breite, betonte Fuge architektonisch die neu eingebauten Decken vom massiven Altbestand. Aus akustischen Gründen werden von hier aus – stichähnlich – die Erschließungen der einzelnen Räume vorgenommen, um direkte Schallbrücken zwischen Musikräumen zu vermeiden. In einigen großen Sälen hat man die ursprünglich bestehenden Geschoßdecken entfernt und damit zweigeschossig hohe Räume mit dem für Musik nötige Volumen geschaffen. Direkt hinter dem südlichen Seitenflügel des Haupttraktes befindet sich im Hof ein Neubau der zur Universität gehörenden Filmakademie Wien mit Studios, Kulissenwerkstatt und -depot. In einer weiteren großen Ausbaustufe 2005 - 2007 konnte der Die langen, tonnenförmig überwölbten Gänge im Gartentrakt haben etwas Klosterähnliches. In den angeschlossenen Übungsräumen ist das Tonnengewölbe in den Fensteranschnitten noch sichtbar. Gartentrakt im Osten des Campus für die Konzertfachausbildung in den Streich- und Blasinstrumenten adaptiert werden. Aus den früheren Stallungen mit Futterboxen und im Dach befindlichem Heulager wurden moderne, akustisch hervorragend ausgerüstete Klassenzimmer. Dazu ließ der Architekt sämtliche nichttragende Querwände und Abmauerungen entfernen, wodurch ein fast klosterähnlicher Charakter entstand. Ein über eine Länge von 200 Meter durchgehender - mit einer Tonne überwölbter - Gang erschließt nun im Erdgeschoss die Musikräume, die ebenfalls Tonnengewölbe besitzen. Da konkave Decken durch die Fokussierung der Schallwellen akustisch extrem problematisch sind, entwickelte man ein abgehängtes konvexes Akustiksegel, in das auch die Beleuchtungselemente integriert sind. Ebenfalls in Buche furniert, trägt es mit dem Parkettboden zu einer wohnlichen Raumstimmung bei, ohne dass der Bestand des Tonnengewölbes ausgeblendet wird. Die in den Gewölbeansatz hinaufgreifenden Anschnitte der Rundbogenfenster bleiben sichtbar. Diese schallschutztechnischen Maßnahmen hat Architekt Gallister zusammen mit dem Akustikspezialisten Karl Bernd Quiring (siehe architektur 05/13, Opernhaus Linz) in langer Arbeit, Tests und Experimenten entwickelt. u


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